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NRW-Ermittler: Mutmaßlicher Qilin-Kopf aus Japan ausgeliefert

Ein 28-jähriger Russe, der zur Führungsebene der Hackergruppe Qilin gehören soll, ist von Japan nach Deutschland ausgeliefert worden und sitzt in Untersuchungshaft. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) spricht von einem historischen Erfolg gegen Cyberkriminalität.

Radio Euskirchen · 08.10.2026 · 07:30 Uhr

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Nordrhein-westfälische Ermittler haben einen mutmaßlichen Anführer der international aktiven Hackergruppe Qilin nach Deutschland gebracht. Der 28-jährige Russe, der zu den führenden Köpfen der Bande gehören soll, wurde am vergangenen Freitag aus Japan ausgeliefert. Er befindet sich inzwischen in einer Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Festgenommen worden war er bereits im Mai in Tokio, nachdem deutsche Ermittler von seinen Reiseplänen erfahren hatten.

Bei einer Pressekonferenz im NRW-Innenministerium in Düsseldorf sprach Innenminister Herbert Reul (CDU) von einem der größten Schläge, die deutschen Ermittlern im Kampf gegen Cyberkriminalität je gelungen seien. Die Festnahme kommentierte er mit einem Seitenhieb auf die Urlaubspläne des Mannes.

Qilin gehört nach Erkenntnissen der Ermittler zu den aktivsten und skrupellosesten Cybercrime-Gruppen weltweit. Seit 2024 soll die Bande fast 4.000 Unternehmen und Institutionen angegriffen haben, darunter rund 150 in Deutschland und 30 in Nordrhein-Westfalen. Zu den Opfern zählen unter anderem die Deutsche Bischofskonferenz und die Partei Die Linke. Laut Reul forderten die Täter Lösegeld von insgesamt rund 2,9 Milliarden US-Dollar, mehr als 140 Millionen Dollar seien tatsächlich gezahlt worden.

Das Geschäftsmodell beruht auf sogenannter Ransomware: Die Täter verschlüsseln Daten, legen IT-Systeme lahm oder stehlen vertrauliche Informationen, um ihre Opfer zu erpressen. Dabei arbeitet Qilin mit Hunderten sogenannten Affiliates zusammen, also weiteren Tätergruppen. Reul bezeichnete dieses Vorgehen als „Erpressung im ganz großen Stil“.

Hinter dem Ermittlungserfolg stehen monatelange Untersuchungen des Landeskriminalamts NRW und der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime bei der Staatsanwaltschaft Köln (ZAC NRW). Die Spezialisten werteten die technische Infrastruktur der Hacker aus und verfolgten Zahlungsströme in Kryptowährungen. Nach Reuls Angaben verschafften sie sich zudem unbemerkt Zugang zu den Rechnern der Täter. Aus den Jägern seien so Gejagte geworden, ohne dass diese es bemerkt hätten, sagte der Innenminister.

Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) hob hervor, dass monatelange Detailarbeit und die enge Zusammenarbeit von Polizei und Justiz den Erfolg ermöglicht hätten. Auch die Auslieferung aus Japan wertete er als Ergebnis internationaler Kooperation, zumal zwischen beiden Ländern kein Auslieferungsvertrag besteht.

Die Ermittlungen liefen unter dem Namen „Operation Albus“, angelehnt an die Harry-Potter-Figur Albus Dumbledore. Reul stellte klar, dass Zauberei dabei nicht im Spiel gewesen sei. Entscheidend seien Hartnäckigkeit, Können und Ausdauer gewesen.

Beide Minister appellierten an Unternehmen, die Opfer eines Cyberangriffs werden: Sie sollen sich an die Polizei wenden und kein Lösegeld zahlen. Reul betonte, eine Anzeige müsse niemandem peinlich sein. Limbach verwies auf die ZAC NRW als Anlaufstelle für Unternehmen und Behörden. Die Justiz behandle Informationen vertraulich und sei schnell erreichbar. Jede Anzeige könne wichtige digitale Spuren liefern und helfen, weitere Täter zu verfolgen.

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