Paritätischer NRW nennt geplante Wohngeld-Kürzung „sozialpolitisches Desaster“
Die Bundesregierung will beim Wohngeld sparen. Nach Angaben des Beitrags bezogen Ende 2025 in NRW mehr als 348.000 Haushalte Wohngeld. Sozialverbände reagieren entsetzt; der Paritätische NRW spricht von einem sozialpolitischen Desaster. Laut Bauministerium wäre ungefähr ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte von der Kürzung betroffen.

Die Bundesregierung will beim Wohngeld sparen. Im Behördendeutsch heißt die Maßnahme „Vereinfachung und Fortentwicklung des Wohngeldgesetzes“. Der Autor des Beitrags ordnet sie in eine seit Monaten geführte Gerechtigkeitsdebatte ein und bewertet sie als Sparprogramm. Sozialverbände reagieren entsetzt.
Wohngeld unterstützt Menschen, deren Einkommen nicht ausreicht, um ihre Wohnkosten zu tragen. In Nordrhein-Westfalen bezogen Ende 2025 mehr als 348.000 Haushalte Wohngeld. 2015 waren es gut 100.000 Haushalte. Die Zahlen steigen Jahr für Jahr. Als Grund wird genannt, dass Wohnraum sehr schnell immer teurer werde und viele Menschen überfordere.
In NRW beziehen vier Prozent der Haushalte Wohngeld. Die höchsten Anteile verzeichnen die Ruhrgebietsstädte Hamm mit 7,4 Prozent und Herne mit 6,0 Prozent. Am geringsten ist der Anteil im Kreis Olpe mit 2,7 Prozent und im Rheinisch-Bergischen Kreis mit 2,9 Prozent.
Die zuständige Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) begründet die Kürzung damit, dass für eine solche Unterstützung kein Geld mehr vorhanden sei. Das Wohngeld sei der einzige Posten, bei dem Einsparungen erbracht werden könnten; dies sei der einzig gangbare Weg.
Nach Angaben des Bauministeriums wäre ungefähr ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte von der Kürzung betroffen. Auch weiterhin Wohngeldberechtigte würden die Reform spüren, denn sie sieht vor, die Berechnungsformel zu ändern und die sogenannte Heizkostenkomponente zu halbieren.
Die Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz, schreibt in einer aktuellen Mitteilung, Leistungskürzungen senkten keine Mieten und schüfen keine einzige zusätzliche Wohnung. Sie erhöhten vielmehr das Risiko von Mietrückständen, Wohnungsverlust und Wohnungslosigkeit.
Wohngeld beziehen vor allem alleinstehende Personen im Ruhestand und Familien.
Christian Woltering vom Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW nennt die Kürzung im Gespräch mit dem WDR ein „sozialpolitisches Desaster“ und spricht von einer tragischen Kürzung. Das Wohngeld helfe Menschen, den extrem steigenden Miet- und Wohnkosten entgegenzutreten.
Woltering erklärt, das Wohngeld sei eine der Grundsicherung vorgelagerte Leistung und verhältnismäßig leicht zu beantragen. Wer dagegen in die Grundsicherung falle, müsse ein hochkomplexes Antragsverfahren durchlaufen, seine finanziellen Verhältnisse vollständig offenlegen und sein Erspartes einsetzen. Viele würden das schon aus Scham nicht tun.
Die Regierung sollte nach Wolterings Ansicht stattdessen daran arbeiten, die hohen Wohnkosten zu senken und günstiges Wohnen wieder zu ermöglichen.
Das Deutsche Kinderhilfswerk kritisiert die Reform als „Kürzungsgesetz“. Eine Folge der Reform könne eine signifikante Steigerung der Kinderarmut sein.
Zugleich verweist der Beitrag auf die Kosten: Deutschland gab 2025 laut Statistischem Bundesamt knapp fünf Milliarden Euro für das Wohngeld aus, 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Bund und Länder tragen die Kosten jeweils zur Hälfte.
Den Berechnungen des Bauministeriums zufolge könnten Bund und Länder im nächsten Jahr durch die Kürzungen jeweils 738 Millionen Euro sparen.
Ein Bündnis aus Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden hat die Bundesregierung kürzlich aufgefordert, die Sparpläne im Sozialbereich ganz aufzugeben. Auch mit Blick auf die Wahlergebnisse der jüngeren Vergangenheit sei dies angeraten. Angeführt wird zudem, den Menschen fehle es schlichtweg an Geld, und das treibe sie radikalen Parteien zu.