Invasive Asiatische Hornisse breitet sich in NRW weiter aus
Trotz eines Förderprogramms des NRW-Landwirtschaftsministeriums breitet sich die invasive Asiatische Hornisse in Nordrhein-Westfalen weiter aus. Das Landesamt Lanuk meldete für 2025 mehr als 2.200 Exemplare. René Schneider, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, kritisiert, das Problem müsse massiver angegangen werden.

Noch 2022 war die Asiatische Hornisse in Nordrhein-Westfalen kaum mehr als eine Randnotiz, die Behörden registrierten gerade einmal neun Sichtungen. Drei Jahre später ist aus dem seltenen Gast ein Massenphänomen geworden. 2025 meldete das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (Lanuk) mehr als 2.200 Exemplare, rund fünfmal so viele wie im Jahr zuvor. Für 2026 wurden bereits jetzt mehr Nester gemeldet.
Thomas Beissel, Landesgeschäftsführer des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes in NRW, rechnet laut Der Westen bis zum Jahresende mit bis zu 7.000 gemeldeten Nestern. Er bezeichnet diese Zahl als sehr konservative Schätzung.
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) kam vor etwa 20 Jahren aus Südostasien nach Europa. In NRW tauchte sie erstmals 2020 auf. Seither breitet sie sich vor allem entlang von Flussläufen aus, besonders betroffen sind das Rheinland und das Ruhrgebiet.
Die Art lauert Honigbienen direkt vor deren Stock auf und tötet sie im Flug. Ulf Bergmann vom Kreis-Imkerverein Unna-Hamm gibt laut WDR an, dass sich die Hornissen zu 65 Prozent von Honigbienen ernähren. Fehlen Bestäuber, sind laut dem Bericht Wildpflanzen, Schmetterlinge und Vögel betroffen, und ein ganzes Ökosystem gerät ins Wanken.
Das NRW-Landwirtschaftsministerium reagierte im Mai 2026 mit einem Förderprogramm. Geschulte Imker erhalten zwischen 150 und 300 Euro für die fachgerechte Entfernung eines Nestes. Schutzanzüge werden mit 250 Euro bezuschusst, spezielle Absauggeräte mit 2.000 Euro. Von 150.000 Euro im Fördertopf waren bis Ende September bereits fast 98.000 Euro beantragt.
Die Kritik ist laut. René Schneider, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, sagte laut der Rheinischen Post, das Problem müsse massiver angegangen werden. Es gehe nicht nur um einige Hobbyimker, sondern um die Bestäuberleistung, die die Landwirtschaft braucht.
Seit das Bundesumweltministerium die Asiatische Hornisse als „weit verbreitet“ eingestuft hat, sind Behörden nicht mehr verpflichtet, jedes Nest zu beseitigen. Die Verantwortung liegt demnach bei den Grundstückseigentümern. Städte wie Bottrop und Münster rufen dazu auf, Sichtungen und Nester per E-Mail an die jeweilige Naturschutzbehörde zu melden. Die Beseitigung sollte ausschließlich durch geschultes Fachpersonal erfolgen.
Erkennbar ist die Hornisse an ihrer schwarzen Brust, den schwarz-gelben Beinen und dem überwiegend dunklen Hinterleib mit gelben Banden. Nester entstehen im Frühling zunächst in Sträuchern oder unter Dachüberständen. Im Sommer wachsen sie oft auf Fußballgröße in Baumkronen.
Nach Angaben von Naturschutzverbänden breitet sich die Asiatische Hornisse auch bundesweit zunehmend aus. Erstmals gesichtet wurde die invasive Art 2014 in Baden-Württemberg. Dort wurden 2024 rund 900 Nester gemeldet, 2025 waren es bereits 3.300.
Außer in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen rückt das Insekt auch zunehmend nach Süden und Norden vor. In Bayern werden nach ersten Funden in Unterfranken verstärkt Nester gemeldet. Niedersachsen registrierte nach ersten Sichtungen im Landkreis Diepholz mehr als 100 Meldungen.