NRW HEUTEonline

Menschen. Themen. Perspektiven.

NRW

Verbraucherzentrale: Zurückgerufene Babynahrung bei Kaufland erneut angeboten

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass bereits zurückgerufene Säuglingsnahrung der Marken Aptamil, Milumil und Beba in einer unbekannten Zahl von Kaufland-Filialen erneut zum Verkauf angeboten wurde. Eltern sollten ihre Vorräte prüfen und betroffene Produkte keinesfalls weiterverwenden.

NR-Kurier · 16.10.2026 · 16:21 Uhr

Artikelbild der Quelle zu: Verbraucherzentrale warnt vor zurückgerufener Babynahrung bei Kaufland
Bild aus der Originalquelle

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass bereits zurückgerufene Säuglingsnahrung in einer unbekannten Zahl von Kaufland-Filialen erneut zum Verkauf angeboten wurde. Betroffen sind Chargen der Marken Aptamil, Milumil und Beba. Eltern sollten ihre Vorräte prüfen und betroffene Produkte keinesfalls weiterverwenden.

Seit Januar 2026 werden mehrere Säuglingsnahrungen der Hersteller Nestlé und Danone zurückgerufen, da sie möglicherweise mit dem Giftstoff Cereulid verunreinigt sind. Dieser kann starkes Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen auslösen. Insbesondere für Babys unter sechs Monaten besteht ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko.

Die Verbraucherzentrale NRW kritisiert die Kontrollmechanismen des Händlers. Nach ihrer Darstellung gab es in den Filialen in NRW, die sie in dieser Woche besucht hat, nicht einmal Warnhinweise an den Regalen, sondern lediglich Informationen am Infoschalter. Auch in der Kaufland-App erscheine beim Öffnen kein Hinweis auf das Problem, das nach ihren Angaben ausschließlich Kaufland betrifft. Angela Clausen, Teamleiterin und Expertin für Nahrungsmittelrecht bei der Verbraucherzentrale NRW, hält dies nicht für guten Verbraucherschutz und betont, dass es um die empfindlichste Verbrauchergruppe überhaupt gehe.

Am 12. Oktober 2026 wurden über das Portal lebensmittelwarnung.de erneut Rückrufe für Chargen von Aptamil und Milumil bei Kaufland veröffentlicht. Am 13. Oktober wurde der Rückruf auf Beba-Produkte ausgeweitet. Laut Verbraucherzentrale handelt es sich dabei um dieselben Chargen, die bereits im Februar zurückgerufen worden waren und nach ihren Angaben hätten vernichtet werden müssen.

Die Verbraucherzentrale spricht von einem fundamentalen Versagen der firmeneigenen Kontrollmechanismen, das transparent aufgeklärt werden müsse. Nach Angaben des Händlers seien inzwischen sämtliche betroffenen Produkte aus den Regalen entfernt worden.

Eltern können die Chargennummer ihrer Säuglingsnahrung prüfen und sich bei Fragen an Händler oder Hersteller wenden. Laut Kaufland können die betroffenen Produkte in jeder Filiale zurückgegeben werden; der Kaufpreis werde auch ohne Kassenbon erstattet.

Zeigt ein Kind nach dem Verzehr Symptome wie Erbrechen oder Durchfall, sollten Eltern eine Arztpraxis aufsuchen und auf den Rückruf hinweisen. Clausen betont, wer zu Hause noch bei Kaufland gekaufte Säuglingsnahrung von Aptamil, Milumil oder Beba habe, solle unbedingt prüfen, ob es sich um zurückgerufene Ware handle, und diese keinesfalls weiterverwenden.

Cereulid ist ein Giftstoff, der vom Mikroorganismus Bacillus cereus gebildet wird. Das weltweit verbreitete Bodenbakterium kann über Rohstoffe oder Staub in Lebensmittel gelangen. Schon geringe Mengen des Toxins können Beschwerden verursachen, die häufig 30 Minuten bis sechs Stunden nach dem Verzehr auftreten. Dazu zählen vorwiegend Übelkeit, starkes Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Meist klingen die Symptome innerhalb eines Tages ab.

Babys sind in den ersten sechs Monaten durch Flüssigkeitsverlust besonders gefährdet. Eltern sollten deshalb auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Bei anhaltenden Beschwerden oder einem schlechten Allgemeinzustand des Kindes sollte umgehend eine Kinderarzt-Praxis aufgesucht werden.

Bleibt angerührte Säuglingsnahrung längere Zeit bei Raumtemperatur oder warm stehen, können sich die Bakterien stark vermehren und Cereulid bilden. Das Toxin ist hitzestabil und wird durch erneutes Erwärmen nicht zerstört. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb, Säuglingsmilch immer frisch zuzubereiten, nicht aufzubewahren und nicht wieder aufzuwärmen.

Nestlé und Danone haben seit Januar 2026 in vielen Ländern Säuglingsnahrung zurückgerufen. In Deutschland waren vorwiegend die Marken Beba und Alfamino von Nestlé sowie Aptamil und Milupa Milumil von Danone von einer möglichen Verunreinigung mit Cereulid betroffen. Die Unternehmen veröffentlichen die jeweiligen Chargen- und Mindesthaltbarkeitsdaten fortlaufend auf ihren Internetseiten und über offizielle Warnportale.

Bei NR-Kurier lesen ↗