Schalke: Ayhan Tumani übernimmt die Knappenschmiede mit neuem Konzept
Die Jugendabteilung des FC Schalke 04 hat mit Ayhan Tumani einen neuen Leiter und ein neues Konzept. Der Klub will trotz finanzieller Grenzen und starker Konkurrenz um Talente weiterhin Spieler für den Profifußball ausbilden.

Die Schalker Knappenschmiede hat viele Fußballstars hervorgebracht. Nun soll die Jugendabteilung mit Ayhan Tumani einen neuen Leiter und ein neues Konzept bekommen, damit das auch künftig so bleibt.
Der 55-Jährige wirkt nach dem Bericht sehr motiviert. Er will jugendliche Fußballer auf ihren weiteren Karriereweg vorbereiten. Früher war Tumani selbst ein junger Spieler, der den Sprung zu den Profis schaffen wollte.
Viele junge Talente gebe es, sagt der neue Leiter der Knappenschmiede. Entscheidend sei jedoch, wie man sie begleite.
Der Klub habe in dieser Frage in der Vergangenheit vieles richtig gemacht. Manuel Neuer, Mesut Özil, Joel Matip, Benedikt Höwedes, Leroy Sané und Julian Draxler stammen unter anderem aus dieser Knappenschmiede. Die Jugendabteilung des FC Schalke 04 genießt weit über Deutschland hinaus einen hervorragenden Ruf.
Tumani soll diese Tradition fortführen, allerdings unter erschwerten Bedingungen. Im Wettbewerb um die besten Talente steht der S04 nicht nur regional gegen deutlich finanzkräftigere Klubs wie Borussia Dortmund oder Bayer 04 Leverkusen. Dazu kommt der bundesweite Vergleich etwa mit RB Leipzig oder dem VfB Stuttgart sowie die internationale Konkurrenz mit Klubs der Premier League.
Hohe Ablösesummen zwischen 100.000 und einer Million Euro sowie Gehälter von bis zu 30.000 Euro pro Monat für die größten Talente seien mittlerweile zur Regel geworden. Für die finanziell weiterhin angeschlagenen Schalker seien solche Summen unerschwinglich.
Schalkes Sportvorstand Frank Baumann sagt, der Klub müsse nicht alles mitmachen, was andere tun. Im Zweifel lasse man lieber einen Spieler ziehen.
Der Klub müsse seinen eigenen Weg finden, so Tumani. Andere Vereine hätten Schalke eingeholt oder sogar überholt. Zuletzt hatte Tumani neun Jahre lang beim SC Paderborn die Nachwuchsarbeit verantwortet. Er setzt deshalb auf eine ganzheitliche Ausbildung, bei der neben den sportlichen Fähigkeiten auch die schulische und persönliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen.
Nach Tumanis Erfahrung stehen Spieler, Eltern und auch Berater diesem Konzept sehr offen gegenüber. Im Jugendfußball sei bisher noch niemand reich geworden.
Für Schalke ist die Entwicklung neuer Talente essentiell, da der Klub keine teuren Stars verpflichten kann und auf hohe Verkaufserlöse für selbst ausgebildete Profis angewiesen ist. Trotz schwieriger Zeiten mit Corona-Pandemie und Abstieg aus der Bundesliga habe der Klub die Ausgaben konstant hoch im einstelligen Millionenbereich gehalten.
Baumann geht davon aus, dass das Budget in der nächsten Zeit eher noch wachsen dürfte. Zudem bedürfe die Infrastruktur dringend einer längst überfälligen Modernisierung, denn die jungen Spieler müssten sich derzeit noch in Containern umziehen.
Die hohen Investitionen haben sich nach Darstellung des Berichts ausgezahlt. Nach Auswertungen des CIES Football Observatory und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zählt Schalke kontinuierlich zu den Top-Ausbildern Europas.
Die Durchlässigkeit der U19 zum Profiteam liegt bei 15 bis 20 Prozent pro Jahrgang, der Bundesliga-Mittelwert bei etwa 8 bis 12 Prozent. Dadurch hätten Spieler bei Schalke eine besonders gute Chance auf Einsatzzeiten bei den Profis. Zudem spielen weltweit regelmäßig zwischen 20 und 25 Fußballer in den europäischen Top-5-Ligen, die ihre entscheidende Prägephase von der U17 bis zur U21 in der Knappenschmiede verbracht haben. Andere deutsche Erstligisten stellen zur selben Zeit etwa acht bis zwölf Spieler für die Top-5-Ligen.
Ein weiteres wichtiges Argument im Werben um Talente ist Trainer Norbert Elgert. Er gilt als einer der besten Talententwickler Deutschlands, und mit ihm hat der Klub laut Bericht den erfolgreichsten Jugendtrainer der vergangenen drei Jahrzehnte. Sein Wort habe im Klub und bei den jungen Spielern großes Gewicht. Viele von ihnen seien eigens wegen ihm zu Schalke gekommen und kämen weiterhin.
Elgert ist mittlerweile 69 Jahre alt, wie lange er noch weitermacht, ist unklar. Baumann sagt scherzhaft, er gebe auf diese Frage immer eine Spanne von ein bis zehn Jahren an. Auf Schalke hoffe man, dass der Coach noch lange weitermacht.
Tumani sagt, er wünsche eigentlich jedem Bundesligisten einen Norbert Elgert. Der Klub müsse sich jedoch kurz- oder langfristig auch auf die Zeit danach einstellen. Viel Verantwortung liege dabei auf Tumani.