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NRW-Wirtschaftsministerium veranstaltet ersten Bioenergiegipfel in Düsseldorf

Das NRW-Wirtschaftsministerium lädt am Freitagnachmittag erstmals zu einem Bioenergiegipfel nach Düsseldorf. Erwartet werden rund 100 Branchenvertreter. Die schwarz-grüne Landesregierung will Biomasse als Ergänzung zu Wind und Sonne fördern. Naturschutzverbände sehen das kritisch.

SZ.de · 09.10.2026 · 04:00 Uhr

Artikelbild der Quelle zu: Energiewende - Strom aus Gülle und Mais – Wie viel Bioenergie braucht NRW? - Wirtschaft - SZ.de
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Wie lässt sich Strom klimafreundlich erzeugen, wenn weder die Sonne scheint noch der Wind weht? Einen Beitrag dazu soll die Bioenergie leisten, für die etwa Holzabfälle, Mais oder Gülle als Rohstoffe dienen. Der damit erzeugte Strom gilt als erneuerbar. Biogas-Kraftwerke lieferten im vergangenen Jahr gut sechs Prozent des in Deutschland ins Netz eingespeisten Stroms. Viele Anlagen erzeugten zusätzlich Wärme, die in Wärmenetze floss.

Die schwarz-grüne Landesregierung Nordrhein-Westfalens will die Nutzung von Bioenergie auf dem Weg zu einer weitgehend klimaneutralen Stromerzeugung im Jahr 2035 fördern. Im Januar legte sie dafür ein Impulsprogramm mit Maßnahmen zum Ausbau vor. Am Freitagnachmittag veranstaltet das Wirtschaftsministerium nun erstmals einen „Bioenergiegipfel“ in Düsseldorf. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Branche werden erwartet.

Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärte in einer Mitteilung zu der Veranstaltung, Bioenergie liefere Strom und Wärme dann, wenn sie gebraucht würden, auch nachts und bei Flaute. Sie ergänze Windkraft und Photovoltaik und stabilisiere die Netze. Zudem halte sie die „Wertschöpfung auf dem Land“, nämlich auf den Höfen und in den Dörfern, die mit Wärme aus Biogas heizen. Außerdem benötige die Industrie erneuerbare Gase wie Biomethan als Energieträger.

Wie groß das Potenzial der Bioenergie in NRW ist, ermittelt derzeit das Landesumweltamt. Christian Mildenberger, Geschäftsführer der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz „Energy4Climate“, sagte Anfang Oktober in einem Interview mit dem Agrar-Fachmagazin „top agrar“, entscheidend sei nicht die Menge, die sich erzeugen lasse, sondern ein möglichst intelligenter Einsatz. Die Zukunft liege nicht in einer beliebigen Ausweitung des Energiepflanzenanbaus, sondern in der besseren Nutzung von Wirtschaftsdüngern, Reststoffen und Bioabfällen sowie der vorhandenen Infrastruktur. Wind und Photovoltaik werde Bioenergie im Land nicht ersetzen, so Mildenberger. Sie könne aber genau dann Energie liefern, wenn andere erneuerbare Quellen nicht ausreichend zur Verfügung stünden.

Der Termin des Gipfels hängt mit der Debatte in Berlin zusammen: Dort wird derzeit über eine Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) diskutiert, das die Vergütung von erneuerbar erzeugtem Strom regelt. Erst am Montag hatte die Bioenergiebranche bei einer öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie davor gewarnt, gesicherte erneuerbare Kraftwerksleistung abzubauen.

Nach Angaben des NRW-Wirtschaftsministeriums läuft für viele Biogasanlagen in Nordrhein-Westfalen die zwanzigjährige EEG-Vergütung bald aus. Das Land und Branchenverbände verlangen deshalb verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Anlagen weiter Strom und Wärme liefern. Auf dem Gipfel soll dazu eine Erklärung von Politik und Verbänden unter dem Titel „Gemeinsam stark für Bioenergie in NRW“ vorgestellt werden. Darin wird von der Bundesregierung unter anderem eine „Nationale Strategie für erneuerbare Gase“ gefordert.

Naturschutzverbände betrachten die Bioenergie kritisch. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bemängelt, in vielen Teilen Deutschlands prägten inzwischen Mais- und Rapsmonokulturen für die Erzeugung von Biogas und Biokraftstoffen die Agrarlandschaft. Das wirke sich negativ auf Boden, Wasser und Artenvielfalt aus. Der Verband fordert, die Energieerzeugung aus Biomasse auf ein „naturverträgliches Maß“ zu verringern.

Der Nabu NRW schrieb Anfang 2023 in einer Stellungnahme an den Landtag, für eine naturverträgliche Bioenergie kämen in erster Linie Bioabfälle und Reststoffe infrage, die sich nicht anderweitig nutzen lassen. Grundsätzlich müsse die Einsparung von Ressourcen und Energie an oberster Stelle stehen.

Laut dem Impulsprogramm der Landesregierung gibt es in Nordrhein-Westfalen derzeit knapp 1.500 Blockheizkraftwerke, die mit Biogas laufen. Hinzu kommen Anlagen, die mit Klärgas oder mit Biomethan, also aufbereitetem Biogas, betrieben werden.

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