Universität Münster: Postdocs oft zufrieden, aber häufig stark belastet
Das Münster Centre for Emerging Researchers (CERes) hat Postdocs der Universität Münster zu Arbeitssituation und Karriere befragt. Rund 57 Prozent der 214 Teilnehmenden sind insgesamt zufrieden. Gut ein Drittel fühlt sich mindestens einmal pro Woche überlastet. Viele kennen die vorhandenen Unterstützungsangebote nicht.

Promovierte Forschende ohne Habilitation oder Professur spielen im deutschen Wissenschaftssystem eine zentrale Rolle: Sie tragen Forschung, Lehre und die Betreuung von Studierenden, teils auch von Promovierenden. Zugleich ist ihre Beschäftigung trotz hoher Qualifikation und Verantwortung häufig prekär, unsicher und schlecht planbar. Über ihre Erwartungen, Bedürfnisse und Wahrnehmungen ist insgesamt wenig bekannt. Das Münster Centre for Emerging Researchers (CERes) der Universität Münster hat daher die Postdocs der Hochschule zu Arbeitssituation, Zufriedenheit und Karriereentwicklung befragt, wie die Universität mitteilt.
Laut dem neu veröffentlichten Bericht sind rund 57 Prozent der 214 Befragten mit ihrer Arbeitssituation grundsätzlich zufrieden. Soziale Aspekte wie die Zusammenarbeit im Team bewerten sie besser als die beruflichen Rahmenbedingungen. Die berufliche Zufriedenheit liegt bei unbefristet Beschäftigten deutlich höher als bei befristet Beschäftigten. Nach Einschätzung von CERes-Leiterin Professorin Stefanie van Ophuysen wird die Unzufriedenheit mit den strukturellen Bedingungen offenbar teilweise durch positive Faktoren ausgeglichen. Dazu zählt sie gute soziale Beziehungen, die Erfahrung sinnvoller Arbeit, Wertschätzung sowie die Möglichkeit, Schwerpunkte in Forschung und Lehre frei zu bestimmen.
Etwas mehr als ein Drittel der befragten Postdocs gab an, mindestens einmal pro Woche eine übermäßige Arbeitsbelastung zu spüren. Am stärksten belastet fühlten sich befristet Beschäftigte mit Vollzeitverträgen. Viele Teilnehmende konnten keines der bestehenden Angebote oder keine Anlaufstelle der Universität zum Umgang mit diesen Belastungen nennen. Stattdessen suchten viele Unterstützung im privaten Umfeld und bei Kolleginnen und Kollegen. Nur ein Drittel der Befragten sprach die Belastungen gegenüber Vorgesetzten an. Van Ophuysen hält es deshalb für wichtig, auch Vorgesetzte für die Anliegen der Postdocs zu sensibilisieren.
Rebecca Meier, Referentin für wissenschaftliche Karriereentwicklung und Postdoc-Förderung bei CERes, stellt die Frage in den Raum, ob dieses Zufriedenheitsniveau ausreicht, auch wenn sich die Rahmenbedingungen nur schwer ändern lassen. Sie möchte wissen, was alle Beteiligten tun können, um Postdocs an der Universität Münster besser zu unterstützen. Klar sei, dass es weit mehr Postdocs gibt als Professuren und Dauerstellen. In befristeten Verhältnissen herrsche enormer Druck, ständig zu publizieren und Drittmittel einzuwerben.
Van Ophuysen berichtet, dass gute Arbeitsbedingungen in Münster hohe Priorität haben und in den vergangenen Jahren mehr Stellen entfristet wurden. Der Anteil befristet beschäftigter Postdocs an der Universität Münster liegt derzeit bei rund 58 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt lag 2025 bei 81 Prozent.
Dem aktuellen „Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs“ zufolge machen unbefristete Stellen weniger als 10 Prozent der neu angebotenen Arbeitsverträge für Promovierte im akademischen Bereich aus. Bei Stellenangeboten in der Privatwirtschaft liegt der Anteil bei über 70 Prozent. Aus diesem Grund erwägt die Mehrheit der Postdocs, das Wissenschaftssystem zu verlassen. Auch in Münster bewerten viele die beruflichen Perspektiven außerhalb der Wissenschaft etwas besser. Der Standort selbst erweist sich dennoch als attraktiv: 40 Prozent der Befragten wurden an der Universität Münster promoviert, 29 Prozent haben dort auch studiert.
Weiterbildungsbedarf sehen die Befragten vor allem in den Bereichen Forschungsmanagement, Lehre und Didaktik sowie bei gesellschaftlicher Verantwortung und Transfer. Als besonders hilfreich bewerten sie Angebote zur Einwerbung von Drittmitteln, individuelle Karriereberatung, Projektmanagement und Führungskräftetraining. Der Bericht soll nach den Worten von Rebecca Meier mehr Transparenz über Situation und Bedürfnisse der Postdocs schaffen und den Dialog mit ihnen, den Fakultäten und den vielen unterstützenden Einrichtungen fortführen.
Die Studie stammt von Rebecca Meier und Stefanie van Ophuysen: „Postdocs at the University of Münster. Work Situation, Job Satisfaction and Career Development“, Münster Centre for Emerging Researchers, Universität Münster, 2026. DOI: 10.5281/zenodo.20396062. Autorin des Beitrags der Universität ist Julia Harth.