ESC 2027: SWR verschickt Absagen, etwa 10 Prozent der Bewerbungen kommen weiter
Im deutschen Auswahlprozess für den Eurovision Song Contest 2027 im bulgarischen Burgas hat der SWR laut esc-kompakt.de zahlreiche Absagen verschickt. Der Sender bestätigt eine Vorauswahl: Von rund 400 Bewerbungen kam etwa jede zehnte gültige in die nächste Runde. Ein Sänger namens Baztjan thematisiert online eine mutmaßliche Absage.

Der deutsche Auswahlprozess für den Eurovision Song Contest (ESC) im Mai 2027 im bulgarischen Burgas geht weiter, der Kreis möglicher Acts ist aber offenbar deutlich kleiner geworden. Das Fachportal esc-kompakt.de berichtet, der zuständige Sender SWR habe eine ganze Reihe von Absagen verschickt. Nach eigenen Angaben erfuhr das Portal dies in Bezug auf mehrere Betroffene und bekam auch die standardisierte Absagemail zugespielt.
Darin soll es sinngemäß heißen, dem SWR sei bewusst, wie viel Arbeit, Leidenschaft und persönliches Engagement in einem Song und einer Bewerbung stecken. Umso schwerer falle es, mitzuteilen, dass der Beitrag im weiteren Auswahlprozess nicht berücksichtigt werden könne. In weiteren freundlich gehaltenen Absätzen werde zudem darauf hingewiesen, dass kein individuelles Feedback gegeben werden könne und Nachfragen daher nicht beantwortet würden.
Der SWR bestätigte auf Anfrage des Merkur, dass die Vorauswahl inzwischen stattgefunden hat. Laut Tina Sikorski, Head of Delegation für den ESC beim SWR, sind alle Bewerberinnen und Bewerber mittlerweile darüber informiert, ob sie in die nächste Runde gekommen sind. In diesem Jahr gingen demnach rund 400 Bewerbungen ein. Das externe Musikteam und Teile des ESC-Teams des SWR hätten sie angeschaut, angehört und bewertet. Gemeinsam seien etwa 10 Prozent der gültigen Bewerbungen für die nächste Runde ausgewählt worden.
Zu denen, die offenbar nicht weitergekommen sind, zählt der Sänger Baztjan. Er wollte Deutschland mit dem Song „Young and Dumb“ vertreten und spricht die verpasste Chance seit Tagen in Videos bei Instagram und TikTok an. Ob er sich tatsächlich beworben und eine Absage erhalten hat, ist nicht verifiziert. Eine Instagram-Anfrage des Merkur beantwortete er zunächst nicht. Der SWR äußert sich aus Datenschutzgründen nicht zu einzelnen Bewerbungen, wie Sikorski mitteilte.
Die Videos finden einige Aufmerksamkeit: Allein eines davon kam auf 85.000 Aufrufe bei TikTok und rund 400 Kommentare. Viele Nutzer zeigen Unverständnis, loben den Song als gelungen und vergleichen den Sänger mit dem Weltstar Sam Smith. Ein Kommentator bezeichnet die mutmaßliche Absage als Witz. Eine andere Person fragt, warum der Beitrag abgelehnt wurde, hält ihn für ESC-tauglich und kritisiert, Deutschland wolle offenbar nicht unter die Top 3 kommen.
Es gibt auch abwägende Stimmen. Ein TikTok-Nutzer schreibt, Baztjan sei etwas schlechter als Sam Smith, komme ihm aber sehr nah; der Wiedererkennungswert sei nicht ganz vorhanden, die Stimme aber stark. Auch in den Nutzerkommentaren auf esc-kompakt.de wird der Sänger erwähnt. Ein Nutzer wundert sich, dass er nicht zumindest eingeladen wurde, ein anderer meint, ihm fehle der Star-Appeal.
Mehrere weitere Personen berichten in den Kommentaren von esc-kompakt.de, ebenfalls eine Absage erhalten zu haben. Ob diese Angaben echt sind, ist ungewiss.
Das Auswahlverfahren läuft weiter. Sikorski erklärte schriftlich, es handle sich um ein mehrstufiges Verfahren. Der SWR habe gemeinsam mit dem externen Musikteam aus allen Bewerbungen eine Vorauswahl getroffen und diese einer internationalen Expertenjury aus verschiedenen ESC-Ländern vorgelegt. Zugleich werde die Einschätzung des externen Creative-Production-Teams eingeholt, das für die visuelle Umsetzung der Auftritte im Deutschen Finale und beim ESC zuständig ist. Sehr relevant sei die Empfehlung des externen Musikteams. Auf Grundlage der Empfehlungen und einer internen Analyse entscheide das ESC-Team des SWR.
Sikorski kündigte an, Fans und Musikliebhaber dürften sich in jedem Fall auf einen spannenden und vielseitigen ESC 2027 freuen. Zuletzt war außerdem die ESC-Absage eines Landes bekannt geworden, die laut Merkur nichts mit einem Boykott zu tun hat.