NRW: Hochsaison der Einbrecher – Polizei rät zu Sicherung und Aufmerksamkeit
Im Dezember werden in Nordrhein-Westfalen laut Bericht die meisten Einbrüche und Einbruchsversuche gezählt. Polizeipräsidentin Miriam Brauns schildert die psychischen Folgen eines Einbruchs aus eigener Erfahrung. Die Polizei empfiehlt mechanische Sicherungen, Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft und im Mehrfamilienhaus sowie im Ernstfall den Notruf 110.

Der Dezember ist in Nordrhein-Westfalen der Monat mit den meisten Einbrüchen. Auch in den Wochen davor steigen die Fälle nach dem Bericht deutlich an. Mit der längeren Dunkelheit gehen die Zahlen jedes Jahr nach oben, die Hochsaison der Einbrecher hat begonnen.
Ein Einbruch bedeutet nicht nur einen materiellen Schaden, sondern kann auch psychische Folgen haben. Polizeipräsidentin Miriam Brauns berichtet von eigener Erfahrung: Als Einbrecher ihre Studentenwohnung durchwühlten, sei mehr als ein flaues Gefühl geblieben. An den Fußspuren habe sie gesehen, wo die Täter entlanggegangen seien und welche Schränke sie aufgesucht hätten. Das habe sie noch lange beschäftigt.
Im Dezember werden in NRW rund 4.000 Fälle von Einbrüchen und Einbruchsversuchen gezählt, das sind 129 Fälle pro Tag. Im Jahresdurchschnitt liegt die Zahl bei 75 Fällen pro Tag. Das Landeskriminalamt NRW verzeichnete 2025 insgesamt 27.530 Fälle. In fast jedem zweiten Fall blieb es bei einem Versuch der Einbrecher, Beute zu machen.
Für den Anstieg im Winter seien laut Sandra Reuter, Leiterin des Kriminalkommissariats 14 in Düsseldorf, neben regional agierenden Einbrechern hochprofessionelle, international arbeitende Banden verantwortlich. Diese stammten überwiegend aus Südosteuropa und reisten für die Einbrüche ein. Der Bericht nennt außerdem dunkle Wohnungen und dunkle Ecken, in denen Täter ungestört sind, als Faktor.
Die NRW-Polizei klärte 2025 knapp 3.300 Fälle auf, das entspricht rund 12 Prozent. Von den gut 3.000 Tatverdächtigen hat jeder zweite nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.
Nach Angaben des LKA NRW werden Computermodelle mit Daten gefüttert, die als „schwache KI“ Prognosen erstellen. Auf dieser Basis könne die Polizei gezielt Präsenz zeigen. Außerdem seien Zivilstreifen unterwegs.
Kriminalhauptkommissarin Melanie Dahmen bezeichnet den Tür-Querriegel bei einer Vorführung als „eierlegende Wollmilchsau“ bei der Sicherung von Türen. Die mechanische Sicherung sei von außen gut sichtbar und lasse den einen oder anderen Täter weiterziehen. Mieter sollten vor dem Einbau eines Querriegels den Eigentümer um Erlaubnis fragen.
Dahmen zufolge gehe es darum, Tätern im Vorfeld das zu nehmen, was ihnen fehlt: Zeit. Mechanische Sicherungen könnten dafür sorgen, dass Tür oder Fenster einen erheblichen Widerstand bieten. Zusätzlich lasse sich mit Licht Anwesenheit simulieren. Möglich seien außerdem elektronische Sicherungen, Videoüberwachung oder Alarmanlagen.
Dahmen hält es für erschreckend, in wie vielen Häusern noch sehr alte, schlecht gesicherte Fenster vorhanden sind. Bei einer Vorführung öffnet sie ein Demonstrationsfenster mit einfachen Rollzapfen in Sekundenschnelle mit einem Schraubendreher. Diese seien ähnlich wie ein Schlüssel unter der Fußmatte, eine Einladung, die einen Täter nicht lange aufhalte. Ein Fenster mit Pilzkopfzapfen bekomme sie selbst mit einer Brechstange nicht auf. An den Fenstern könnten solche Pilzkopfzapfen für deutlich mehr Sicherheit sorgen.
Senioren befürchten laut Bericht, dass der Rettungsdienst nicht mehr in eine gut gesicherte Wohnung gelangt. Dahmen verweist darauf, dass die Feuerwehr etwa mit Hydraulik-Spreizern über ganz andere Möglichkeiten verfüge. Sie wisse, dass sich viele Sorgen machen. Letztlich sei es die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er seine Wohnung gegen Einbruch schützen oder jemandem im Fall gesundheitlicher Probleme schnellen Zugang ermöglichen wolle.
Mechanischer Schutz und Alarmanlagen kosten Geld; mit fachgerechtem Einbau könnten dreistellige oder vierstellige Euro-Beträge anfallen. Nichts koste dagegen Achtsamkeit, das Aufeinander-Aufpassen und das Miteinander, so der einhellige Rat. Dazu gehöre mehr als das Leeren des Briefkastens eines verreisten Nachbarn.
In Mehrfamilienhäusern sollte darauf geachtet werden, wer ins Haus gelassen wird. Alle sollten die Gegensprechanlage nutzen, mit oder ohne Video, heißt es. Ein Türöffner müsse nicht betätigt werden, nur weil jemand klingelt; zu fragen sei etwa, ob es wirklich der Paketbote sei. Bewohner sollten außerdem darauf achten, ob die Person das Haus wieder verlässt.
Die Polizei rät, bei einem Einbrecher sofort die 110 zu wählen und nicht die Konfrontation zu suchen, auch wenn Einbrecher in der Regel nicht mit Messern oder Schusswaffen bewaffnet sind. Die Täter wollten schnell Beute machen und verschwinden. Man solle sie laufen lassen; die Polizei versuche, sie im Nachgang zu fassen.
Einbrecher seien meist nur wenige Minuten in der Wohnung und hätten es auf leicht transportierbare Wertsachen wie Schmuck, Gold und Geld abgesehen. Eine Beamtin aus Düsseldorf sprach von 7 bis 12 Minuten. Wer ein ungewöhnliches Geräusch höre, solle Licht machen und Krach verursachen.
Die NRW-Polizei empfiehlt das Internetportal https://www.k-einbruch.de. Es bietet Informationen zum Einbruchschutz, eine Suche nach Herstellern und Fachbetrieben sowie Hinweise für Opfer eines Einbruchs. Zudem wird das Opferschutzportal NRW genannt, das auf Beratungsstellen und Unterstützungsangebote hinweist.