NRW-SPD nach Bas-Rücktritt: Kommentar sieht Schwarz-Rot unter Druck
Bärbel Bas gibt ihre Ämter in Bund und Partei ab. WDR-Kommentator Christoph Ullrich erwartet davon gravierende Folgen für den Bund und für NRW. Aus seiner Sicht wird der Bruch der Koalition wahrscheinlicher, da die SPD stärker auf Distanz zur Union gehen dürfte.

Bärbel Bas gibt ihre Ämter in Bund und Partei ab. Der WDR-Kommentator Christoph Ullrich bewertet diesen Schritt in einem Kommentar vom 12. Oktober 2026 als folgenreich, sowohl für den Bund als auch für Nordrhein-Westfalen. Die folgenden Einschätzungen stammen von ihm.
Ullrich nennt den Rücktritt ungewöhnlich. Vor anderthalb Jahren sei die 58-jährige Bas die gefeierte Figur der am Boden liegenden SPD gewesen, zumindest in ihrer Heimat Nordrhein-Westfalen. Sie habe damals an der Spitze des Duisburger Machtzentrums der Landespartei gestanden: Bas als Bundesvorsitzende, ihre enge Vertraute Sarah Philipp als Co-Landesvorsitzende und der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link als "Mann für Klartext". Nach Ullrichs Darstellung hat dieses "Duisburger Modell" an der SPD-Basis gut funktioniert. Bas sei beliebt gewesen, auch wenn sie in vielen Bereichen enttäuscht habe. Manche hätten sich in der Arbeits- und Sozialpolitik mehr Tempo erhofft, als ihr überhaupt möglich gewesen sei.
Dass ihre Lage auf Dauer nicht haltbar war, zeigte sich laut Ullrich spätestens, als sich die Auseinandersetzungen zwischen ihrem Ministerium und der Union im Bund häuften. CDU und CSU hätten harte Reformen verlangt, Bas habe dort gebremst, wo ihr die Pläne zu sehr nach Sozialabbau aussahen. Für sie persönlich sei das auf Dauer nicht gutgegangen. Dass der Konflikt nach Ullrichs Worten nicht einmal vor einem Trauerfall haltmachte, zeige seine Härte und zugleich die schäbige Seite der Politik. Er hält den Rücktritt deshalb für die beste Alternative für alle Beteiligten, unabhängig von einer inhaltlichen Bewertung.
Einen Befreiungsschlag für die Bundesregierung sieht Ullrich darin nicht. Der Schritt könne eher ihr Ende bedeuten. Er erwartet, dass die SPD den Parteivorsitz künftig vom Ministeramt trennt und sich, etwa mit Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern, in Opposition zu Union und AfD begibt. Damit werde die Partei in Opposition zur eigenen Regierung gehen.
Vor allem aus NRW, einer der wichtigsten Stimmen der SPD, werde der Daumen über Schwarz-Rot nun nach und nach gesenkt, schreibt Ullrich. Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl befinde sich die NRW-SPD ab sofort in interner Opposition zur Berliner Politik. Das könne mit einer CDU, die in der inhaltlich größten Sinnkrise ihrer Geschichte stecke, nicht funktionieren. Auch mit einem Kanzler, der so unbeliebt sei wie kein Vorgänger zuvor, sei das kaum möglich.
Der Bruch der Koalition ist nach Ullrichs Einschätzung wahrscheinlicher geworden. Schon länger höre man auf den Fluren der NRW-SPD und der Landtagsfraktion den Wunsch nach einer unionsgeführten Minderheitsregierung. Das Ziel sei es, aus der "toxischen Beziehung" mit Friedrich Merz herauszukommen. Nach regulärem politischem Handwerk sei das Ende der Koalition damit absehbar besiegelt. Ausnahmen sieht Ullrich nur, falls sich das Miteinander von Union und Sozialdemokratie doch noch dreht oder der Kanzler gewechselt wird. Andernfalls werde es bald einsam um die CDU, die dann neue Partner brauche.
Der Kommentar lief am 12. Oktober 2026 um 12:00 Uhr auf WDR.de und um 17:05 Uhr in der Sendung WDR 5 Westblick.