Meise: Häfen aus Flandern, NRW und den Niederlanden unterzeichnen Erklärung
Beim ersten „Port Summit“ in Meise bei Brüssel haben Häfen und Behörden aus Flandern, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen am Montag erstmals eine gemeinsame Abschlusserklärung unterzeichnet. Sie wollen enger kooperieren, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, und nennen vier Schwerpunkte. Von der EU-Kommission fordern sie die Anerkennung als strategischen Cluster.

Häfen aus Flandern, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen wollen enger zusammenarbeiten und so die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken. Beim Hafengipfel in Meise in Flämisch-Brabant bei Brüssel unterzeichneten die beteiligten Behörden und Häfen am Montag erstmals eine gemeinsame Abschlusserklärung, wie VRT berichtet. Das Papier soll die bestehende Kooperation bekräftigen und zugleich beschleunigen. Beteiligt sind See- ebenso wie Binnenhäfen.
Beim „Port Summit“ trafen erstmals die wichtigsten Häfen der drei Regionen zusammen. Aus Flandern waren Antwerpen-Brügge, North-Sea-Port (Gent-Terneuzen) und Ostende vertreten, aus den Niederlanden Rotterdam und Moerdijk, aus Nordrhein-Westfalen Duisburg und Köln.
Unterzeichnet wurde die Erklärung vom flämischen Ministerpräsidenten Matthias Diependaele (N-VA), dem niederländischen Premierminister Rob Jetten (D66) und dem nordrhein-westfälischen Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU). Sie vertreten die Häfen Antwerpen-Brügge, North-Sea-Port, Ostende, Rotterdam, Moerdijk, Köln und Duisburg. Nach den Angaben ist es das erste Mal, dass alle diese Häfen eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet haben.
Aus Sicht der beteiligten Häfen ist der Kooperationsbedarf größer denn je. Boudewijn Siemons, Chef des Rotterdamer Hafens, sagte, in Europa laufe es nicht gut; man müsse konkurrieren, wo es nötig sei, und kooperieren, wo es möglich sei. Sein Antwerpener Kollege Rob Smeets möchte vor allem die Grenzen zwischen den drei Regionen überwinden. Er forderte, nun vom Reden zum Handeln überzugehen.
In den kommenden Jahren soll sich die Zusammenarbeit auf vier Bereiche konzentrieren. Bei der Kreislaufwirtschaft geht es um einen gemeinsamen, grenzüberschreitenden Rohstoffmarkt und eine verstärkte Wiederverwendung von Materialien. Im Energiebereich planen die Partner einen beschleunigten Bau von CO₂- und Wasserstoffpipelines sowie mehr Investitionssicherheit. Für die Binnenschifffahrt steht die Kooperation im Wassermanagement im Mittelpunkt, um Dürre und Versalzung zu mindern. In der Logistik wollen die Häfen mehr autonomen Gütertransport, Drohnen und eine grenzüberschreitende Harmonisierung voranbringen.
Bei Klima und Energie wollen die Häfen enger zusammenarbeiten. Sie setzen sich für eine technologieneutrale Energiewende ein, die Elektrifizierung, Wasserstoff, Biokraftstoffe sowie eine gemeinsame Lade-, Betankungs- und Batterieinfrastruktur einschließt. Zudem wollen sie beim Transport und bei der Speicherung von CO₂ kooperieren und Herausforderungen wie Dürre und Versalzung in der Binnenschifffahrt besser begegnen.
Die Häfen sollen dabei nicht zu einer einzigen Einheit verschmelzen. Sie wollen aber Infrastruktur, Industrie und Logistik besser aufeinander abstimmen. Laut Siemons stärkt das auch ihre internationale Position: Wenn Antwerpen und Rotterdam gemeinsam nach China oder Singapur gingen, stünden alle Türen offen.
Die beteiligten Häfen und Industriegebiete bilden zusammen den größten Logistik- und Wirtschaftscluster der Europäischen Union. Flandern, die Niederlande und Nordrhein-Westfalen fordern die Europäische Kommission deshalb auf, den sogenannten ARRRA-Cluster als strategischen europäischen Hafen- und Industriecluster anzuerkennen. Außerdem soll die Kommission die Umsetzung der europäischen Hafenstrategie beschleunigen.