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Evonik: RAG-Stiftung berät in Sondersitzung über BASF-Angebot

Das Kuratorium der RAG-Stiftung hat sich am 9. Oktober 2026 in einer außerordentlichen Sitzung mit der Zukunft von Evonik befasst. Die Stiftung ist größter Anteilseigner des Essener Chemiekonzerns und entscheidet maßgeblich über das Übernahmeangebot von BASF. Zu den Ergebnissen äußerte sie sich nicht.

tagesschau · 09.10.2026 · 16:50 Uhr

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Das Kuratorium der RAG-Stiftung ist am 9. Oktober 2026 zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen, um über die Zukunft des Essener Chemiekonzerns Evonik zu beraten. Das Gremium besteht aus Politikern, Gewerkschaftern und Wirtschaftsvertretern. Im Mittelpunkt standen laut tagesschau die Übernahmepläne von BASF, offene Fragen zum weiteren Kurs des Unternehmens sowie die Folgen für Beschäftigte und Standorte in Nordrhein-Westfalen.

Zu Inhalten und Ergebnissen der Sitzung wollte sich die Stiftung nicht äußern. Eine Sprecherin teilte dem WDR schriftlich mit, die Inhalte seien vertraulich. Sie bestätigte lediglich, dass der Stiftungsvorstand das Kuratorium über das Übernahmeinteresse von BASF an Evonik informiert hat.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hatte Ende September ein Übernahmeangebot für Evonik vorgelegt. Evonik wies die Offerte zurück, hat in der Sache aber nicht das letzte Wort. Die Entscheidung liegt bei der RAG-Stiftung, dem größten Anteilseigner des Unternehmens.

Die Stiftung wurde gegründet, um die Folgekosten des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet zu finanzieren; ihr Name erinnert an die frühere Ruhrkohle AG. Mit der Chemiebranche hat sie auf den ersten Blick wenig zu tun. Sie ist weltweit an mehr als 20.000 Unternehmen beteiligt und bezahlt aus diesen Beteiligungen die teuren Bergbaufolgen, im vergangenen Jahr allein gut 300 Millionen Euro. Dazu gehört etwa das dauerhafte Abpumpen von Grubenwasser, das in stillgelegten Schächten ansteigt. Dieses Wasser kann Schadstoffe enthalten und darf nicht mit dem Trinkwasser in Kontakt kommen.

Evonik zählt zu den Unternehmen, in die die Stiftung besonders stark investiert ist. Der Spezialchemiehersteller ging 2007 aus dem Steinkohlekonzern RAG hervor. Derzeit hält die Stiftung noch rund 44 Prozent der Anteile. Um ihre Anlagen breiter zu streuen, hatte sie zuletzt vor, ihren Anteil auf 25,1 Prozent zu senken. Damit behielte sie eine sogenannte Sperrminorität und könnte weiterhin wichtige strategische Entscheidungen im Unternehmen beeinflussen.

Wie sie angesichts des BASF-Angebots verfährt, ist offen. Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V., geht davon aus, dass BASF perspektivisch sämtliche Evonik-Anteile übernehmen wolle, um bei einer Integration des Unternehmens strategisch frei zu sein. Nach der Satzung der RAG-Stiftung wäre ein Verkauf aller Evonik-Anteile grundsätzlich möglich. Die Stiftung muss daher abwägen, ob und in welchem Umfang sie Anteile abgibt.

Gegen einen Verkauf spricht aus Sicht von Kritikern, dass NRW ein wichtiges eigenständiges Industrieunternehmen verlöre und seine Bedeutung als Chemiestandort abnähme. Arbeitnehmer- und Konzernvertreter befürchten zudem, dass eine Übernahme bis zu 4.000 Arbeitsplätze kosten könnte, weil BASF danach möglicherweise Doppelstrukturen abbauen würde, um Kosten zu sparen. Die tagesschau merkt an, dass dies für die Beschäftigten womöglich dennoch das kleinere Übel sein könnte: Die deutschen Chemiestandorte stehen insgesamt stark unter Druck, unter anderem wegen der schwachen Konjunktur und hoher Energiekosten. BASF wie Evonik kürzen derzeit in großem Umfang Stellen.

Hocker verwies darauf, dass beide Unternehmen zuletzt vor allem in den USA und in China investiert hätten, nicht in Deutschland. Deshalb lasse sich bei beiden die Überlebenschance der deutschen Standorte hinterfragen.

Solche industriepolitischen Überlegungen dürften bei der Entscheidung der Stiftung eine Rolle spielen, denn das Kuratorium als Aufsichtsgremium ist stark politisch besetzt. Zu den Mitgliedern gehören Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sowie Michael Vassiliadis, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie.

Neben Standortfragen geht es auch um den Preis. Medienberichten zufolge lag das erste BASF-Angebot bei 22,15 Euro je Evonik-Aktie, was einer Bewertung des Unternehmens von rund zehn Milliarden Euro entspricht. Hocker hält diesen Preis für weitaus zu niedrig.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Insider, BASF könne sein Angebot erhöhen. Der Konzern erwäge außerdem Zusagen an die Evonik-Belegschaft mit Blick auf die Standorte. Ob eine Übernahme sinnvoll wäre, hängt nach Einschätzung von Hocker stark von solchen Rahmenbedingungen ab. Biete BASF langfristige Arbeitsplatzgarantien für die Beschäftigten und einen guten Preis für die Aktionäre, könne eine Übernahme sinnvoll sein.

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