NRW HEUTEonline

Menschen. Themen. Perspektiven.

Wirtschaft

Schufa: Zahlungsstörungen steigen auf 8,1 Prozent – Gelsenkirchen und Herne in NRW besonders betroffen

Laut Schufa-Auswertung zum Stichtag 31. Dezember 2025 haben 8,1 Prozent der Verbraucher bundesweit Zahlungsstörungen. Im Ruhrgebiet fallen Gelsenkirchen und Herne durch hohe Werte auf. Verbraucherschützer kritisieren zugleich die Arbeitsweise der Auskunftei.

Usinger Anzeiger · 08.10.2026 · 12:29 Uhr

Illustration zum Thema: Schufa: Zahlungsstörungen steigen auf 8,1 Prozent – Gelsenkirchen und Herne in NRW besonders betroffen
KI-Illustration

Der Anteil der Verbraucher mit Zahlungsstörungen ist in Deutschland weiter gestiegen. Nach einer Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Schufa zum Stichtag 31. Dezember 2025 liegt er bei 8,1 Prozent, im Vorjahr waren es 7,9 Prozent. Als Gründe für die finanzielle Belastung vieler Haushalte nennt der Bericht hohe Lebenshaltungskosten, gestiegene Energiepreise und die anhaltende Konjunkturschwäche. Die Daten zeigen zudem größer werdende regionale Unterschiede zwischen wirtschaftlich stabilen und strukturschwachen Regionen.

Aus Sicht der Schufa ist ein deutliches Signal, dass 2025 erheblich mehr Menschen erstmals in Zahlungsschwierigkeiten gerieten: Ihre Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent. Außerdem wurden 88.000 Anträge auf Privatinsolvenz registriert, 8,3 Prozent mehr als zuvor. Schufa-Vorstandsvorsitzende Tanja Birkholz erklärte, ein wachsender Teil der Verbraucher gerate finanziell unter Druck. Eine akute Verschuldungskrise oder eine bundesweite Pleitewelle sieht sie dennoch nicht. Als Begründung verwies sie darauf, dass die Zahl der Privatinsolvenzen weiterhin unter den Höchstständen der Jahre 2006 bis 2012 liege, als es jeweils über 100.000 Anträge gab.

Betroffen sind laut Schufa vor allem Menschen im erwerbsfähigen Alter. Mehr als die Hälfte der neuen Privatinsolvenzen entfiel auf 30- bis 49-Jährige, auf die 20- bis 29-Jährigen kamen 13 Prozent. Senioren über 74 Jahre machten nur ein Prozent aus. Unter den Antragstellern waren 58 Prozent Männer und 42 Prozent Frauen.

Auf kommunaler Ebene zeigt sich ein deutliches Gefälle. Das geht aus Daten des Creditreform-Schuldneratlas und regionaler Statistikbehörden wie IT.NRW hervor. Nach einer bundesweiten Analyse zur Überschuldung hat Bremerhaven mit 18,33 Prozent die höchste Überschuldungsquote. Dahinter folgen Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen mit 17,07 Prozent und Pirmasens mit 16,86 Prozent. In NRW konzentrieren sich die finanziellen Belastungen vor allem im Ruhrgebiet und in Teilen des Rheinlands.

Gelsenkirchen hat damit die höchste Überschuldungsquote in NRW. Verstärkt wird das nach der Auswertung durch eine der höchsten Arbeitslosenquoten im Bundesland. Herne führt laut IT.NRW das landesweite Ranking bei der Insolvenzdichte an, mit 347,8 Fällen je 100.000 Einwohner.

Hohe Insolvenz- und Schuldenbelastungen verzeichnen auch weitere Städte. Je 100.000 Einwohner nennt die Auswertung für Leverkusen 257,9 Insolvenzen, für Wuppertal 250,6, für Hamm 231,5 und für Remscheid 230,8. Es folgen Köln mit 219,5, Mönchengladbach mit 218,5, Hagen mit 216,7 und Dortmund mit 215,5.

Deutlich niedriger fallen die Werte in wirtschaftsstarken Regionen Süddeutschlands aus. Bayern kommt laut der Analyse auf eine durchschnittliche Überschuldungsquote von 6,05 Prozent und verzeichnet damit die bundesweit geringsten Ausfallquoten. Den niedrigsten Wert hat dort der Landkreis Eichstätt mit 3,66 Prozent.

Während die Schufa ihre Zahlen als wirtschaftlichen Gradmesser präsentiert, steht ihre Arbeitsweise bei Verbraucherschutzorganisationen in der Kritik, darunter der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentrale NRW. Verbraucherschützer nennen mehrere Problemfelder.

Erstens sei trotz eines überarbeiteten Kriterienmodells weiterhin undurchsichtig, wie der Bonitäts-Score berechnet wird. Besonders jüngere Menschen ohne lange Finanzhistorie würden dadurch strukturell benachteiligt, so die Kritik.

Zweitens bewahre die Auskunftei historische Zahlungsvorgänge in separaten Datenbanken teils über viele Jahre auf, wie Medienberichte und Recherchen zur Datenspeicherung zeigten. Die Speicherfristen für bereits erledigte Schulden beschäftigten zudem wiederholt die Gerichte bis hin zum Bundesgerichtshof.

Drittens hätten negative Bonitätseinträge erhebliche Folgen für den Alltag. Sie entstünden teils durch unberechtigte Inkassoforderungen oder formale Streitigkeiten und erschwerten Betroffenen die Wohnungssuche, den Abschluss von Energie- oder Telekommunikationsverträgen sowie die Eröffnung von Konten.

Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungen empfehlen Betroffenen, regelmäßig die nach Art. 15 DSGVO kostenfreie Datenauskunft bei der Schufa und bei weiteren Auskunfteien anzufordern. Fehlerhafte Einträge sollten sie unverzüglich beanstanden, gegen unberechtigte Inkassoforderungen sollten sie umgehend Widerspruch einlegen.

Bei Usinger Anzeiger lesen ↗