Uni Münster: 32 Chöre, Orchester und Theatergruppen suchen neue Mitglieder
Zum Wintersemester nehmen die musischen Hochschulgruppen der Universität Münster wieder Studierende auf. Laut der Universität gibt es 32 Chöre, Orchester und Theatergruppen sowie viele nicht offiziell gelistete Initiativen. Ein Kulturatlas des Kulturbüros zeigt, wo Interessierte mitmachen können.

Singen, Theater spielen, tanzen oder im Orchester musizieren: Wer an der Universität Münster bei einer Hochschulgruppe mitmachen will, schreibt meist zuerst eine kurze Nachricht und fragt, ob das möglich ist. Die Antwort fällt laut Universität häufig positiv aus, denn das Angebot ist groß. 32 Chöre, Orchester und Theatergruppen laden zum Mitmachen ein. Hinzu kommen zahlreiche Initiativen, die nicht offiziell gelistet sind.
Für viele Studierende, die neben dem Studium auf der Bühne stehen, gehören tägliches Üben und wöchentliche Proben zum gewohnten Ablauf. Lisanne Kempf, Masterstudentin der Fächer Geschichte und Englisch, spielt nach eigener Erinnerung Theater, solange sie denken kann. Zum ersten Mal auf einer Bühne stand sie in der Grundschule. Im Januar gehörte sie zu den Gründerinnen der neuen Hochschulgruppe „Campus Theater Münster“. Im Sommersemester spielte sie mit dieser Gruppe die Titelrolle in Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“ in der Studiobühne der Universität.
Kempf berichtet, sie habe das Theaterspielen als Ausgleich erlebt, auf den sie sich gefreut habe, da sie sonst fast den ganzen Tag allein vor dem Laptop gesessen habe. An der Rolle habe sie vor allem die Emotionalität der Figur gereizt. Die Figur komme zudem mit vergleichsweise wenig Text aus, was für sie attraktiv gewesen sei, weil sie nebenher noch einiges im Hintergrund erledigt und ihre Masterarbeit geschrieben habe.
Mit ihrem Engagement hat Kempf möglicherweise auch etwas für ihre Gesundheit getan. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des University College London mit 3.000 Probanden zeigte, dass kulturelle Aktivitäten Stress abbauen, Entzündungen hemmen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken können.
Typisch für die studentischen Kulturgruppen ist, dass viele Mitglieder neben dem Spielen oder Musizieren organisatorische Aufgaben übernehmen. Die Orchester, die in der Aula am Aasee proben, machen dort jede Woche den Hörsaal zur Bühne: Sie tragen etwa Stühle, Notenpulte und Kesselpauken aus dem Keller nach oben und bauen sie auf. Andere Mitglieder arbeiten im Vorstand, planen Auftritte, werben Fördermittel ein oder kümmern sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Selbst das Aufhängen von Plakaten in der Stadt zum Semesterende gehört dazu. Fast alle engagieren sich also über das Bühnengeschehen hinaus. Dabei erwerben sie zusätzlich zum Studienfach weitere Fähigkeiten. Das sei zwar nicht die Hauptmotivation, könne aber bei der späteren Jobsuche positiv auffallen.
Den meisten Studierenden geht es bei ihrem kulturellen Engagement um einen Ausgleich zum Alltag und um den Funken, den solche Erfahrungen auslösen. Kempf sagt, sie liebe die Momente in den Proben, in denen die Mitspielenden auch nach dem x-ten Durchlauf einer Szene so bewegt seien, dass sie lachen müssten oder bei unangenehmen Szenen halb unter den Tisch rutschten. Mit dem „Campus Theater Münster“ sei ihr Traum in Erfüllung gegangen. Die Gruppe habe alles hinbekommen und darüber hinaus viel positiven Anklang gefunden.
Ihre Mitstreiterinnen sehen das ähnlich. Sarah C. van Veen, Chemiestudentin und in „Emilia Galotti“ als Angelo beziehungsweise Rota besetzt, vereinbarte das Theaterspielen mit ihrem Laborpraktikum. Manchmal sei das sehr anstrengend gewesen, meistens habe sie sich aber auf Abwechslung vom Studium gefreut. Emily Leonhard, die in den Neurowissenschaften promoviert, las den Aufruf zum Mitmachen im AStA-Newsletter. Sie war nach eigener Aussage sehr nervös, weil sie keine Vorerfahrung hatte. Nach einem erfolgreichen Casting spielte sie den Marinelli. Besonders gern erinnert sie sich an die Euphorie nach der letzten Aufführung: Dieser Moment sei groß gewesen, und alle hätten sich eng verbunden gefühlt.
Vom Medizinerchor über Bigbands bis zum Tanzensemble nehmen die Gruppen zu Semesterbeginn neue Mitglieder aus allen Studienfächern auf, je nach Gruppe mit oder ohne Vorerfahrung. Das Kulturbüro der Universität führt die Ensembles in einem Kulturatlas auf und verlinkt zu den wichtigsten Informationen wie Probenzeit und Probenort. Im Wintersemester erscheint der Kulturatlas zudem im Magazin „UniKunstKultur“ der Universität. Weil die Aufnahmebedingungen der Chöre, Orchester, Theatergruppen und literarischen Zirkel sehr unterschiedlich sind, empfiehlt sich ein Blick auf deren jeweilige Internetauftritte. Danach fehlt nur noch die kurze Nachricht, ob man mitmachen kann.
Das Kulturbüro gehört seit Juli 2017 zur Zentralen Kustodie. Das Rektorat der Universität hatte diese 2015 eingerichtet, um die wissenschaftlichen Universitätssammlungen in übergreifenden Belangen zu unterstützen. Die Kustodie betreut außerdem den Kunstbesitz der Universität. Wer aktiv werden möchte, findet im Kulturatlas Informationen zu Chören, Orchestern, Bands, Theatergruppen und Kulturorten auf dem Campus. Wer ein eigenes kulturelles Projekt umsetzen will, kann beim Kulturfonds der Universität finanzielle Unterstützung beantragen. Das Kulturbüro berät auch bei Anträgen auf außeruniversitäre Förderung und bei Sponsoring und hilft den Hochschulgruppen zudem bei Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.