NRW HEUTEonline

Menschen. Themen. Perspektiven.

Panorama

Schauspielerin Katrin Sass wird 70: Anti-Diva der DDR mit Millionenpublikum

Die Schauspielerin Katrin Sass feiert ihren 70. Geburtstag. Sie gilt als prägende deutsche Schauspielerin, die in der DDR als eine Art Anti-Diva bekannt wurde. Filmexperte Knut Elstermann sieht in ihr eine Darstellerin, die immer wieder Frauen am Rand der Gesellschaft verkörpert hat. Mit dem „Usedom-Krimi“ erreicht sie bis heute Millionen Zuschauer.

MDR.de · 23.10.2026 · 03:00 Uhr

Artikelbild der Quelle zu: Anti-Diva der DDR: Schauspielerin Katrin Sass wird 70
Bild aus der Originalquelle

Die Schauspielerin Katrin Sass feiert ihren 70. Geburtstag und blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. Sie zählt zu den prägenden deutschen Schauspielerinnen. In DEFA-Filmen spielte sie Frauen am Rand der Gesellschaft, außerdem wirkte sie in „Good Bye, Lenin“ und der Serie „Weissensee“ mit. Heute begeistert sie im „Usedom-Krimi“ ein Millionenpublikum.

In der DDR wurde Sass mit ihren Frauenrollen als eine Art Anti-Diva bekannt. Filmexperte Knut Elstermann sagte MDR KULTUR, sie habe immer wieder Frauen am Rand der Gesellschaft verkörpert und sei nie eine klassische Diva gewesen. Dieses Image habe sie auch in andere Rollen übertragen. Das Publikum in der DDR habe sie nicht als glamouröse Diva, sondern als Frau von nebenan wahrgenommen.

Den Durchbruch erzielte Sass 1981 als alleinerziehende Mutter im DEFA-Film „Bürgschaft für ein Jahr“. Für ihre Darstellung wurde sie auf der Berlinale in West-Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Elstermann zufolge wirkt sie in dieser Rolle ungeschminkt und ungeschützt, eine Qualität, die sie bis in die Gegenwart bewahrt habe.

Zwei Jahre vor dem Durchbruch stand Sass mit 23 Jahren für ihr Filmdebüt „Bis daß der Tod euch scheidet“ erstmals vor der Kamera. Sie verkörperte darin eine Frau, die Opfer häuslicher Gewalt durch ihren Mann wird, so Elstermann.

Als Markenzeichen gilt ihre warme, tiefe Stimme, die Elstermann mit der von Romy Schneider vergleicht. Darin höre man auch das plattdeutsche Erbe ihrer Mutter, die als Schauspielerin in Schwerin noch in Mundart gespielt habe. Früh habe Sass erkannt, dass der Film und nicht das Theater ihre Heimat ist. Elstermann beschreibt ihre Spielweise als sehr reduziert; ihre ausdrucksstarke Mimik nutze sie auf der Leinwand gezielt.

Für ihre Rollen erhielt Sass unter anderem den Deutschen Filmpreis, den Bambi und die Goldene Henne für ihr Lebenswerk.

Ihr größter internationaler Erfolg war „Good Bye, Lenin“. Nach der Wiedervereinigung zählt die DDR-Satire zu ihren größten Erfolgen. Laut Elstermann wurde der Film auch dank Sass zum Klassiker. Er habe die Menschen berührt, nicht nur wegen seiner politischen Dimension, sondern auch wegen der tiefen Menschlichkeit ihres Spiels.

In der erfolgreichen Fernsehserie „Weissensee“ verkörpert Sass die Liedermacherin Dunja Hausmann. Als Kriminalhauptkommissarin Tanja Voigt in der TV-Reihe „Polizeiruf 110“ spielte sie sich ebenfalls in die Herzen gesamtdeutscher Zuschauer.

Wegen ihrer Alkoholsuchterkrankung, mit der sie offen umgeht, verliert sie einen Job. Die Erkrankung hat sie in einem Buch, ihren Memoiren, beschrieben, wie Elstermann sagte. Er sieht darin einen ermutigenden Umgang mit dieser Erkrankung.

Seit 2014 ist Sass im „Usedom-Krimi“ zu sehen, und zwar als ehemalige Staatsanwältin Karin Lossow. Elstermann zufolge zeigt sie in dieser Rolle ihre ganze Kraft. Die Krimi-Folgen sehen jedes Mal bis zu sechs Millionen Menschen.

Als Grund für ihre anhaltende Popularität nennt Elstermann, dass Sass nicht gekünstelt spiele, sondern mit zupackender Ehrlichkeit. Das spüren laut ihm die Menschen.

Bei MDR.de lesen ↗