Handelsverband NRW sieht Einzelhandel weiter unter Druck
Auf der Landesdelegiertenversammlung des Handelsverbandes NRW wird die wirtschaftliche Lage des Einzelhandels in Nordrhein-Westfalen als weiterhin angespannt beschrieben. Positive Signale kommen aus den Innenstädten. Außerdem wurden die NRW-Digitalcoaches bis Ende 2028 verlängert und Nachwahlen für Präsidium und Sozialpolitischen Beirat durchgeführt.

Auf der Landesdelegiertenversammlung des Handelsverbandes NRW standen wie jedes Jahr die wirtschaftliche Situation der Branche, die Zukunft der Innenstädte und verbandspolitische Weichenstellungen im Mittelpunkt. Die Lage des Einzelhandels in Nordrhein-Westfalen bleibt angespannt. Hohe Kosten, eine zurückhaltende Konsumstimmung und wachsende Belastungen für die Unternehmen bremsen die Entwicklung.
Gleichzeitig weisen aktuelle Zahlen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) auf positive Signale hin, vor allem bei der Entwicklung der Innenstädte, auch in Nordrhein-Westfalen.
Michael Radau, Präsident des Handelsverbandes NRW, sagt, viele Unternehmen kämpften mit hohen Kosten und einer weiterhin spürbaren Kaufzurückhaltung, während die Anforderungen an sie weiter stiegen. Der Handel brauche verlässlichere und bessere Rahmenbedingungen, etwa weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Kosten und mehr Spielraum für Investitionen, damit er seine Rolle als wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor in Nordrhein-Westfalen erfüllen könne.
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Laut der aktuellen Deutschlandstudie Innenstadt 2026/27 wollen 83,3 Prozent der Befragten ihre Innenstadt künftig mindestens genauso häufig besuchen wie heute. Das ist der beste Wert seit sechs Jahren. Der Einkauf bleibt mit knapp zwei Dritteln der wichtigste Grund für einen Innenstadtbesuch.
Radau sagt, die Zahlen gäben Mut: Die Menschen wollten attraktive Innenstädte, und der stationäre Handel spiele dabei eine zentrale Rolle. Man müsse diese Entwicklung jetzt nutzen, dürfe aber die bestehenden Probleme nicht aus den Augen verlieren. Leerstände, Erreichbarkeit und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen blieben wichtige Herausforderungen.
Aus Sicht des Handelsverbandes NRW braucht es ein gemeinsames Engagement von Politik, Kommunen, Immobilienwirtschaft und Handel. Attraktive Innenstädte entstünden dort, wo Einkauf, Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Aufenthaltsqualität zusammenspielen. Zudem sei entscheidend, dass Handelsunternehmen die wirtschaftlichen Möglichkeiten behalten, in ihre Standorte und Geschäftsmodelle zu investieren.
Die NRW-Digitalcoaches, die als Erfolgsprojekt beschrieben werden, gehen in eine Verlängerung. Das NRW-Wirtschaftsministerium hat das geförderte Projekt bis Ende 2028 verlängert. Bis zur Bekanntgabe der Verlängerung im Mai 2026 wurden bereits über 10.000 individuelle Beratungsgespräche für kleine und mittelständische Handelsunternehmen durchgeführt. Händlerinnen und Händler in NRW erhalten weiterhin kostenfreie, praxisnahe Coachings und Webinare zu Themen wie Online-Marketing, E-Commerce, Social Media und Webentwicklung. Ziel ist es, den stationären und digitalen Einzelhandel im Zuge der digitalen Transformation direkt vor Ort und bedarfsorientiert zu unterstützen.
Neben den wirtschaftspolitischen Themen standen bei der Landesdelegiertenversammlung auch personelle Entscheidungen an. Es gab Nachwahlen für das Präsidium des Handelsverbandes NRW und den Sozialpolitischen Beirat. Als neue Präsidiumsmitglieder begrüßt der Verband Denis Brüggemeier von EDEKA Brüggemeier aus Kevelaer und Rainer Höppner von RH Consulting aus Willich. Als neues Mitglied im Sozialpolitischen Beirat wurde Sebastian Mohr von der EDEKA Minden-Hannover Zentralverwaltungsgesellschaft mbH aus Minden benannt.
Radau erklärt, eine starke Interessenvertretung brauche engagierte Vertreter aus der Praxis. Mit den Nachwahlen würden die Weichen für die weitere Arbeit des Verbandes gestellt, sodass die Interessen des Handels in Nordrhein-Westfalen auch künftig mit einer starken Stimme vertreten werden könnten.