Tagebau Hambach soll ab 2030 geflutet werden – Anwohner können mitreden
Der Tagebau Hambach soll ab 2030 mit Grundwasser und Wasser aus dem Rhein geflutet werden und einen See mit 42 Quadratkilometern Fläche entstehen lassen. Umweltverbände wie der BUND halten das Rheinwasser für nicht sauber genug, RWE sieht das anders. Der Genehmigungsantrag liegt bereits den Kommunen vor; die Unterlagen sollen ab dem 9. November online einsehbar sein, Einwände sind bis zum 22. Dezember möglich.

Der Tagebau Hambach soll ab 2030 mit Grundwasser und mit Wasser aus dem Rhein geflutet werden und dadurch zu einem der größten Seen Deutschlands werden. Betreiber RWE will das Rheinwasser in Höhe des Elsdorfer Stadtteils Esch in den Tagebau pumpen.
Der neue See soll eine Fläche von 42 Quadratkilometern haben und an der tiefsten Stelle 200 Meter tief sein. Damit wäre er der größte See in Nordrhein-Westfalen.
Im Forum Terra Nova, einem Restaurant am Rand des Tagebaus Hambach bei Elsdorf, informiert RWE über den aktuellen Stand des Hambacher Tagebausees. Die Stühle und Tische sind dafür weggeräumt, stattdessen stehen dort große Schautafeln und Karten zum Tagebau. Das Interesse der Anwohner ist groß.
Der 80-jährige Ortwin Clever aus Niederzier, der Nachbargemeinde von Elsdorf, ist früh vor Ort und betrachtet die Schautafeln genau. Er sagt, man habe in den vergangenen Jahrzehnten mit Dreck und Staub viele Nachteile des Tagebaus kennengelernt. Nach seiner Einschätzung dürfte das, was jetzt auf den Weg gebracht wurde, viele Gemüter beruhigen.
RWE rechnet damit, dass das Wasser im Tagebau Hambach in etwa 40 Jahren zum ersten Mal die geplante Seespiegelhöhe erreichen wird.
Das Vorhaben ist umstritten. Umweltverbände wie der BUND in Nordrhein-Westfalen sagen, dass das Rheinwasser dafür nicht sauber genug sei. RWE sieht das anders.
Im Auftrag von RWE haben Gutachter den Bau und Betrieb eines Filters geprüft. Laut einem Fachgutachten wäre eine solche Anlage an der Stelle, an der das Rheinwasser in den Tagebau strömen soll, theoretisch möglich. Die Prüfung ist Teil des Genehmigungsverfahrens. Am Ende wird die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Genehmigungsbehörde entscheiden.
Auch Anwohner wollen den Tagebausee mitgestalten. Vor den Schautafeln im Forum Terra Nova bilden sich immer wieder Gruppen, in denen diskutiert wird. Hermann-Josef Frimmersdorf, Landwirt aus dem Elsdorfer Stadtteil Esch, hält die Mitwirkung der Bürger für wichtig. Er bewirtschaftet in direkter Nachbarschaft zur Rheinwasser-Pipeline einige Flächen mit Tieren.
Der Genehmigungsantrag von RWE liegt bereits seit Anfang September den Städten, Gemeinden und Kreisen im Rheinischen Revier vor, darunter den sechs Hambach-Kommunen Niederzier, Titz, Kerpen, Jülich, Merzenich und Elsdorf.
Ab dem 9. November sollen die Unterlagen auch allen Bürgerinnen und Bürgern im Internet zur Verfügung stehen. Kritik und Einwände können dann bis zum 22. Dezember eingebracht werden.