Uni Amsterdam: Laptop- und Handyverbot in Vorlesungen eines Studiengangs
Im Bachelor Interdisziplinäre Sozialwissenschaften der Universität Amsterdam sind digitale Geräte in Vorlesungen seit diesem Semester untersagt. Die Fakultät will die Konzentration fördern. Eine Wuppertaler Didaktik-Professorin hält ein pauschales Verbot für zu kurz gegriffen, Studierende der RWTH Aachen äußern sich unterschiedlich.

An der Universität Amsterdam gilt in einem Studiengang seit diesem Semester ein Verbot digitaler Geräte in Vorlesungen. Im Bachelor Interdisziplinäre Sozialwissenschaften dürfen Studierende in sämtlichen Vorlesungen weder Laptops noch Handys oder Tablets nutzen. Die Fakultät verfolgt damit das Ziel, die Konzentration im Hörsaal zu verbessern.
Als Begründung verweist der Studiengang auf das Nutzungsverhalten der Studierenden. Nach Angaben der Dozentin Cyrilein Evertsen gegenüber dem niederländischen Fernsehsender NOS beschäftigen sich 60 bis 80 Prozent der Studierenden während der Vorlesungen auf ihren Geräten mit anderen Dingen, statt zuzuhören. Genannt wurden etwa Online-Shopping oder das Weiterleiten von Nachrichten über Instagram. Evertsen zufolge seien die Betreffenden dem Unterrichtsstoff gedanklich nicht gefolgt.
Die Universität stützt sich bei ihrer Entscheidung unter anderem auf wissenschaftliche Studien, nach denen man sich an Handgeschriebenes besser erinnert. Es gibt aber auch Untersuchungen, die zu einem anderen Ergebnis kommen.
Die Wuppertaler Didaktik-Professorin Necle Bulut, Germanistik-Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal, äußerte sich dazu im Gespräch mit dem WDR. Sie zeigte Verständnis für den Schritt der Amsterdamer Hochschule, hält ein pauschales Handy- und Laptopverbot aber für unzureichend. Ihrer Einschätzung nach bekämpfe es lediglich das Symptom der Ablenkung, nicht deren Ursachen. Wenn viele Studierende im Hörsaal online einkauften oder Candy Crush spielten, sei das vielmehr ein Signal an die Hochschuldidaktik. Einen erzwungenen Rückzug ins Analoge sieht Bulut nicht als Lösung für das 21. Jahrhundert.
Die Annahme, handschriftlich Festgehaltenes bleibe besser haften, kennt Bulut. Sie vermutet den Grund darin, dass Handschreiben langsamer geht und Informationen deshalb gezielter ausgewählt werden. Zugleich betont sie, es hänge von der Situation und vom Lerntyp ab, ob Stift und Papier oder ein Gerät mit Tastatur besser geeignet seien. Beide Techniken gegeneinander auszuspielen, lehnt sie ab. Wer etwas wörtlich mitschreiben wolle, komme mit der Tastatur schneller voran.
Ein ähnliches Bild ergab eine Umfrage des WDR unter Studierenden der RWTH Aachen. Maximilian, der im dritten Semester Informatik studiert, sagte, er werde am Laptop schneller abgelenkt, und bevorzuge Papier. Der Laptop sei allerdings deutlich praktischer. Lucie, eine Studentin aus Belgien, die am Montag ihren ersten Tag an der RWTH hatte, kann sich vorstellen, in Vorlesungen nur mit Papier und Stift mitzuschreiben. Die Konzentration bleibe dann auch über längere Zeit erhalten, sagte sie. Für den RWTH-Studenten Marcel macht es dagegen keinen Unterschied, ob er am Laptop oder auf Papier mitschreibt: Man konzentriere sich entweder auf den Bildschirm oder aufs Papier.