DGB NRW fordert umlagefinanzierten Zukunftsfonds Ausbildung
Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Nordrhein-Westfalen fordert von der Landesregierung einen umlagefinanzierten Zukunftsfonds Ausbildung, in den nahezu alle Betriebe 0,5 Prozent ihrer Bruttolohnsumme einzahlen sollen. Die Landesvereinigung unternehmer nrw lehnt den Vorschlag ab, die SPD-Fraktion im Landtag unterstützt ihn.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Nordrhein-Westfalen verlangt von der Landesregierung die Einführung eines umlagefinanzierten Zukunftsfonds Ausbildung. Damit sollen dem Rückgang der Ausbildungsplätze im Land entgegengewirkt und Betriebe finanziell unterstützt werden, die junge Menschen ausbilden. Die Gewerkschaft wünscht, dass der Landtag dafür ein entsprechendes Gesetz beschließt.
Das Konzept hinter dem Vorschlag wurde von dem Arbeitsmarktforscher Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen erarbeitet. Vorgesehen ist, dass nahezu alle Betriebe in Nordrhein-Westfalen 0,5 Prozent ihrer Bruttolohnsumme in den Fonds einzahlen. Als Beispiel nennt der Vorschlag bei einer Bruttolohnsumme von 200.000 Euro eine Abgabe von 1.000 Euro.
Ausgenommen wären Bereiche, in denen bereits eine Ausbildungsumlage besteht, etwa die Pflege und das Bauhauptgewerbe, sowie Branchen, deren Ausbildung überwiegend an Schulen stattfindet. Betriebe, die Ausbildungsplätze anbieten, sollen aus dem Fonds jährlich 5.000 Euro pro Auszubildendem erhalten. Ausbildungssuchende selbst bekämen keine direkten Zahlungen. Verbleibende Mittel sollen nach dem Konzept die betriebliche und überbetriebliche Ausbildung stärken.
Nach Berechnungen im Auftrag des DGB könnten über diese Umlage jährlich knapp 1,4 Milliarden Euro zusammenkommen. Der überwiegende Teil wäre für Zuschüsse an Ausbildungsbetriebe vorgesehen.
DGB-Landeschef Thorben Albrecht bezeichnet die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen als dramatisch. Seinen Angaben zufolge bilden vor allem kleine Unternehmen immer weniger aus. Nach Angaben des DGB bleibt im Land inzwischen mehr als jeder fünfte junge Mensch zwischen 20 und 34 Jahren dauerhaft ohne Berufsabschluss. Zudem bilde nur noch jedes fünfte Unternehmen in Nordrhein-Westfalen überhaupt aus.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit meldeten die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen bis Ende August knapp 93.000 Ausbildungsstellen. Das entspricht einem Rückgang um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Die SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag unterstützt den Vorstoß des Gewerkschaftsbundes. Bei den Arbeitgebern stößt der Vorschlag auf scharfe Kritik. Die Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW (unternehmer nrw) lehnt die Einführung eines solchen Fonds ab.
Tanja Nackmayr, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Verbands, erklärt, ein umlagefinanzierter Fonds gehe an den tatsächlichen Herausforderungen vorbei. Die Maßnahme wirke weder gegen Besetzungsschwierigkeiten noch gegen die fehlende Ausbildungsreife vieler Bewerberinnen und Bewerber.
Der Verband verweist darauf, dass im Jahr 2025 rund 10.000 Ausbildungsplätze im Land unbesetzt geblieben seien. Eine zusätzliche Abgabe würde betroffene Betriebe nach seiner Ansicht daher unberechtigt bestrafen. Statt neuer Belastungen fordern die Unternehmensverbände Entlastungen für die Betriebe, eine bessere Berufsvorbereitung in den Schulen sowie gezielte Unterstützungsprogramme, um Defizite vor und während der Ausbildung auszugleichen.
Bislang handelt es sich bei dem Zukunftsfonds um eine Initiative des DGB, die nicht Teil der aktuellen Vorhaben der Landesregierung ist. Ob es zu einem Gesetzgebungsverfahren kommt, ist angesichts der gegensätzlichen Positionen offen.