Weidel-Auftritt in Leverkusen sorgt für Ärger in der NRW-AfD
Bei einer Veranstaltung mit Alice Weidel in Leverkusen fehlte der NRW-Landesvorsitzende Martin Vincentz. Laut t-online soll er keine Einladung erhalten haben. Unterstützer von Vincentz kritisierten den Auftritt als Affront. Weidels Sprecher weist die Kritik zurück.

Alice Weidel ist nach Nordrhein-Westfalen gekommen, mehrere prominente AfD-Politiker standen gemeinsam mit ihr auf der Bühne. Nicht dabei war jedoch der Vorsitzende des NRW-Landesverbands, Martin Vincentz. Die Veranstaltung fand am Dienstag (20. Oktober) in Leverkusen statt. Dass er fehlte, sorgt innerhalb der Partei für erheblichen Ärger, denn hinter den Kulissen wird längst um die Macht in der NRW-AfD gerungen.
Laut t-online soll Vincentz nicht einmal eine Einladung erhalten haben. Zugleich waren mit Matthias Helferich und Sven Tritschler Politiker vertreten, die zu seinen schärfsten parteiinternen Gegnern zählen.
Im größten Landesverband der AfD stehen sich zwei Lager gegenüber. Auf der einen Seite steht Landeschef Vincentz, auf der anderen unter anderem Helferich und Tritschler.
Bei der Aufstellung der Kandidatenliste für die Landtagswahl 2027 konnte sich Vincentz mit seinen Unterstützern weitgehend durchsetzen. Laut t-online ficht inzwischen rund 40 Funktionäre die Liste vor einem parteiinternen Schiedsgericht an. Gegen Vincentz und weitere Parteifunktionäre laufen zudem Parteiordnungsverfahren.
Unterstützer von Vincentz reagierten kritisch. Einer von ihnen bezeichnete den Auftritt gegenüber t-online als Affront und sagte, er finde das Vorgehen Weidels traurig. Von der Bundesspitze erwarte man, zwischen den zerstrittenen Lagern zu vermitteln, statt den Konflikt weiter zuzuspitzen.
Schon am Nachmittag hatten sich in Leverkusen laut t-online rund 150 AfD-Funktionäre zu einer internen Gesprächsrunde getroffen. Viele von ihnen stammten demnach aus dem Lager der Vincentz-Gegner. Moderiert werden sollte das Treffen vom Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich.
Am Abend folgte der öffentliche Auftritt mit Weidel, dem AfD-Politiker Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt und Vertretern der europäischen ESN-Fraktion. Moderiert wurde die Veranstaltung unter anderem von Sven Tritschler.
Weidels Sprecher Daniel Tapp weist die Kritik zurück. Es gehöre zu den Aufgaben einer Parteichefin, die AfD nach außen zu vertreten, auch in Nordrhein-Westfalen, erklärte er gegenüber t-online. Veranstalter sei zudem die europäische ESN-Fraktion gewesen und nicht der NRW-Landesverband.
Der Streit zwischen Vincentz und der Parteispitze begann nicht erst mit dem Auftritt in Leverkusen. Bereits im Sommer hatte der Bundesvorstand versucht, die Aufstellung der Landesliste für die Landtagswahl 2027 zu stoppen. Vincentz und seine Unterstützer wehrten sich dagegen juristisch und beantragten eine einstweilige Verfügung gegen den eigenen Bundesvorstand.
Der Landesverband ist seither tief gespalten. Weidel zeigte sich bereits mehrfach bei Veranstaltungen des gegnerischen Lagers, während ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla gemeinsam mit Vincentz auftrat.
Ob Vincentz tatsächlich keine Einladung erhalten hatte, konnte der WDR nach der Veranstaltung nicht abschließend klären. Vincentz beantwortete eine entsprechende Anfrage nicht.
NRW-Vize Christian Zaum, der ebenfalls durch den Abend führte, äußerte sich knapp: Vincentz sei bei jeder AfD-Veranstaltung in Nordrhein-Westfalen willkommen, unabhängig davon, ob er ausdrücklich eingeladen worden sei.
Nicht nur innerhalb der AfD sorgt Weidel für Diskussionen. Auch mit Aussagen über die deutsche Vergangenheit hatte sie Empörung ausgelöst; so behauptete sie, Adolf Hitler sei politisch links gewesen. Der Beitrag ordnet diese Aussage als falsch ein.