Tomosynthese-Studie: Weniger Intervallkarzinome im ersten Jahr nach Screening
Eine Studie mit knapp 100.000 Frauen vergleicht die digitale Brust-Tomosynthese mit der herkömmlichen Mammografie im Screening. Wie die Universität Münster mitteilt, lag im ersten Jahr nach einem unauffälligen Screening die Rate der Intervallkarzinome in der Tomosynthese-Gruppe um 29 Prozent niedriger. Über zwei Jahre betrachtet war der Unterschied statistisch nicht signifikant.

Brustkrebs ist in Deutschland mit rund 75.000 Neuerkrankungen pro Jahr die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Wie die Universität Münster mitteilt, könnte durch den Einsatz der digitalen Brust-Tomosynthese im Screening möglicherweise etwa ein Viertel der invasiven Intervallkarzinome vermieden werden, die innerhalb von zwei Jahren nach einer herkömmlichen digitalen Mammografie auftreten.
Dies geht aus den Ergebnissen der TOSYMA-Studie hervor, die nach Angaben der Universität die bislang weltweit größte Vergleichsstudie der beiden Diagnoseverfahren ist. Ein Forschungsteam der Universität Münster und des Universitätsklinikums Münster (UKM) hat die Ergebnisse gemeinsam mit weiteren Partnern in der Fachzeitschrift The Lancet Oncology veröffentlicht.
Bei der Tomosynthese werden mit niedrig dosierter Röntgenstrahlung mehrere Aufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln erstellt. Daraus lassen sich Schichtbilder der Brust mit einer Dicke von höchstens einem Millimeter berechnen. Dadurch bleiben Anzeichen eines Tumors seltener von überlagertem Gewebe verdeckt.
Als Intervallkarzinom bezeichnen Fachleute Brustkrebs, der zwischen zwei regulären Screenings diagnostiziert wird. Diese Tumoren sind in der Regel aggressiver und haben eine ungünstigere Prognose als Tumoren, die während eines Screenings entdeckt werden. Deshalb nutzen Expertinnen und Experten sie als Ersatzmesswert für die Wirksamkeit der Früherkennung.
Die erste Auswertung der Studie (TOSYMA-1) aus dem Jahr 2022 hatte gezeigt, dass mit der Tomosynthese signifikant mehr invasive Brustkrebserkrankungen entdeckt wurden, nämlich 7,1 statt 4,8 pro 1.000 untersuchte Frauen. Ob die Methode dadurch auch klinisch wirksamer ist, blieb offen. Die zweite Auswertung (TOSYMA-2) vergleicht daher die Intervallkarzinome in beiden Gruppen.
Im ersten Jahr nach einem unauffälligen Screening wurde in der Tomosynthese-Gruppe bei 4,5 von 10.000 Frauen ein invasives Intervallkarzinom festgestellt. In der Mammografie-Gruppe waren es 6,3 Frauen.
Im Mittelpunkt der Studie stand jedoch die Rate über zwei Jahre. Sie lag in der Tomosynthese-Gruppe bei 14,2 von 10.000 Frauen und war damit um 24 Prozent niedriger als in der Mammografie-Gruppe mit 18,6 von 10.000 Frauen. Anders als im ersten Jahr ist dieser Unterschied statistisch nicht signifikant. Die Autorinnen und Autoren nennen unter anderem die Corona-Pandemie als möglichen Grund dafür, dass rund 20.000 Frauen weniger als geplant an der Studie teilnahmen.
Der Effekt zeigte sich besonders ausgeprägt bei Frauen, die zum wiederholten Mal am Screening teilnahmen. Bei ihnen lag die Rate nach zwei Jahren bei 13,5 pro 10.000 Frauen. Bei Frauen in ihrer ersten Screening-Runde war sie mit 18,8 pro 10.000 Frauen nahezu identisch. Zudem waren die Intervallkarzinome in der Tomosynthese-Gruppe seltener lokal fortgeschritten, und seltener waren Lymphknoten in der Achselhöhle befallen. Diese Merkmale gelten allgemein als Hinweis auf eine effektive Früherkennung.
Stefanie Weigel von der Klinik für Radiologie des UKM und der Universität Münster sieht in der Studie einen entscheidenden Beitrag zur wissenschaftlichen Grundlage für den Einsatz der Tomosynthese im Brustkrebs-Screening. Sie erweitere und präzisiere die bisher begrenzte Studienlage zur Nachbeobachtung nach einem Tomosynthese-Screening.
Zwischen 2018 und 2020 wurden im Rahmen der Studie an 17 Screening-Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen knapp 100.000 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe erhielt eine Tomosynthese, ergänzt um ein aus den Schichtaufnahmen errechnetes zweidimensionales Bild. Die andere Gruppe erhielt eine herkömmliche digitale Mammografie. Die Studie war in das bundesweite, qualitätsgesicherte Mammografie-Screening-Programm eingebettet und fand damit unter Alltagsbedingungen statt.
Um Intervallkarzinome zu erfassen, glich das Forschungsteam die Daten der Teilnehmerinnen mit den Krebsregistern beider Länder ab. Diese erfassen nach Angaben der Studie mehr als 95 Prozent der neu auftretenden Brustkrebsfälle. Verdachtsfälle überprüfte das Team in einem mehrstufigen Verfahren. Die Mitarbeitenden der Krebsregister und der Referenzzentren sowie das unabhängige Datensicherheitsgremium wussten dabei nicht, welcher Gruppe die jeweilige Frau zugeordnet war.
In beiden Auswertungen wurden 83,5 Prozent aller invasiven Tumoren, die innerhalb von zwei Jahren diagnostiziert wurden, in der Tomosynthese-Gruppe bereits bei der Screening-Untersuchung entdeckt. In der Mammografie-Gruppe waren es 72,3 Prozent. Die Zuverlässigkeit, mit der Frauen ohne Brustkrebs als unauffällig eingestuft wurden, war in beiden Gruppen ähnlich.
Als nächsten Schritt plant Studienleiter Walter Heindel von der Klinik für Radiologie der Universität Münster, die entdeckten Karzinome in der regulären folgenden Screening-Runde bei Frauen beider Gruppen mit der herkömmlichen Mammografie zu analysieren. Damit soll geklärt werden, ob die Tomosynthese im Screening fortgeschrittene Tumorstadien stärker reduziert als die Mammografie.
Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.