Bönen: Kik-Zentrale steuert Tausende Filialen, Schließungen geplant
Der Textildiscounter Kik wurde im April 1994 gegründet und hat seine Zentrale bis heute in Bönen östlich von Dortmund. Von dort aus werden mehrere Tausend Filialen in 14 europäischen Ländern gelenkt. Nun will das Unternehmen im Zuge eines Schrumpfkurses Hunderte Geschäfte schließen.

Kik gehört zu den bekanntesten Namen im deutschen Einzelhandel, die enge Verbindung zu Nordrhein-Westfalen ist dagegen weniger geläufig. Das Unternehmen entstand 1994, seine Zentrale liegt bis heute in Bönen östlich von Dortmund. Von dort aus steuert Kik mehrere Tausend Filialen in 14 europäischen Ländern.
Der Name ist ein Wortspiel und steht für „Kunde ist König“. Gegründet wurde die Firma im April 1994 vom Kaufmann Stefan Heinig, der damals 31 Jahre alt war, gemeinsam mit der Tengelmann Gruppe. Nach eigenen Angaben gehört das Unternehmen bis heute vollständig zu Tengelmann. Das Stammkapital lag bei der Gründung bei 30 Millionen D-Mark. Die Textilkette Takko war früher ebenfalls Teil von Tengelmann, der Konzern verkaufte sie 1999 an Finanzinvestoren. Kik beschäftigt weltweit rund 32.000 Mitarbeiter, davon 20.000 in Deutschland.
Die Geschäftsidee übertrug das Prinzip der Lebensmitteldiscounter Aldi und Lidl auf Bekleidung: Niedrige Preise sollten Kunden anziehen, große Bestellmengen die Einkaufskosten senken. Die Ware stammte hauptsächlich aus Asien. Dieses Modell erzwang laut dem Bericht schnelles Wachstum, denn wer Pullover für unter sieben Euro verkauft, verdient an jedem Stück nur wenig. Die „Welt“ gab damals Heinigs Devise wieder, an jedem Werktag eine neue Filiale zu eröffnen. Nach zwölf Jahren zählte Kik fast 2.300 Geschäfte und erzielte einen Umsatz von knapp 900 Millionen Euro.
In Bönen laufen bis heute die Fäden zusammen. Die Stadt hatte nach Angaben der „Welt“ damals rund 20.000 Einwohner. Einkäufer, Logistiker sowie Bezirks- und Regionalleiter trafen dort die wichtigen Entscheidungen, und vom angeschlossenen Logistikzentrum aus fuhren täglich mehr als 100 Lkw los.
Welche Bedeutung Kik für den Ort hat, belegt ein Bericht des „Westfälischen Anzeigers“ aus dem Jahr 2016. Demnach arbeiteten damals 1.173 Menschen in der Europazentrale, die meisten davon im Zentrallager. Kik war danach mit Abstand der größte Arbeitgeber der Gemeinde.
Im selben Jahr hatte das Unternehmen weitere Expansion im Blick: Es wollte 190 neue Filialen eröffnen und die Zahl der Geschäfte von rund 3.400 auf 5.000 erhöhen. Den Nettoumsatz bezifferte Kik auf etwa 1,81 Milliarden Euro. 2022 lag er laut Firmenangaben bei 2,2 Milliarden Euro.
Grenzen des Wachstums deuteten sich allerdings früh an. Allein in Dortmund und Umgebung betrieb Kik 90 Filialen auf gut 100 Quadratkilometern. Der Handelsexperte Norbert Strecker von der Beratung Rölfs Partner sagte der „Welt“, dass die Produktivität der einzelnen Geschäfte irgendwann sinke.
Inzwischen kehrt sich der Kurs teilweise um: Im Rahmen eines Schrumpfkurses will der Discounter Hunderte Filialen schließen.