Paderborn: Claas investiert 70 Millionen Euro in KI-gesteuerte Fabrik
Der Landmaschinenhersteller Claas baut in Paderborn eine KI-gesteuerte „Zukunftsfabrik“ und investiert dafür 70 Millionen Euro. Darauf einigte sich das Unternehmen mit der IG Metall. Die 700 Arbeitsplätze bleiben erhalten, 100 neue kommen hinzu. Die Beschäftigten arbeiten dafür sechs Jahre lang 2,5 Stunden pro Woche unbezahlt mehr.

Der Landmaschinenhersteller Claas investiert 70 Millionen Euro am Standort Paderborn. Das Unternehmen und die IG Metall haben sich darauf verständigt. Alle 700 Arbeitsplätze bleiben demnach erhalten, außerdem entstehen 100 neue Stellen. Im Gegenzug leistet die Belegschaft unbezahlte Mehrarbeit von 2,5 Stunden pro Woche. Der Vorstandsvorsitzende von Claas gab die Einigung bei einer Betriebsversammlung bekannt.
Mit dem Geld will Claas in Paderborn eine KI-gesteuerte „Zukunftsfabrik“ errichten. Das Unternehmen ist Marktführer bei speziellen Getrieben für Mähdrescher und Traktoren sowie bei modernen Gummiraupenlaufwerken. Diese Stellung soll die Investition sichern.
Felix Wagner, Geschäftsführer der IG Metall im Bezirk Paderborn/Höxter, hat den Tarifvertrag mit dem Claas-Management mit ausgehandelt. Darin ist auch die Investition in die neue Fabrik enthalten. Wagner sagt, damit seien die Arbeitsplätze der aktuell 700 Beschäftigten langfristig gesichert, und 100 weitere würden geschaffen. Er zeigt sich mit der Einigung zufrieden.
Die Beschäftigten arbeiten sechs Jahre lang unbezahlt 2,5 Stunden pro Woche länger. Statt der 35-Stunden-Woche gilt in dieser Zeit eine 37,5-Stunden-Woche. Danach kehren sie zur 35-Stunden-Woche zurück.
Als Erfolg verbucht die IG Metall eine Vereinbarung zur Weiterbildung. Laut Wagner müssen die Beschäftigten künftig in einer Fabrik arbeiten, in der Künstliche Intelligenz die Abläufe prägt. Claas habe zugestimmt, dass alle an Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen und sich qualifizieren können.
Lange war ungewiss, ob Claas im Raum Paderborn überhaupt weitermacht. Im Dezember 2025 sagte das Unternehmen einen Neubau in der Gemeinde Borchen mit rund 14.000 Einwohnern ab. Als Grund wurden bürokratische Hürden genannt, ein Neubau dort hätte zu lange gedauert. Anschließend drohte das Management wegen hoher Produktionskosten damit, die „Zukunftsfabrik“ lieber in Ungarn oder Frankreich zu bauen.
Wagner sagt, die Produktion in Paderborn wäre irgendwann ausgelaufen, wenn moderne Bauteile für Landmaschinen zunächst anderswo entwickelt würden. Die IG Metall schaltete sich ein und bot in den Verhandlungen mit dem Claas-Management die Vereinbarung über Mehrarbeit an. Damit wurde offenbar ein Weg gefunden, der das Management überzeugte.