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Handys am Steuer: Neue ACE-Zahlen zeigen Verstöße auch in NRW

Neue Zahlen des Autoclubs ACE zeigen, dass Smartphones am Steuer auch in NRW weit verbreitet sind. Experten und Politiker diskutieren Konsequenzen, etwa Handy-Blitzer, höhere Bußgelder und mehr Aufklärung.

tagesschau · 20.10.2026 · 16:23 Uhr

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Smartphones am Steuer können gefährlich werden. Wie neue Zahlen des Autoclubs ACE zeigen, ist das Problem auch in Nordrhein-Westfalen weit verbreitet. Experten und Politiker fordern Konsequenzen.

Falk Hoffmann vom Auto Club Europa sagt im Gespräch mit dem WDR, die Zahlen zeigten klar, dass es viele Smartphone-Verstöße gibt. Der ACE hat nach eigenen Angaben von Anfang April bis Ende Juli an mehreren hundert Kreuzungen in Deutschland Stichproben gemacht und dabei fast 84.000 Fahrzeuge gezählt. Der Autoclub bezeichnet die Ergebnisse als alarmierend.

Bei den jeweils 30-minütigen Checks wurden sowohl fahrende als auch vorübergehend stehende Fahrzeuge erfasst, etwa an Ampeln. An einzelnen Kreuzungen waren knapp 18 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer durch ein Smartphone abgelenkt, deutschlandweit lag der Schnitt bei 3,3 Prozent. Hoffmann ist überzeugt, dass die Dunkelziffer weit höher liegt.

In NRW lag der Wert mit 2,9 Prozent leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt. An einer Kreuzung in Herne nutzten nur 0,3 Prozent der Autofahrer das Smartphone am Steuer. Den landesweiten Höchstwert verzeichnete Düsseldorf: An der Kreuzung Schirmerstraße/Adlerstraße waren es 16,3 Prozent, also etwa jeder sechste Autofahrer.

Der ADAC hatte vor einigen Monaten einen ähnlichen Check durchgeführt und dabei auch Radfahrer einbezogen. Auch in Köln seien dabei viele Verstöße erfasst worden.

Offenbar unterschätzen viele Menschen noch immer, wie problematisch es ist, etwa an einer roten Ampel kurz das Handy zu nutzen, um Instagram zu checken oder auf eine Nachricht zu antworten.

Der ACE warnt, dass Autofahrer bei Tempo 50 schon nach zwei Sekunden Blick aufs Handy 28 Meter blind unterwegs sind. Hoffmann sagt, in der Stadt könne dabei viel passieren.

Die Ablenkung am Steuer, etwa durch Handys, gilt als Ursache für mehrere tausend Unfälle pro Jahr. Laut ACE wurde im Jahr 2025 bei knapp 9.500 Unfällen mit Personenschaden Ablenkung als Unfallursache erfasst.

Harald Walsberg, Verkehrssicherheitsexperte des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), spricht von einem signifikanten Problem. Allerdings sei es bei Unfällen oft schwierig, im Nachhinein nachzuweisen, dass ein Autofahrer am Handy war, vor allem wenn es keine Zeugen gibt.

Wer am Steuer mit dem Handy erwischt wird, muss aktuell mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt rechnen. Walsberg hält das im Gespräch mit dem WDR für nicht ausreichend; es sollten eher 500 Euro und zwei Punkte sein. Strafen müssten wirksam sein und zu Verhaltensänderungen Anlass geben. Deutschland habe im europäischen Vergleich dabei noch aufzuholen.

Walsberg setzt außerdem auf mehr Kontrollen, um Wiederholungstäter aus dem Verkehr zu ziehen. Der VCD spricht sich deshalb für den bundesweiten Einsatz von Handy-Blitzern aus, die nach seiner Auffassung nötig sind, um den Verkehr sicherer zu machen.

Als erstes deutsches Bundesland hatte Rheinland-Pfalz die rechtlichen Grundlagen für den Einsatz sogenannter Monocams geschaffen. Laut ADAC sind die Geräte mobil einsetzbar und funktionieren zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter.

Die Software der Handy-Blitzer prüft, ob Mobiltelefone im Bereich der Autofahrer zu erkennen sind und wie das Telefon gehalten wird. Erkennt das Gerät ein entsprechendes Muster, löst die Kamera aus. Anschließend bewerten Polizisten die Bilder, ob tatsächlich ein Handy am Steuer genutzt wurde, denn nicht alles, was auf einem Foto wie ein Smartphone aussieht, ist auch eins. Das zeigte vor einigen Monaten ein Fall aus dem Kreis Herford.

Auch der ACE spricht sich für den Einsatz von Handy-Blitzern aus, allerdings mit entsprechenden Datenschutzregeln. Neben konsequenten Kontrollen fordert der Autoclub wirksame Prävention und Aufklärung über die Gefahren der Ablenkung am Steuer. Hoffmann verlangt, das Thema in den Lehrplan an Schulen aufzunehmen. Junge Menschen, die sich dem Führerschein und der Fahrprüfung nähern, sollten das lernen.

Der WDR hat alle Fraktionen im Düsseldorfer Landtag angefragt. Bisher geantwortet haben CDU, SPD, Grüne und FDP.

CDU-Innenexperte Gregor Golland fordert konsequente, gezielte Polizeikontrollen und mehr Aufklärung, die bereits in Schulen und Fahrschulen ansetzen soll. Auch moderne Technologien wie Handy-Blitzer sollten genutzt werden. Bevor über höhere Bußgelder pauschal diskutiert werde, müsse vor allem sichergestellt werden, dass bestehende Regeln konsequent durchgesetzt werden. Ziel seien weniger Unfälle und nicht mehr Strafzettel.

Die Grünen befürworten Handy-Blitzer. Die innenpolitische Sprecherin Julia Höller sagt, eine große Mehrheit der Bevölkerung stehe dahinter, und die Politik sollte diesen Auftrag ernst nehmen. Wer am Steuer zum Handy greife, fahre auf der Autobahn fast 30 Meter mit geschlossenen Augen. Das sei kein Kavaliersdelikt, sondern russisches Roulette im Straßenverkehr. Aus Sicht der Grünen sind die Strafen bereits hoch, doch die Kontrolllücke sei groß: Auf jede Anzeige kämen Tausende unentdeckte Verstöße.

Christof Rasche, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, sagt, höhere Bußgelder allein lösten das Problem nicht. Eine Strafe schrecke nur ab, wenn man mit Erwischtwerden rechnen müsse. Jede Fahrt zu kontrollieren, sei für die Polizei aber nie realistisch zu leisten. Deshalb komme es auf die Verantwortung jedes Einzelnen an. Fahranfänger müssten schon in der Ausbildung verstehen, wie gefährlich der kurze Blick aufs Smartphone ist.

Der SPD-Verkehrspolitiker Gordan Dudas betont, die Ergebnisse des ACE zeigten, dass Aufklärung allein nicht ausreiche. Bestehende Regeln müssten daher durch gezielte Polizeikontrollen konsequent durchgesetzt werden. Moderne technische Verfahren könnten helfen, sofern ihr Einsatz rechtssicher und datenschutzkonform geregelt sei. Höhere Strafen ersetzten jedoch weder wirksame Kontrollen noch eine frühe Sensibilisierung, besonders junger Verkehrsteilnehmender. Entscheidend sei, gefährliche Ablenkung zu verhindern, bevor Menschen zu Schaden kommen.

Die FDP setzt zudem auf moderne Technik und erhofft sich eine Lösung durch autonom fahrende Autos. Rasche verweist darauf, dass im Auto verbaute KI-gestützte Sprachassistenten etwa das Tippen abnehmen könnten. Langfristig könne autonomes Fahren das Handy-Problem lösen, weshalb die Freien Demokraten autonome Fahrzeuge endlich auch in Deutschland auf die Straße bringen wollen.

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