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NRW: Viele befragte Lehrkräfte fürchten Nachteile ohne KI-Nutzung

Neun von zehn befragten Lehrkräften nutzen KI-Chatbots für ihre Arbeit. Das zeigt eine Umfrage des Philologenverbands NRW unter 1.205 Teilnehmenden. 41,8 Prozent befürchten Probleme, wenn sie die Systeme beruflich nicht einsetzen. An den meisten Schulen gibt es laut Umfrage keine verbindlichen KI-Regeln, die KI-Assistenten des Landes nutzen kaum jemand.

Bildungsklick · 08.10.2026 · 12:40 Uhr

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Künstliche Intelligenz gehört für die meisten Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen inzwischen zum Berufsalltag. In der vierten Umfrage des Philologenverbands NRW (PhV NRW) zu KI in Schule und Unterricht gaben neun von zehn Befragten an, Chatbots wie ChatGPT für ihre Arbeit zu verwenden. An der Erhebung beteiligten sich 1.205 Lehrerinnen und Lehrer. Gleichzeitig befürchten viele von ihnen berufliche Nachteile, falls sie auf KI verzichten.

Nach den Angaben des Verbands nutzen 31 Prozent der Befragten Chatbots mehrmals in der Woche, 14 Prozent täglich und 29 Prozent gelegentlich. Nur 8 Prozent verwenden ChatGPT und vergleichbare Systeme gar nicht. Vor einem Jahr lehnten noch 17 Prozent KI grundsätzlich ab, 2023 verzichteten mehr als die Hälfte (54 Prozent) darauf. Die PhV-Vorsitzende Sabine Mistler führt das darauf zurück, dass viele Kolleginnen und Kollegen nach anfänglichen Vorbehalten einen echten Nutzen in den Chatbots erkennen. Mit dem Nutzen wachse auch die Akzeptanz.

Die Ergebnisse stützen diese Einschätzung: 55,6 Prozent der Befragten sagen, KI-Systeme erleichterten ihre Arbeit „sehr“ oder „etwas“. Jüngere Lehrkräfte mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung bewerten die Erleichterung tendenziell häufiger mit „sehr“. Mit wachsender Berufserfahrung sinkt die Nutzung. Ab 15 Berufsjahren kommt KI laut Umfrage nur noch „gelegentlich“ zum Einsatz, jüngere Lehrkräfte nutzen sie „mehrmals in der Woche“ oder „täglich“.

Zugleich wächst der Druck. 41,8 Prozent der Befragten befürchten Probleme, wenn sie KI-Chatbots beruflich nicht nutzen. 39,3 Prozent erwarten, dass durch KI die Ansprüche an Umfang und Qualität ihrer Arbeit steigen, 30,4 Prozent sorgen sich vor Arbeitsverdichtung. Mistler hatte bereits 2023 erklärt, Lehrkräfte kämen selbst bei pädagogischer Ablehnung kaum an KI vorbei: Schülerinnen und Schüler nutzten sie, und Lehrkräfte müssten die Verwendung erkennen können. Sie würden daher „faktisch zur Nutzung gezwungen“.

Auch die Leistungsbewertung hat sich nach Ansicht vieler Befragter verändert. Gut 40 Prozent meinen, dass sich die Bewertung von Schülerleistungen durch KI „eher stark“ (29,4 Prozent) oder „sehr stark“ (11,5 Prozent) gewandelt hat. Mistler sagt, die Notengebung sei durch KI komplexer geworden. Schon in der Umfrage von 2025 hatten Lehrkräfte intransparente Eigenleistungen als großes Problem genannt.

In den Freitextantworten fordern viele Lehrkräfte mehr mündliche, handschriftliche und in der Schule erbrachte Prüfungen. Facharbeiten und die geplante Präsentationsprüfung im fünften Abiturfach werden infrage gestellt. Andere schlagen Störsender oder Software zur Erkennung von KI-Texten vor, um die Nutzung zu verhindern. Der Verband bezeichnet einige dieser Vorschläge als teilweise drastisch.

Bei den Herausforderungen im Umgang mit Chatbots nennen 70,1 Prozent der Befragten fehlerhafte Ergebnisse an erster Stelle. 42,9 Prozent sehen Probleme beim Datenschutz, 41,7 Prozent befürchten den Verlust eigener kognitiver Fähigkeiten, wenn sie Arbeit an KI auslagern. Mehr als 70 Prozent fordern eine Abschätzung der Folgen von KI für Kinder und Jugendliche.

Unter den kommerziellen Anwendungen liegt ChatGPT weiter vorn: 66,8 Prozent der Befragten nutzen den Chatbot, es folgen Gemini mit 31,1 Prozent und die Anwendung von Fobizz mit 30,2 Prozent. 2025 hatten noch rund 90 Prozent ChatGPT genutzt. Ob Lehrkräfte Bezahlversionen verwenden, wurde nicht abgefragt.

Die KI-Angebote des Landes setzen sich dagegen bislang nicht durch. Weniger als 5 Prozent der Befragten nutzen die vier KI-Assistenten, die das Land NRW seit Anfang Juni für Lehrerinnen und Lehrer bereitstellt. Mehr als 90 Prozent verwenden sie nicht, 39 Prozent geben sogar an, sie nicht zu kennen. Bei der Befragung 2025 hatten 49 Prozent erklärt, den KI-Handlungsleitfaden des NRW-Schulministeriums nicht zu kennen.

Verbindliche Regeln fehlen an der Mehrheit der Schulen. Auf die Frage nach schulischen Vorgaben zur KI-Nutzung antworteten 28 Prozent mit Ja, 2023 waren es 13 Prozent. 57 Prozent sagen, es gebe keine Vorgaben, weitere 14 Prozent sind sie nicht bekannt. Laut Mistler arbeitet der überwiegende Teil der Lehrkräfte nach wie vor ohne bekannte Regeln, obwohl der Wunsch nach Vorgaben zur rechtskonformen Nutzung seit der ersten Befragung weit oben auf der Wunschliste stehe.

Als Fazit nennt Mistler künstliche Intelligenz zugleich Chance und Herausforderung. Einerseits erleichtere sie die tägliche Arbeit an manchen Stellen. Andererseits sehe der Verband die Gefahr, dass die Ansprüche des Dienstherrn an Arbeitsumfang und -qualität steigen. Viele Lehrkräfte fühlten sich unter Druck gesetzt, mit Chatbots zu arbeiten. Besonders in größeren Schulsystemen wie Gymnasien und Gesamtschulen brauche es deshalb mehr Ressourcen und Zeit, um den Umgang mit KI zu professionalisieren und mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten.

Die Umfrage lief vom 4. bis 27. September 2026. Die 1.205 Teilnehmenden unterrichten überwiegend an Gymnasien (88 Prozent) und Gesamtschulen (9 Prozent). 44 Prozent sind zwischen 15 und 25 Jahren im Beruf, 27 Prozent zwischen fünf und 15 Jahren, 26 Prozent unterrichten seit mehr als 25 Jahren. 5 Prozent sind Berufsanfängerinnen und -anfänger mit bis zu fünf Berufsjahren.

Die aktuelle Umfrage und die Erhebungen der Vorjahre sind auf der Internetseite des Verbands abrufbar: https://phv-nrw.de/aktuelles/umfragen/

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