Cyber Campus NRW verabschiedet ersten Jahrgang Digitale Forensik
Am Cyber Campus NRW haben 20 Absolventinnen und Absolventen den ersten Jahrgang des Bachelorstudiengangs Digitale Forensik abgeschlossen, darunter elf Polizistinnen und Polizisten aus Nordrhein-Westfalen. Während der Feier wurde zudem die Kooperation des NRW-Innenministeriums mit den Hochschulen Niederrhein und Bonn-Rhein-Sieg bis 2035 verlängert.

Am Cyber Campus NRW (CCNRW) hat der erste Jahrgang des Bachelorstudiengangs Digitale Forensik sein Studium abgeschlossen. Unter den 20 Graduierten sind elf Polizistinnen und Polizisten des Landes Nordrhein-Westfalen, die sich berufsbegleitend qualifiziert haben. In den vergangenen Jahren lernten die Absolventinnen und Absolventen, digitale Spuren und Beweise zu sichern.
Die feierliche Verabschiedung fand im TextilTechnikum im Monforts Quartier in Mönchengladbach statt. NRW-Innenminister Herbert Reul wurde dabei durch Ministerialdirigent Gerrit Weber vertreten, den Leiter der Polizeiabteilung im NRW-Innenministerium. Während der Veranstaltung wurde außerdem die Kooperation zwischen dem Innenministerium, der Hochschule Niederrhein (HSNR) und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) zur akademischen Qualifizierung von Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten bis 2035 verlängert.
Weber bezeichnete die ersten Absolventinnen und Absolventen als Pioniere für die Polizei Nordrhein-Westfalen, da sie über vier Jahre Studium und polizeiliche Praxis verbunden hätten. Digitale Spuren müssten beweissicher erhoben, nachvollziehbar dokumentiert, fachgerecht ausgewertet und in gerichtsverwertbarer Form aufbereitet werden. Dafür seien Beamtinnen und Beamte nötig, die sowohl die kriminalistische als auch die technische Fachsprache beherrschen.
Weber erklärte, mit aktuell 151 Polizistinnen und Polizisten im Studiengang zeige sich, dass dieser Weg Zukunft habe. Er bezeichnete die Absolventinnen und Absolventen als wichtige Multiplikatoren in ihren Dienststellen und Ermittlungsverfahren. Digitale Ermittlungskompetenzen würden in jeder Dienststelle der Kriminalpolizei gebraucht.
Prof. Dr. Susanne Meyer, Präsidentin der Hochschule Niederrhein, sagte, die Digitale Forensik zeige, wie wichtig es sei, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Handlungskompetenz zu übersetzen. Die Studierenden verbänden Wissen aus Informatik, IT-Sicherheit und Kriminalistik. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und dem Innenministerium ermögliche es, die fachlichen Anforderungen der digitalen Ermittlungsarbeit in die akademische Ausbildung aufzunehmen. Die erste abgeschlossene Kohorte zeige, was aus diesem Ansatz entstehen könne.
Prof. Dr. Marion Halfmann, Präsidentin der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, verwies auf die stark gestiegene Häufigkeit von Cyberattacken in einer digitalisierten Welt. Gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein biete man am Cyber Campus NRW ein praxisnahes Studium an. Damit zeigten die beiden Hochschulen gesellschaftliche Verantwortung. Halfmann begrüßte die Verlängerung des Kooperationsvertrags mit dem Innenministerium als Bekenntnis zur Zukunft der Digitalen Forensik, des Cyber Campus NRW und einer langfristigen Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Sicherheitsbehörden. Zudem zeigte sie sich überzeugt, dass die ausgebildeten Polizistinnen und Polizisten mit ihrer IT-Expertise die digitale Welt sicherer machen werden.
Der Bachelorstudiengang Digitale Forensik vermittelt angewandte Kenntnisse und praxisorientierte Fertigkeiten aus Informatik, IT-Sicherheit und Kriminalistik. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie digitale Spuren gesichert, analysiert und als Beweismittel ausgewertet werden können. Die Studierenden lernen unter anderem, Straftaten aufzuklären, bei denen Informationstechnik eingesetzt wird oder die sich unmittelbar gegen IT-Systeme und Netzwerke richten. Angeboten wird der Studiengang am Cyber Management Campus der HSNR in Mönchengladbach, im Rahmen des CCNRW in Kooperation mit der H-BRS. Das Studium kann in Voll- oder Teilzeit absolviert werden und richtet sich an Studienanfängerinnen und Studienanfänger sowie an Berufstätige, darunter Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte. Der Cyber Campus NRW wird seit 2021 vom NRW-Wissenschaftsministerium gesondert gefördert.
Mit der zunehmenden Digitalisierung und der Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz wächst die Bedeutung entsprechender Fachkräfte. Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen sind zunehmend von Cyberangriffen betroffen. Ermittlungsbehörden müssen digitale Straftaten aufklären und digitale Beweismittel zuverlässig auswerten können. Das Innenministerium hatte bereits 2023 einen ersten Kooperationsvertrag mit den Partnerhochschulen über die akademische Qualifizierung unterzeichnet. Die nun vereinbarte Verlängerung führt die Zusammenarbeit über die bisherige Laufzeit hinaus fort. Der Vertrag regelt Konzeption, Durchführung und Evaluation der akademischen Qualifizierungsmaßnahmen.
Der Cyber Campus NRW ist ein gemeinsames Projekt der Hochschule Niederrhein und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die dort ihre Kompetenzen im Bereich Cybersicherheit verbinden. An der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach gehören neben dem Bachelorstudiengang Digitale Forensik die Bachelor- und Masterstudiengänge Cyber Security Management zum Angebot. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bietet am Campus Sankt Augustin den Studiengang Cyber Security & Privacy auf Bachelor- und Masterniveau an.