Erste beiden Forschungskollegs des Promotionskollegs NRW starten
Das Promotionskolleg NRW wird um Forschungskollegs erweitert: Im Oktober 2026 nehmen die ersten beiden ihre Arbeit auf. Eines forscht zu resilienten Rohstoffen und Raffinerieprozessen für Chemikalien, das andere zur Modernisierung und beruflichen Weiterentwicklung von medizinischem Personal bei der Behandlung schwerer oder komplexer Erkrankungen. Das Land unterstützt Forschungskollegs bis 2035 mit insgesamt rund 22 Millionen Euro.

Das Promotionskolleg NRW (PK NRW) ist ein Netzwerk für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Nordrhein-Westfalen. Es wird nun durch Forschungskollegs verstärkt. Im Oktober 2026 nehmen die ersten beiden Forschungskollegs ihre Arbeit auf. Darin arbeiten besonders forschungsstarke Professorinnen und Professoren in kleinen Teams mit Doktorandinnen und Doktoranden in themenbezogenen Forschungsgruppen zusammen.
Das erste Kolleg mit dem Namen REFORM forscht zu resilienten biogenen Rohstoffen und risikoreduzierten Raffinerieprozessen für Chemikalien und Treibstoffe. Es ist der Abteilung Ressourcen und Nachhaltigkeit zugeordnet und steht unter der Leitung von Prof. Dr. Yulia Monakhova von der FH Aachen. Ziel ist, Rohstoffe etwa aus Holz- und Pflanzenresten effizienter zu verarbeiten, den Energie- und Chemikalieneinsatz bei der industriellen Verarbeitung zu senken und energieoptimierte Prozesse für künftige Bioraffinerien zu entwickeln. Das Vorhaben soll zur Transformation der chemischen Industrie und zu einer nachhaltigen Bioökonomie in Nordrhein-Westfalen beitragen.
Beteiligt sind neben der FH Aachen (Prof. Monakhova, Prof. Tippkötter) die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (Prof. Schulze, Prof. Williams) und die Hochschule Niederrhein sowie weitere Partner aus Industrie und Praxis.
Das zweite Kolleg mit dem Namen IMPACT HEALTH widmet sich der Modernisierung und beruflichen Weiterentwicklung von medizinischem Personal. Es ist der Abteilung Soziales und Gesundheit zugeordnet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften der Hochschule Bochum arbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Daniela Holle an der Weiterentwicklung beruflicher Rollen im Gesundheitswesen. Durch die Einbindung von Praxis und Politik sollen neue Erkenntnisse für eine qualitativ hochwertige und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung gewonnen und in die Praxis übertragen werden. Das Vorhaben soll zur Professionalisierung der Gesundheitsfachberufe beitragen, die auf Masterniveau ausgebildet sind.
Beteiligt sind neben der Hochschule Bochum die Hochschule Bielefeld (Prof. Dr. Änne Dörte Latteck), die FH Münster (Prof. Christiane Knecht, PhD) und die EvH Bochum (Prof. Dr. Karin Tiesmeyer).
Wissenschaftsministerin Ina Brandes betont, die Forschung an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften konzentriere sich auf besonders praxis- und gesellschaftsrelevante Themen, etwa die Fachkräfteausbildung in medizinischen Berufen oder die Rohstoffnutzung. Mit den Forschungskollegs setze das Land ein klares Zeichen für die Stärkung der angewandten Forschung und unterstütze die strukturierte Promotion am PK NRW. Am PK NRW fänden ambitionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie der Forschungsnachwuchs optimale Bedingungen, um gesellschaftsrelevante Themen schnell und erfolgreich zu bearbeiten. Sie wünscht den ersten beiden Forschungskollegs einen sehr guten Start.
Eike Quilling, Vorsitzende des PK NRW, sieht in den Forschungskollegs Raum für innovative Forschung und eine stärkere fächer- und hochschulübergreifende Vernetzung. Zugleich würden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in verschiedenen Karrierephasen gezielt gefördert und die Entwicklung neuer Forschungsschwerpunkte unterstützt.
Die Professorinnen und Professoren werden für ihre Arbeit im Kolleg von Lehrverpflichtungen entlastet. Die Doktorandinnen und Doktoranden sollen strukturell und thematisch so eingebunden werden, dass sie ihre Dissertation zügig abschließen können.
In den kommenden Jahren können bis zu sechs weitere Forschungskollegs hinzukommen. Das nächste soll Anfang 2027 starten. Bis 2035 unterstützt das Land die Forschungskollegs mit insgesamt rund 22 Millionen Euro.
Am 17. November 2022 verlieh das Ministerium für Kultur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen dem PK NRW auf Empfehlung des Wissenschaftsrates das eigenständige Promotionsrecht. Bis dahin mussten Absolventinnen und Absolventen einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften eine Doktorvaterin oder einen Doktorvater an einer Universität finden, die oder der die Betreuung übernahm und den Titel verlieh. Nun bietet das PK NRW Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Universitäten die Möglichkeit, eine Promotion auch ohne Universitätskooperation abzuschließen. Bislang wurden bereits 19 Promotionen erreicht.
Das PK NRW wird von 20 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften aus allen Regionen Nordrhein-Westfalens getragen. Es ist in acht thematische Abteilungen gegliedert. Als zentrale Organisationseinheit ermöglicht es eigenständige Promotionsverfahren und die Verleihung des Doktorgrads. Die Doktorandinnen und Doktoranden werden in strukturierten Programmen betreut und von einem Team aus mehreren Hochschullehrenden begleitet. Das Land fördert das PK NRW mit bis zu 2,4 Millionen Euro jährlich.