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Köln: Ehrenamtliche begleiten einsame Beerdigungen auf dem Südfriedhof

Die Kölner Gruppe "Keiner geht allein" gibt Menschen ohne Angehörige und Freunde das letzte Geleit. Seit 2010 haben die Ehrenamtlichen nach Angaben von Mitorganisatorin Ingrid Rasch rund 120 Beerdigungen begleitet. Die Stadt Köln zählte 2025 etwa 1.000 ordnungsbehördliche Bestattungen, 2011 waren es noch rund 600.

n-tv.de · 11.10.2026 · 05:05 Uhr

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Am Eingang des Kölner Südfriedhofs hat sich ein knappes Dutzend Trauergäste versammelt. Den Mann, der gleich beigesetzt wird, kannten die meisten von ihnen nicht oder nur flüchtig. Dennoch wollen sie ihn auf seinem letzten Weg begleiten, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Rosemarie Amberge, 89, sagt, es sei traurig, wenn niemand der Urne folge. Sie gehört zu einer Gruppe ehrenamtlicher Beerdigungsbegleiter, die einspringt, wenn Verstorbene weder Angehörige noch Freunde hatten.

Die Idee zu der Gruppe "Keiner geht allein" stammt aus dem Jahr 2010. Ein Seelsorger der katholischen Kirchengemeinde St. Severin wollte den sogenannten einsamen Beerdigungen etwas entgegensetzen. Derzeit machen rund 20 Menschen mit. Mitorganisatorin Ingrid Rasch zufolge haben sie bislang etwa 120 Beerdigungen begleitet.

Rainer Hüttemann, 84, sagt, der Tod gehöre zum Leben, und das wolle die Gruppe durch ihre Anwesenheit zeigen. Verstorbenen einen würdigen Abschied zu bereiten, sieht er als Zeichen christlicher Nächstenliebe. In seinem Alter denke man vermutlich häufiger an den Tod als in jüngeren Jahren. Die meisten Mitglieder sind Rentnerinnen und Rentner, aber nicht alle. Johannes Lesaar, 62, ist seit einiger Zeit arbeitslos und will seine Zeit sinnvoll nutzen. Bei der Suche nach einem Ehrenamt stieß er auf die Beerdigungsbegleiter, das habe ihn angesprochen. Nun ist er zum zweiten Mal dabei. Es gehe nicht, dass ein Mensch einsam beerdigt werde, sagt er, ganz gleich, wer der Verstorbene gewesen sei.

Bei den Toten handelt es sich laut Rasch meist um ältere Menschen ohne Kinder oder andere Verwandte, teils sei auch der Kontakt zu den Kindern abgerissen. Freunde und Bekannte, ebenfalls im höheren Alter, seien oft schon gestorben. Wer dann auch sonst keine sozialen Kontakte habe, sei am Lebensende tatsächlich allein.

Finden sich nach einem Todesfall keine nahen Angehörigen, die sich um die Bestattung kümmern können oder wollen, muss die Stadt einspringen. Zunächst versucht das Ordnungsamt, Angehörige zu ermitteln, die zur Kostenübernahme verpflichtet werden können. Bleibt das erfolglos und hinterlässt der Verstorbene kein Vermögen, bezahlt die Stadt die Beerdigung.

In Köln ist die Zahl dieser ordnungsbehördlichen Bestattungen nach Angaben eines Stadtsprechers in den vergangenen Jahren gestiegen. 2011 waren es etwa 600, 2025 rund 1.000. In etwa 40 Prozent der Fälle seien "nach teils aufwendiger Recherche" doch noch bestattungspflichtige Angehörige gefunden worden, die die Kosten im Nachhinein übernommen hätten. Auch in anderen Großstädten in Nordrhein-Westfalen wie Düsseldorf oder Essen gibt es jährlich mehrere hundert ordnungsbehördliche Bestattungen.

Auf dem Südfriedhof verteilt Amberge an jeden Teilnehmer eine Rose. Dann folgt der kleine Trauerzug dem Wägelchen mit der Urne. Der Fußweg ist fast einen Kilometer lang, denn das Feld für Sozialbestattungen liegt am anderen Ende des parkähnlichen Friedhofs. Bei gutem Wetter sei das immer auch ein schöner Spaziergang, sagt Amberge.

Am Ziel ist auf einer Grasfläche bereits ein schmales Loch für die Urne ausgehoben. Mehrere Gräberfelder liegen nebeneinander, die älteren sind längst wieder vollständig von Rasen bewachsen. Auf jedem Feld steht eine Stele mit den Namen der 25 Toten, die dort bestattet wurden. Auch der Name des 77-Jährigen, der an diesem Tag beigesetzt wird, soll dort bald stehen. Hüttemann findet das sehr schön: So werde der Mensch nicht einfach komplett vergessen.

Das Wort ergreift nun Marianne Ricking, Beerdigungsbeauftragte von St. Severin, die schon viele Menschen ohne Angehörige beigesetzt hat. Vorab versucht sie, Informationen über den Toten zu bekommen, etwa von Nachbarn oder, falls er in einem Heim lebte, von Pflegern. Das gelingt mal, mal nicht. Dann kennt auch sie nur den Namen sowie Geburts- und Todesdatum. Den Mann, der an diesem Tag beerdigt wird, kannte sie ein wenig. Er wohnte nahe der Kirche und kam gelegentlich auf ein kurzes Gespräch vorbei, sodass sie etwas über ihn erzählen kann.

Ricking bittet die Umstehenden, ihre Namen zu nennen. Dadurch entstehe ein besonderes Gefühl der Verbundenheit. Gemeinsam sprechen alle ein Gebet, danach lässt der Bestatter die Urne in die Erde hinab.

Auf dem Rückweg tauschen die Begleiter Neuigkeiten aus, einige trinken noch zusammen einen Kaffee in einer nahen Bäckerei. Ein wenig Unterhaltung gehöre für die Gruppe dazu, sagt Amberge. Sie freue sich, dass man sich bei den Beerdigungen immer wieder treffe und gut verstehe. Wann der nächste Termin ansteht, weiß sie noch nicht. Klar sei aber: "Wer von uns kann, der kommt."

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