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Rhein-Niedrigwasser: Regen bringt kaum Entlastung

Der Rheinpegel in Köln liegt bei 40 Zentimetern, einem historischen Tiefstand. Nach einem Rekordsommer fällt nun Regen, doch Fachleute rechnen mit Wochen oder Monaten, bis die Pegel deutlich steigen. Schifffahrt, Häfen und Unternehmen leiden weiter.

tagesschau · 10.10.2026 · 16:14 Uhr

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Der Sommer war nach den Angaben historisch heiß und trocken, und besonders stark traf es den Rhein sowie alle, die ihn wirtschaftlich nutzen. In Köln steht der Pegel derzeit bei 40 Zentimetern, ein historischer Tiefstand. In Duisburg erreichte der Rheinpegel im September mit 1,22 Metern seinen niedrigsten Wert. Im Düsseldorfer Medienhafen lagen Boote auf dem Trockenen. Das freigelegte Rheinbett brachte alte Boote, Munition und sogar Panzer zum Vorschein.

Der Rhein gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten der Region. Binnenschiffer, Reedereien und Unternehmen mussten über Monate nach Alternativen suchen, um die Schifffahrt dennoch aufrechtzuerhalten.

Im Kölner Rheinauhafen liegt der Betrieb schon seit Längerem weitgehend still. Ein Großteil der Sportboote verbrachte die Saison im Hafen, die meisten Eigner fuhren kein einziges Mal auf den Rhein hinaus. Zu groß ist die Gefahr, sich festzufahren oder Motorschäden zu erleiden. Der Hafenbetreiber musste bereits drei festgefahrene Boote aus der Einfahrt ziehen. Zudem können wegen des Niedrigwassers keine neuen Boote einlaufen. Pascal Pfeiffer vom Rheinauhafen berichtet besorgt, seit Juni kämen kaum noch Gäste, derzeit sogar gar keine. Ohne Gäste fehlen Liegegebühren und damit die Einnahmen.

Auch die Anlage selbst nahm Schaden: Der sinkende Wasserstand beschädigte einige Leitungen, unter anderem rissen Stromleitungen ab. Damit es im nächsten Sommer nicht erneut zu Problemen kommt, soll der Hafen ausgebaggert werden.

In Bonn ist der Fährbetrieb eingestellt. Auch aktuell verkehren keine Fähren zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf sowie zwischen Bad Honnef und Rolandseck. Die Bonner Personenschifffahrt lässt einige Halte aus, Boote können die Marina in Bad Honnef nicht verlassen, und an manchen Anlegestellen stecken kleine Boote fest. Mitte Juli lief in Bonn ein Hotelschiff auf Grund. Erst nach mehreren Stunden zog ein Schlepper es in tieferes Wasser in der Rheinmitte, danach konnte es am Ufer anlegen. Am 26. September fuhr sich auf Höhe der Bonner Kennedybrücke ein Fahrgastkabinenschiff fest; im zweiten Versuch kam es frei und setzte seine Fahrt fort. In Düsseldorf saß zuletzt ein Frachter fünf Tage lang im Hafen fest.

In Duisburg fuhr die Fähre zwischen Orsoy und Walsum nicht. Der Betreiber verlängerte einen Anleger in Eigenregie mit Beton, um den Betrieb länger aufrechtzuerhalten. Die drei Duisburger Werften sind wegen des Niedrigpegels nicht anzufahren, Schiffe müssen für Reparaturen in die Niederlande ausweichen. Für die Heinrich-Harbisch-Schiffswerft fehlen 1,60 Meter Wasser. Nach Darstellung der Werft ist das in der 117-jährigen Firmengeschichte noch nie vorgekommen.

Roberto Spranzi von der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt sagt, die Binnenschifffahrt befinde sich bereits im fünften Monat in „Vollbeschäftigung“. Weil die Schiffe weniger Fracht laden können, müssen sie statt einmal fünfmal fahren. Künftig wird mit häufigerem Rekordniedrigwasser gerechnet. Auf lange Sicht würde dem Rhein laut Spranzi nur eine Stauhaltung helfen, bei der Staustufen den Wasserstand künstlich halten. Er nennt das ein „Unwort“, meint aber, wer das Wasser im Rhein halten wolle, müsse diese Möglichkeit bedenken und überdenken.

Unternehmen zahlen derzeit das Vier- bis Fünffache der üblichen Frachtgebühren, was auch Verbraucher zu spüren bekommen. Die Container kommen in großen Mengen aus Rotterdam oder Antwerpen ins Ruhrgebiet und ins Rheinland. Ocke Hamann, fachpolitischer Sprecher für Verkehr und Mobilität der Industrie- und Handelskammer NRW, sagt, sie seien für die Märkte, Supermärkte und die Konsumgüterindustrie vor Ort bestimmt.

Der Regen der vergangenen Tage bringt dem Rhein nach Einschätzung von Experten fast keine Erholung. Sie rechnen damit, dass es Wochen oder sogar Monate dauert, bis die Pegel wieder deutlich steigen. Birgit Kaiser de Garcia vom LANUK NRW erklärt, es müsse über mehrere Tage und längere Zeit deutlich mehr regnen. Regen im Rheinland allein genüge nicht, vor allem im Süden brauche es mehr Niederschlag.

Der Rhein entspringt in der Schweiz und wird normalerweise aus Gletscher- und Schneeschmelze sowie aus Niederschlägen gespeist. Die Schmelze blieb dieses Jahr größtenteils aus. Damit es im kommenden Jahr genug Schmelzwasser gibt, muss es im Winter auf den Bergen ausreichend schneien. Hinzu kommt, dass die Böden entlang des Rheins stark ausgetrocknet sind. Sie müssen erst genug Feuchtigkeit aufnehmen, bevor Regenwasser in Flüsse und Grundwasser gelangt.

Seit Donnerstag regnet es immer wieder. Bis zum Wochenende rechnen Hydrologen mit etwa 60 Litern Niederschlag pro Quadratmeter, was als deutlich zu wenig gilt. Damit der Pegel wieder auf ein Niveau steigt, bei dem die Schifffahrt wie gewohnt laufen kann, müsste es nach Angaben der Hydrologen wochenlang im gesamten Rheinland vom Niederrhein bis zum Oberrhein landregnen, mit mehreren hundert Litern je Quadratmeter.

Das Niedrigwasser verändert auch den Schadstoffgehalt im Fluss. Normalerweise werden Schadstoffe und Chemikalien so stark verdünnt, dass Messstationen sie nicht erfassen. Birgit Kaiser de Garcia erklärt, bei dem jetzigen niedrigen Wasserstand könnten die Konzentrationen so weit steigen, dass sie messbar werden. Gefährlich seien die Werte weder für Menschen noch für Tiere.

Für die Tiere liege das Problem vor allem in der fehlenden Strömung. Nach Angaben des Rheinischen Fischereiverbands können Fische ohne Strömung nicht in die Laichgebiete wandern. Dadurch verschiebe sich die Laichzeit, was zu weniger Nachwuchs führen könne.

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