Stuttgart: Thompson-Konzert in Porsche-Arena trotz Kritik geplant
Der kroatische Sänger Marko Perković, genannt Thompson, soll am 7. November 2026 in Stuttgart auftreten, obwohl ihm Faschismus vorgeworfen wird. Laut in.Stuttgart waren die 6.500 Karten für die Porsche-Arena in drei Stunden vergriffen. Die Linke im Gemeinderat protestiert, die Stadt verweist auf den Gleichheitsgrundsatz.

Der kroatische Sänger Marko Perković, der unter dem Namen Thompson auftritt, soll am 7. November 2026 in der Stuttgarter Porsche-Arena spielen. Das geschieht trotz der Faschismus-Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden. Nach Angaben der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart waren alle 6.500 Tickets innerhalb von drei Stunden verkauft.
Thompsons Konzerte ziehen große Menschenmengen an. 2025 stand er in der kroatischen Hauptstadt Zagreb auf der Bühne und rief "Za dom", worauf das Publikum mit "Spremni!" antwortete. Übersetzt bedeutet das "Für die Heimat bereit!". Die Grußformel gilt als Bezug auf die faschistische Ustascha-Bewegung, die mit Nazi-Deutschland verbündet war.
Auch in Deutschland hat der Sänger zahlreiche Anhänger. Die kroatische Online-Community "Hrvati Stuttgart" verbreitete die Ankündigung seiner Konzerte. Ihre Accounts kommen in den sozialen Medien auf rund 130.000 Follower. Entsprechend schnell waren die Karten ausverkauft.
Der Politikwissenschaftler Danijel Paric von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg beschreibt die kroatische Community und ihre Institutionen in Deutschland als sehr homogen und nationalistisch eingestellt. Für diese Gruppe sei Thompson ein Star, der Identität stifte.
Die politische Haltung des Sängers bewertet Paric als hochproblematisch. Seiner Aussage nach vertritt Thompson seit Jahrzehnten eine menschenverachtende, faschistische Einstellung, die im Zweiten Weltkrieg hunderttausende Menschenleben gekostet habe. Paric wirft ihm zudem vor, sich chiffriert antisemitisch zu äußern und in den 1990er- und 2000er-Jahren die Opfer des Ustascha-Konzentrationslagers Jasenovac in Kroatien verhöhnt zu haben. Die dahinterstehende rechtsextreme Ideologie ordnet er zwischen dem völkischen Flügel der AfD und der früheren NPD ein, die heute Die Heimat heißt.
Scharfe Kritik kommt von Johanna Tiarks, der Fraktionssprecherin der Linken im Stuttgarter Gemeinderat. In einem Online-Statement zeigte sie sich entsetzt darüber, dass die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart einem ultranationalistischen Sänger den Auftritt erlaube. Für die Verharmlosung des Faschismus und für völkische Propaganda sei in Stuttgart kein Platz.
Der Auftritt soll dennoch stattfinden. Die Stadt Stuttgart ist an in.Stuttgart beteiligt und äußerte sich auf Anfrage des SWR. Demnach ist die Porsche-Arena ein Veranstaltungsort in öffentlicher Hand. Nach dem Gleichheitsgrundsatz müsse die Anmietung jedem möglich sein, solange die geplante Veranstaltung nicht grundsätzlich gegen geltendes Recht verstoße.
Im Fall Thompson sei weder mit Rechtsverstößen noch mit Straftaten bei der Veranstaltung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen, erklärte die Stadt. Man sei für den Fall dennoch sensibilisiert und distanziere sich in jeder Form von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung.
Medienberichten zufolge wurden Thompson in Österreich und der Schweiz bereits Auftritte untersagt. In Österreich ist die Symbolik der Ustascha-Bewegung seit 2015 gesetzlich verboten.