Senioren im Dortmunder Altenheim werden als Superhelden fotografiert
Im Seniorenheim am Tiefenbach in Dortmund werden Senioren als Superhelden fotografiert. Der Mindener Fotograf Dmytro Geshengorin will damit laut Bericht zeigen, was die Senioren geleistet haben.

Im Seniorenheim am Tiefenbach im Dortmunder Stadtteil Eichlinghofen werden Senioren zu Comicfiguren. Der Deutsch-Ukrainer Dmytro Geshengorin aus Minden inszeniert sie als Superhelden. Damit will er laut Bericht zeigen, was die Senioren geleistet haben.
Dass sie einmal eine Superheldin sein könnte, ist Anita Wilshaus nie in den Sinn gekommen. Die 86-Jährige hat weiße, ordentlich nach rechts gekämmte Haare und trägt eine schwarze Hornbrille.
Wilshaus lacht gern. Als Kind half sie auf einem Bauernhof in der Nähe von Witten, später arbeitete sie in einem Büro. Ihre Superkraft sieht sie darin, 60 Jahre lang mit demselben Mann verheiratet gewesen zu sein.
In ihrem kleinen Zimmer liegt auf dem gemachten Bett ein rot-blaues Kostüm. Es stellt Captain Marvel dar, eine Superheldin aus dem Disney-Universum mit übermenschlichen Kräften. Das Outfit hat der Fotograf mitgebracht.
Geshengorin ist eigentlich Lehrer an einer Berufsschule, seine Leidenschaft gilt jedoch der Fotografie. Zu seinen bisherigen Projekten zählen Grimms Märchen, inszeniert in einer Autowerkstatt, sowie das letzte Abendmahl der Jünger Jesu, nachgestellt mit einer Gruppe raubeiniger Männer in einer Industrieruine. Seine neueste Idee sind Superhelden im Seniorenheim. Er habe darüber nachgedacht, wie die Gesellschaft mit alten Menschen umgeht.
Zehn Minuten vor dem Fotoshooting hilft eine Pflegerin Wilshaus in das enge Kostüm. Beide finden, dass es mit 86 Jahren erlaubt sein darf, ein wenig zu drücken und zu schieben. Wilshaus zeigt sich zuversichtlich, dass ihr das Kostüm stehen wird, auch wenn es eng anliegt.
Geshengorin hat den Bildaufbau auf einem kleinen Skizzenblock festgehalten. Batman sitzt am Klavier, Superman bügelt seinen eigenen Umhang, und Wilshaus als Captain Marvel sitzt vor einem Schachbrett. Alle neun Protagonisten sind weit über 60 Jahre alt. Der älteste ist Horst Scheel mit 92 Jahren, der als Phantom auftritt.
Alle Superhelden werden einzeln porträtiert. In der Nachbearbeitung setzt Geshengorin die Bilder zu einer Fotoinstallation zusammen. Wilshaus ist die letzte Superheldin vor der Kamera. Sie soll grimmig und gelangweilt wirken, während sie auf ihren Schachgegner wartet, den Martian Manhunter, ebenfalls ein Superheld.
Geshengorin ist noch nicht ganz zufrieden und bittet Wilshaus um einen grimmigeren Blick. Er drückt mehrfach auf den Auslöser, schließlich rund ein Dutzend Mal. Im Bericht heißt es, irgendein Bild werde schon dabei sein.
Nach Einschätzung des Berichts ist Wilshaus für eine grimmige Superheldin womöglich ein wenig zu freundlich.
Grundlage des Berichts sind laut Quellenangabe Gespräche mit den Bewohnern, ein Gespräch mit Dmytro Geshengorin sowie Recherchen eines WDR-Reporters vor Ort.