Champions League in Baku: BVB unter Druck – Kovac verneint Krise
Borussia Dortmund reist vor dem Champions-League-Duell bei Sabah FK in Baku unter Druck: Nach drei Spielen ohne Sieg und zwei Partien ohne eigenen Treffer verneint Trainer Niko Kovac eine Krise. Geschäftsführer Sport Lars Ricken spricht von einer schwierigen Phase und setzt auf mehr Angriffslust.

Für Borussia Dortmund steht die letzte Etappe einer intensiven Woche an: Der BVB reist zum Champions-League-Spiel nach Baku. In Aserbaidschan steht die Mannschaft nach drei Spielen ohne Sieg und zwei Partien ohne eigenen Treffer unter Druck. Die Verantwortlichen geben sich noch gelassen, wissen aber, dass ein weiterer Misserfolg gegen den Underdog die Krisendiskussion erheblich verschärfen würde.
Bei der Pressekonferenz vor dem Duell am Dienstag in Baku scheiterte Trainer Niko Kovac bereits an einer Frage einer aserbaidschanischen Journalistin. Er sagte, er wisse nicht, was er antworten solle, da er die Frage nicht verstanden habe.
Auch weitere Übersetzungsversuche des Dolmetschers vor Ort brachten keine Klarheit. Kovac erklärte, er habe es wieder nicht verstanden, und zuckte mit den Schultern. Nach mehreren fehlgeschlagenen Verständigungsversuchen setzte der BVB die Pressekonferenz fort und versprach, sich im Anschluss noch ausführlich mit der Frage zu befassen.
Die Frage-Antwort-Runde verlief ähnlich holprig wie zuletzt die Leistungen der Dortmunder. Das 0:0 bei Union Berlin war das dritte sieglose Spiel in Serie; nach einem starken Saisonstart ist beim BVB Ernüchterung eingekehrt. Zuvor hatte es ein 2:2 gegen Bremen und eine 0:1-Niederlage in der Champions League bei Bodø/Glimt gegeben. Vor allem offensiv fehlte dem Team die Durchschlagskraft.
Von einer Krise wollte Kovac nichts wissen. Er stellte fest, dass der BVB Tabellenzweiter und punktgleich mit Bayern München sei. Gegen Bremen habe die Mannschaft dominiert und unglücklich 2:2 gespielt, bei Union sei es ein klares 0:0 gewesen. Die Ergebnisse gefielen ihm nicht, daraus mache er aber „kein Drama“, sagte der 55-Jährige. Er zeigte sich überzeugt, dass die Mannschaft die Qualität habe, den Hebel umzulegen.
Lars Ricken, Geschäftsführer Sport des BVB, hatte sich zuvor beim Abflug nach Baku ähnlich geäußert. Die Mannschaft befinde sich in einer schwierigen Phase; dass Dortmund dreimal hintereinander nicht gewinnt, sei für den Verein nicht normal. Zugleich verwies er darauf, dass der BVB in der Anfangsphase der Saison in allen Wettbewerben eine hervorragende Ausgangssituation geschaffen habe.
Nach zwei Spielen ohne eigenen Treffer stellt sich die Frage nach mehr Kreativität, insbesondere nach dem erneuten Ausfall von Konstantinos Karetsas. Als Ersatz kommen laut Kovac unter anderem Fabio Silva und Carney Chukwuemeka infrage. Silva habe gegen Union richtig gut gespielt und frischen Wind gebracht; Chukwuemeka sei ein ähnlicher Spielertyp wie Karetsas und könne dem BVB-Spiel Kreativität geben.
Laut Ricken geht es unabhängig vom Personal auch um die Haltung. Offensiv wolle der BVB verstärkt die Initiative ergreifen und angriffslustig sein. Man wolle wieder die Gier zeigen, die Spiele unbedingt gewinnen zu wollen, und mit Lust und Vorfreude in die Partie gehen.
Ricken betonte, es sei der Anspruch, mit einem Sieg zurückzukommen. Druck sei zwar vorhanden, doch man solle ihn als Antrieb und Privileg annehmen, da er Ausdruck des eigenen Anspruchs sei.
Beide Mannschaften gehen punktgleich mit jeweils drei Zählern in die Partie. Sabah FK ist amtierender aserbaidschanischer Meister und Königsklassen-Neuling; der BVB gilt dennoch als klarer Favorit.
Sollte der BVB erneut nicht gewinnen, müsste Kovac auf die Frage nach einer Krise wohl anders antworten. Die gelassene Grundhaltung ließe sich dann nur schwer aufrechterhalten.