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NRW-Staatspreis für Großbritannien: Das ist von den Briten geblieben

Der diesjährige Staatspreis des Landes NRW geht an Großbritannien. Britische Spuren finden sich bis heute an vielen Orten im Land: bei der Armee, in Vereinen, Pubs und Partnerschaften sowie in privaten Familiengeschichten. Nach 80 Jahren gemeinsamer Geschichte leben noch rund 17.000 britische Staatsbürger in Nordrhein-Westfalen.

WDR · 08.10.2026 · 10:57 Uhr

Soldaten errichten eine Brücke
Bild aus der Originalquelle

Der Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen geht in diesem Jahr an Großbritannien. Wie das WDR berichtet, lassen sich an vielen Orten in NRW noch immer britische Spuren finden.

Eine davon ist im Radio zu hören. Der britische Soldatensender BFBS sendet bis heute aus Paderborn-Sennelager, dort moderiert Jade Callaway. Ostwestfalen war und bleibt ein Zentrum der britischen Geschichte in NRW. Mehrere hundert britische Soldaten sind weiterhin zwischen Rhein und Weser stationiert, die meisten in den „Normandy Barracks“ in Paderborn. Im Kalten Krieg lag ihre Zahl bei rund 50.000.

Auch heute kommen regelmäßig größere Truppenteile aus Großbritannien zu Übungen und Manövern nach NRW, oft gemeinsam mit Soldaten anderer Nationen. NRW hat sich seit Jahren zu einem Aufmarsch- und Übungsraum der britischen Armee und der NATO entwickelt. Zuletzt wurden im Frühjahr dieses Jahres für die Übung „Rhino Storm“ mehr als 3.000 Soldaten mit rund tausend Fahrzeugen nach NRW verlegt. Sie trainierten auf dem Truppenübungsplatz Sennelager sowie in Gütersloh, Bielefeld und im Kreis Paderborn.

Wie eng Deutsche und Briten zusammengewachsen sind, zeigt sich jedes Jahr im Advent im Hohen Dom zu Paderborn: Dort feiern sie gemeinsam zweisprachige Gottesdienste. Das freut auch Mike Foster-Brown, den aktuellen Kommandeur der britischen Armee in Deutschland, dessen Sitz in Paderborn liegt.

Die Briten hätten viel Neues in den NRW-Alltag gebracht, sagt die Historikerin Bettina Blum, die an der Universität Paderborn zum Austausch zwischen der britischen Community und der deutschen Stadtgesellschaft forscht. Dazu zählen Sportarten wie Golf, Polo und Rugby. Rund um die früheren Truppenstandorte bestehen bis heute viele Vereine, in denen selbstverständlich auch Deutsche mitspielen können.

Hinzu kommen zahlreiche von Briten gegründete Pubs und Restaurants, etwa „The Shakespeare“ von Nathaniel Stott in Herdecke. Stott versteht seine Kneipe als Ort, der Menschen zusammenbringt, und das gelte seiner Ansicht nach auch trotz oder gerade nach dem Brexit vor zehn Jahren. In einem englischen Pub gehe es nur um das Gegenüber; ob Professor, Doktor oder Handwerker, jeder komme mit jedem ins Gespräch.

Aus 80 Jahren gemeinsamer Geschichte sind auch viele institutionelle Verbindungen entstanden. Fast jede dritte Kommune in NRW unterhält eine Partnerschaft mit einer britischen Stadt oder einem britischen Kreis. Außerdem gibt es mehr als 200 Schulpartnerschaften zwischen NRW und dem Vereinigten Königreich.

Manches haben die Deutschen nach Blums Worten auch übernommen und weiterentwickelt. So gebe es in Krefeld einen Verein, der die Uerdinger Highland Games ins Leben gerufen hat. In Münster veranstalte die britische Gesellschaft im Sommer ein „Britnic“, ein britisch inspiriertes Kulturpicknick, das inzwischen eine eigene Prägung entwickelt habe.

Die Verbundenheit zeigt sich zudem in unzähligen privaten Kontakten und Netzwerken. Sie gehen vor allem auf Soldaten zurück, die nach ihrer Armeezeit in NRW geblieben sind und hier ihre Partnerin oder ihren Partner gefunden haben. In der Spitze lebten mehr als 100.000 britische Staatsbürger in NRW, heute sind es noch rund 17.000.

Zu ihnen gehört Pete Alderton, der Anfang der 1970er Jahre nach Ostwestfalen kam. Seine vier Kinder wurden hier geboren und wuchsen halb deutsch, halb britisch auf. Seine inzwischen erwachsenen Töchter Victoria und Rebecca erzählen, sie seien damit keine Ausnahme gewesen: Von zehn Freundinnen seien mindestens vier bis fünf halb britisch gewesen. In ihrer Klasse hätten außer ihnen mindestens drei bis vier weitere Kinder einen britischen Vater gehabt.

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