NRW HEUTEonline

Menschen. Themen. Perspektiven.

NRW

NRW-Kinderschutzbeauftragte stellt Acht-Punkte-Plan für Kinderrechte vor

Die NRW-Kinderschutzbeauftragte Petra Ladenburger hat einen Plan mit acht Punkten für mehr Kinderschutz und Kinderrechte vorgestellt. Vorgesehen sind unter anderem eine stärkere Beteiligung junger Menschen, die Öffnung von Schulhöfen am Nachmittag und die Prüfung der Folgen neuer Gesetze für Kinder und Jugendliche.

Radio Bonn / Rhein-Sieg · 12.10.2026 · 11:33 Uhr

Illustration zum Thema: NRW-Kinderschutzbeauftragte stellt Acht-Punkte-Plan für Kinderrechte vor
KI-Illustration

Die NRW-Kinderschutzbeauftragte Petra Ladenburger hat einen Acht-Punkte-Plan vorgestellt, der Kinderschutz und Kinderrechte im Land stärken soll. Ladenburger will Kinder und Jugendliche stärker beteiligen, sich für nachmittags geöffnete Schulhöfe einsetzen und die Folgen neuer Gesetze für junge Menschen prüfen.

Ihr Konzept erläuterte Ladenburger im Interview mit José Narciandi, dem Ressortleiter Landespolitik von Radio Bonn/Rhein-Sieg.

In den vergangenen Monaten hat Ladenburger zahlreiche Gespräche mit Kindern und Jugendlichen geführt. Dabei sei deutlich geworden, wie sehr finanzielle Sorgen deren Alltag prägen. Die jungen Gesprächspartner berichteten, dass Essen, Kleidung und Mieten günstiger werden müssten.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist Ladenburger die Antwort einer Sechstklässlerin auf die Frage, was sie als Bürgermeisterin an einem Tag verändern würde. Sie würde dafür sorgen, dass an diesem Tag alles kostenlos ist, damit sich alle einmal einen Tag lang keine Sorgen machen müssten.

Diese Aussage dürfe die Politik nicht einfach hinnehmen, betont Ladenburger. Ein weiteres Anliegen der Kinder und Jugendlichen seien Orte, an denen sie sich mit Freunden treffen können, ohne etwas bezahlen zu müssen oder weggeschickt zu werden.

Eine konkrete Maßnahme ist die Öffnung der Schulhöfe nach Unterrichtsschluss, wo Kinder und Jugendliche spielen und sich treffen könnten. Nach Ladenburgers Angaben ist dies in vielen Kommunen bereits umgesetzt, in anderen fehle es noch an der Umsetzung.

Als Hindernisse nennt Ladenburger unter anderem versicherungsrechtliche Bedenken und die Sorge vor Vandalismus. Die Entscheidung liegt letztlich bei den Kommunen. Die Landesbeauftragte will sich dafür einsetzen, dass mehr Städte und Gemeinden ihre Schulhöfe zugänglich machen.

Kinder und Jugendliche sollen Ladenburger künftig bei ihrer Arbeit beraten, ausdrücklich nicht als klassischer Beirat. Verschiedene Beteiligungsformate sollen junge Menschen aus ganz Nordrhein-Westfalen und aus unterschiedlichen Lebenslagen erreichen, etwa durch Treffen vor Ort und digitale Angebote. Wie die Beteiligung genau organisiert wird, soll zunächst mit Fachleuten beraten werden.

Ladenburger möchte außerdem, dass Kinderrechte bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden. Die Auswirkungen neuer Gesetze auf Kinder und Jugendliche sollen künftig standardmäßig geprüft werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung von Fachkräften, die mit Kindern aus Familien arbeiten, in denen menschenfeindliche oder demokratiefeindliche Weltbilder vermittelt werden. Beschäftigte in Kitas, Schulen, Jugendämtern und der Kinder- und Jugendhilfe sollen dafür besser geschult werden, um die Folgen solcher Ideologien für das Kindeswohl einschätzen und Kinder in ihrer Entwicklung stärken zu können.

Ab 2027 will Ladenburger jährlich ein Lagebild zu Kinderschutz und Kinderrechten veröffentlichen. Geplant sind außerdem eine Studie zum finanziellen Nutzen von Prävention, ein Kurzfilmwettbewerb zum Thema Zukunft und der erste NRW-Kinderrechte-Gipfel Ende 2027. Die Beauftragte ist seit Februar 2026 im Amt und will ihre Vorhaben unabhängig von Legislaturperioden vorantreiben.

Das Konzept umfasst acht Punkte: die Beratung der Beauftragten durch Kinder und Jugendliche, den ersten NRW-Kinderrechte-Gipfel Ende 2027, einen Kurzfilmwettbewerb zum Thema Zukunft im kommenden Jahr, ein jährliches Lagebild ab 2027, eine Studie zum finanziellen Nutzen von Prävention, einen Gesetzes-Check für junge Menschen, die Öffnung von Schulhöfen nach Schulschluss als kostenlose Treffpunkte sowie die Stärkung von Fachkräften im Umgang mit menschenfeindlichen Ideologien.

Bei Radio Bonn / Rhein-Sieg lesen ↗