Bochum: Hüpfverbot für Ostkurve im Ruhrstadion ab Heimspiel gegen Bielefeld
Der VfL Bochum und die Bochumer Sportstätten Gesellschaft haben für die Ostkurve des Ruhrstadions ein Hüpfverbot verhängt. Es gilt ab dem Zweitligaspiel gegen Arminia Bielefeld am Sonntag, 11. Oktober, 13.30 Uhr. Grundlage ist ein Gutachten zu Schwingungen; die Ultras Bochum und Fans kritisieren die Maßnahme.

Der Fußball-Zweitligist VfL Bochum und die Bochumer Sportstätten Gesellschaft haben ein Hüpfverbot für die Ostkurve des Ruhrstadions verhängt. Es gilt bereits für das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am Sonntag, 11. Oktober, um 13.30 Uhr (Sky). Von Fanseite kommt scharfe Kritik.
Hintergrund ist nach Angaben des Vereins ein Gutachten, das im Zuge der laufenden Umbauarbeiten am Stadion erstellt wurde. Demnach kann gemeinsames, rhythmisches Hüpfen oder Springen, also synchronisierte Bewegungen vieler Menschen, einen sogenannten Trampolineffekt auslösen, der ein Gefühl des Unwohlseins hervorruft. Die Bauaufsichtsbehörde legte das Verbot daraufhin per Ordnungsverfügung fest. Die Stadt betonte dabei ausdrücklich, dass die Tribünen nicht einsturzgefährdet sind.
Der VfL Bochum muss das Verbot dennoch umsetzen und kontrollieren. Wird die Anordnung nicht eingehalten, droht im schlimmsten Fall eine komplette Sperrung der Ostkurve, die Platz für bis zu 10.000 Zuschauer bietet.
Der Verein weist darauf hin, dass sich das Verbot ausdrücklich nicht auf den Torjubel bezieht, sondern nur auf choreografiertes Springen in den Blöcken N2, O, P und Q. Die Ostkurve könne weiterhin komplett als Stehplatzbereich und bei voller Auslastung genutzt werden.
Offen ist nach Darstellung der tagesschau, ob sich die Bochumer Fans tatsächlich daran halten. In den genannten Blöcken stehen demnach fast ausschließlich sogenannte Hardcore-Fans, die regelmäßig im Stadion sind und von möglichem Unwohlsein eher nicht betroffen sein dürften.
Die Ultras Bochum nennen das Verbot in einer Stellungnahme auf ihrer Internetseite „irrsinnig“. Die Begründung des Bauordnungsamts sei kaum an Lächerlichkeit zu überbieten. Der Gruppe, die in einem zentralen Bereich der Ostkurve steht, ist nach eigenen Angaben kein Fall bekannt, in dem Schwingungen der Kurve zu Unwohlsein oder zu einer Panik geführt hätten. Die Ultras fordern, das Verbot aufzuheben und die Sicherheitsbedenken restlos auszuräumen. Zudem plädieren sie für eine vorgezogene Sanierung der Ostkurve.
Auch bei anderen VfL-Fans stößt die Regelung auf wenig Zustimmung. Fan Eren sagt, es falle ein großer Teil des Stadionerlebnisses weg, denn Hüpfen gehöre etwa bei einem Tor oder beim Feiern einfach dazu. Für ihn sei es Ausdruck einer Emotion, und diese wegzunehmen sei schlimm. Viele weitere Fans reagierten mit Unverständnis und sprachen von „Quatsch“ oder einem „Witz“. Es gab aber auch Stimmen, die Verständnis äußerten, da es für die Regel schließlich einen Grund gebe.
Der VfL Bochum teilte mit, sich intensiv mit den Fangruppierungen auszutauschen. Ein Vereinssprecher sagte dem WDR, bis zum Anpfiff am Sonntag werde der Club auf allen Kanälen ausführlich über das weitere Vorgehen, die konkreten Maßnahmen und mögliche Konsequenzen informieren.
Sollte auf der Osttribüne trotzdem gehüpft werden, greift der Drei-Punkte-Plan der DFL. Zunächst gibt es eine Stadiondurchsage, das Hüpfen einzustellen. Wird weitergehüpft, gehen die Teams in die Kabine, und es folgt eine weitere Aufforderung. Beim dritten Mal wird das Spiel abgebrochen.
Aufgehoben werden soll die Einschränkung voraussichtlich erst nach Abschluss der Umbauarbeiten am Ruhrstadion im Jahr 2028.
Das Bochumer Hüpfverbot ist laut tagesschau kein Einzelfall im deutschen Fußball. Bereits vor zehn Jahren setzte die Stadt Magdeburg im Stadion ein solches Verbot für das Drittliga-Spiel des 1. FC Magdeburg gegen den Halleschen FC durch. Anlass waren Messungen beim Heimspiel gegen Hansa Rostock drei Wochen zuvor. Sie hatten ergeben, dass FCM-Fans auf der Nordtribüne Schwingungen auslösten, die über der sogenannten Panikgrenze lagen. Als Panikgrenze gilt der Wert, bei dem Menschen angesichts einer tatsächlichen oder angenommenen Gefahr das Gefühl haben, fliehen zu müssen. Das Magdeburger Stadion wurde bis 2019 umgebaut und die Konstruktion verstärkt, danach wurde das Verbot aufgehoben.
Die Bochumer Ingenieure setzten sich nach Angaben eines Vertreters der Stadt Bochum gegenüber dem WDR mit ihren Magdeburger Kollegen in Verbindung. Erst danach fiel die Entscheidung, das Hüpfverbot anzuordnen. Als gravierenden Unterschied nannte der Vertreter, dass das Magdeburger Stadion damals neu war, das Ruhrstadion hingegen nicht neu und sanierungsbedürftig ist.
Erst vor wenigen Wochen hatten Fans des 1. FC Kaiserslautern vor dem Pokal-Derby gegen den SV Waldhof Mannheim die Konrad-Adenauer-Brücke zwischen Mannheim und Ludwigshafen durch gezieltes Springen und Hüpfen ins Wanken gebracht. Der Vorfall am 16. September verlief glimpflich, könnte aber noch ein Nachspiel haben.