Nächtliche Schüsse in NRW: Ermittler prüfen mögliche Zusammenhänge
In Nordrhein-Westfalen fallen in jüngster Zeit nahezu täglich, meist nachts, Schüsse auf Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Wohnhäuser. Ermittler prüfen, ob die Taten zusammenhängen. Der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamte vermutet hinter einem großen Teil der Schüsse Schutzgelderpressung durch die sogenannte Gen-Z-Mafia.

In Nordrhein-Westfalen fallen in jüngster Zeit nahezu täglich Schüsse auf Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Wohnhäuser, meist in der Nacht. Ob es einen Zusammenhang zwischen den zahlreichen Fällen der vergangenen Tage gibt, müssen laut dem Landesvorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamte, Oliver Huth, erst die laufenden Ermittlungen zeigen.
Huth sagte, derzeit seien verschiedene Akteure mit Gewalt aufgefallen. Hinter einem großen Teil der Schüsse vermutet er Schutzgelderpressung durch die sogenannte Gen-Z-Mafia.
Nach Huths Darstellung handelt es sich dabei um türkische Jugendliche mit hoher krimineller Energie, die sich illegal in der EU aufhielten. Die Gruppierungen seien sehr mobil; nach Schüssen in NRW könnten die Täter wenig später im Ausland sein.
Laut Huth nehme die Gen-Z-Mafia vor allem türkische Geschäftsleute ins Visier, wobei die Ziele relativ willkürlich ausgewählt würden. Dabei werde zunächst auf Häuser geschossen und anschließend eine Geldforderung an die Betroffenen gerichtet, oder umgekehrt. Die Täter setzten dabei teils Kriegswaffen ein, zum Teil auch Maschinenpistolen.
Für die Bevölkerung bestehe laut Huth keine konkrete, aber eine abstrakte Gefahr. Schüsse, die teilweise aus fahrenden Autos abgegeben würden, könnten Menschen in den Häusern treffen.
Andere Taten ordnete Huth als Streitigkeiten im kriminellen Milieu ein, bei denen es um die Durchsetzung von Forderungen gehe. Die Täter seien dabei überwiegend Jugendliche, die über das Internet angeworben würden.
Das Landeskriminalamt NRW erklärte, die Hintergründe der jüngsten Straftaten müssten noch ermittelt werden. Aus der Abgabe von Schüssen allein lasse sich kein allgemeiner Schluss auf die Täter ziehen. In früheren Fällen sei die Gen-Z-Mafia in NRW vor allem durch Schutzgelderpressungen aufgefallen; damit einher gingen laut LKA auch Sachbeschädigungen durch Schüsse und Brandanschläge.
Die Gruppierungen bestehen laut Bericht überwiegend aus Personen, die zwischen 1995 und 2012 geboren wurden, daher rührt auch die Bezeichnung. Sie hätten flache Hierarchien und teils wechselnde Mitglieder und verübten Straftaten im Kollektiv, wobei einzelne Mitglieder feste Rollen einnähmen.
Dem LKA NRW liegen Erkenntnisse zu rund 20 Sachverhalten in NRW vor. In sechs Fällen kam es zu Schusswaffendelikten, in zwei weiteren Fällen wurde lediglich Munition in einem Kuvert hinterlassen, wie eine Sprecherin mitteilte. Zuvor hatte die „Rheinische Post“ über diese Zahlen berichtet. Seit Februar 2026 würden Straftaten, die der Gen-Z-Mafia zugerechnet werden, gesondert erfasst; Schwerpunkte lägen in den bevölkerungsreichen Städten der Rhein-Ruhr-Schiene.
Ernst Herget, Vorstand für Kriminalitätsangelegenheiten bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP), warnt laut der „Rheinischen Post“ vor der hohen Gewaltbereitschaft der Gen-Z-Gruppierungen. Hinter den selbstironisch klingenden Namen und dem Auftreten in sozialen Medien verberge sich eine brutale Realität.
Herget zufolge sind die Gruppierungen mit der Mafia im klassischen Sinn nicht gleichzusetzen. Zwar gehe es bei vielen Taten um Schutzgelderpressung, das Auftreten der jungen Täter werde aber vor allem von krimineller Lebensweise, Macht- und Posergehabe sowie Inszenierung im Internet geprägt. Diese Dynamik könne weitere Personen anziehen und Trittbrettfahrer auf den Plan rufen. Für die Polizei bedeute dies eine zusätzliche Herausforderung, da die Ermittler immer neuen Formen organisierter Kriminalität gegenüberstünden.
In den vergangenen Tagen waren in mehreren Städten in NRW Schüsse auf Gebäude verzeichnet worden. Eine Ermittlungskommission in Bielefeld geht neun Taten mit fünf Geschädigten in Bielefeld sowie jeweils eine Tat mit einem Geschädigten in den Kreisen Gütersloh und Herford nach. Auch in Köln, in Brühl zwischen Köln und Bonn sowie in Troisdorf bei Bonn fielen Schüsse. Nach Polizeiangaben wurde bei den Taten niemand verletzt.
Am frühen Sonntagmorgen schoss ein unbekannter Täter mehrfach auf eine Autovermietung in Kirchlengern im Kreis Herford. Nach Polizeiangaben hielt sich zu diesem Zeitpunkt niemand in dem Gebäude auf.