Münster: Ringvorlesung über Außerirdische zum 20-jährigen Bestehen des ZfW
Das Zentrum für Wissenschaftstheorie (ZfW) der Universität Münster besteht seit 20 Jahren. Zum Jubiläum veranstaltet es gemeinsam mit dem Planetarium ab dem 20. Oktober dienstagabends eine Ringvorlesung über außerirdisches Leben. Geschäftsführer Jens Lemanski wirbt für den Blick über die eigene Fachgrenze.

Das Zentrum für Wissenschaftstheorie (ZfW) der Universität Münster feiert sein 20-jähriges Bestehen. Die Einrichtung will dazu anregen, über die Grenzen des eigenen Fachs hinauszudenken, und praktiziert das nach eigener Darstellung seit zwei Jahrzehnten selbst. In den öffentlichen Ringvorlesungen und weiteren Formaten sind alle Disziplinen willkommen, die Veranstaltungen sind gut besucht.
Zum Jubiläum widmet sich das ZfW gemeinsam mit dem Planetarium einem Thema, das nach Angaben der Universität seit vielen Jahren im Raum steht: Außerirdischen. Die Ringvorlesung trägt den Titel „Außerirdische: Wissenschaftstheoretische und Interdisziplinäre Perspektiven“ und findet im Wintersemester statt. Ab dem 20. Oktober halten Referentinnen und Referenten jeweils dienstagabends Vorträge.
Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Existenz außerirdischen Lebens. Sie beschäftigt nicht nur Science-Fiction-Fans, sondern stellt auch verschiedene Wissenschaftszweige vor eine wissenschaftstheoretische Herausforderung. Die Reihe fragt unter anderem, ob sich der Mensch von seinem Anthropozentrismus lösen kann, um auch für Formen außerirdischen Lebens offen zu sein, die von der irdischen abweichen. Weitere Fragen lauten, wie eine wissenschaftliche Suche nach Unbekanntem aussehen kann und welche philosophischen, sozialen, rechtlichen und theologischen Konsequenzen die Entdeckung von Außerirdischen hätte.
Gegründet wurde das ZfW 2006 als fächerübergreifender Forschungsverbund. Die Initiative ging von der Philosophie aus, sechs weitere Fachbereiche waren von Beginn an beteiligt. Heute wird das Zentrum von fast allen Fachbereichen getragen. Seit 2020 hat es den Status einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung der Universität.
Geschäftsführer Prof. Dr. Jens Lemanski berichtet, dass im Lauf der Zeit unterschiedliche Schwerpunkte dominierten. Eine Zeitlang sei die Medizin stark vertreten gewesen, später eher die Physik, die Biologie und allgemein die Lebenswissenschaften. Das ZfW sei im Lauf der Jahre gewachsen und verfüge nun über mehr Mitglieder, mehr Möglichkeiten und mehr Personal.
Das Zentrum bündelt die vielfältigen Forschungsinteressen und organisiert Veranstaltungen. Es verknüpft und intensiviert Forschungs- und Lehraktivitäten, betreibt Wissenstransfer auf dem Gebiet der Wissenschaftstheorie und steuert Beiträge zu aktuellen Debatten bei. Zudem beteiligt es sich an Planung und Organisation des wissenschaftstheoretischen Lehrangebots der Universität und unterstützt Interdisziplinarität und Strukturierung der Graduiertenförderung. Seit dem Wintersemester 2007/2008 bietet das ZfW eigene Lehrveranstaltungen an. Diese richten sich vor allem an Studierende im Rahmen der allgemeinen Studien, können aber auch von Studierenden anderer Studiengänge belegt werden.
Die Mitglieder des ZfW und die Besucherinnen und Besucher von Seminaren, Tagungen und Vorträgen betrachten Fragen der Wissenschaftstheorie aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Was ist Wissenschaft? Welche Methoden stehen zur Verfügung, um neue Erkenntnisse zu gewinnen? Welche ethischen Folgen haben bestimmte wissenschaftliche Entdeckungen? Lemanski sagt, man lerne nie aus, wenn man solche Fragen interdisziplinär diskutiere. Besonders Studierenden empfiehlt er, auch außerhalb der Grenzen des eigenen Fachs zu schauen, was sie interessiert, und sich mit anderen zu vernetzen.
Nach Lemanskis Worten steht das ZfW im Hochschulvergleich in guter Gesellschaft: Fast alle großen deutschen Universitäten leisteten sich ein vergleichbares Zentrum, und das solle man pflegen. Für die Zukunft will sich das ZfW-Team stärker international vernetzen, ohne das lokale Angebot zu vernachlässigen.