Arizona: Berufungsgericht hebt Strafmaß gegen Horcasitas nach KI-Video des Opfers auf
Ein mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Video des getöteten Christopher Pelkey hat in Arizona dazu geführt, dass eine Haftstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten aufgehoben wurde. Der Schuldspruch gegen Gabriel Paul Horcasitas bleibt bestehen. Nur über das Strafmaß wird neu verhandelt.

Das Berufungsgericht von Arizona hat die Haftstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten gegen Gabriel Paul Horcasitas aufgehoben. Anlass ist ein mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Video des Getöteten, das bei der Strafanhörung gezeigt worden war. Der Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung nach amerikanischem Recht bleibt bestehen. Das zuständige Gericht im Bezirk Maricopa muss nun erneut über das Strafmaß entscheiden.
Das Video war bei der Anhörung im Mai 2025 vorgeführt worden. Angehörige von Christopher Pelkey hatten mithilfe künstlicher Intelligenz ein digitales Abbild des 2021 getöteten Mannes geschaffen. Die Figur wandte sich darin an Pelkeys Familie, an das Gericht und an den Verurteilten. Nach Darstellung der Angehörigen sollte das Video dem Richter Pelkeys Haltung zur Vergebung und sein Wesen näherbringen.
Pelkey war am 13. November 2021 an einer roten Ampel in Chandler, einem Vorort von Phoenix, erschossen worden. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts ging der Tat eine Auseinandersetzung im Straßenverkehr voraus. Eine Jury folgte Horcasitas' Berufung auf Notwehr nicht. Sie sprach ihn der fahrlässigen Tötung und der Gefährdung anderer schuldig.
Richter Todd Lang sah das KI-Video während der Anhörung und bezeichnete die Darstellung als aufrichtig. Er verhängte eine Haftstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten und lag damit über dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Zuvor hatten neun Angehörige und Freunde Pelkeys persönlich geschildert, wie sich die Tat auf ihr Leben ausgewirkt hat.
Das Berufungsgericht entschied am 30. September 2026 einstimmig, die künstlich erzeugte Aussage sei keine verlässliche Wiedergabe von Pelkeys Gedanken. Das Video halte weder ein tatsächliches Ereignis noch eine frühere Äußerung des Getöteten fest. Die gesprochenen Worte beruhten vielmehr auf den Vorstellungen seiner Schwester, so das dreiköpfige Richtergremium. Dass sie bei der Strafzumessung berücksichtigt wurden, habe das Verfahren grundlegend unfair gemacht.
Für Horcasitas bedeutet der Beschluss weder einen neuen Strafprozess noch einen Freispruch. Neu verhandelt wird allein die Sanktion. Seine Verteidigung hatte geltend gemacht, sie habe die Aussagen des digitalen Abbilds weder sinnvoll überprüfen noch wirksam entkräften können. Die Anklage widersprach: Die Darstellung entspreche den schriftlich überlieferten Werten und Überzeugungen Pelkeys.
Der Fall gehört nach dieser Darstellung zu den seltenen Verfahren, in denen eine KI-Darstellung die Strafzumessung beeinflusste und anschließend Gegenstand einer Berufungsentscheidung wurde. Das Gericht sprach den Angehörigen nicht das Recht ab, vor der Entscheidung über die Strafe gehört zu werden. Unzulässig war nach seinem Urteil aber, dem Getöteten über eine künstliche Stimme Aussagen zuzuschreiben, die er selbst nie aufgezeichnet hatte.
Grundlage der Berichterstattung sind das Urteil des Arizona Court of Appeals in der Sache State v. Horcasitas vom 30. September 2026 sowie Berichte der Nachrichtenagentur Associated Press vom 1. Oktober 2026 und von Franceinfo vom 9. Oktober 2026.