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Razzia gegen mutmaßliches Fälschernetzwerk für Sprachzertifikate

Polizei und Staatsanwaltschaft Aschaffenburg sind am Mittwoch, 21. Oktober, mit einer großangelegten Durchsuchungs- und Festnahmeaktion gegen eine mutmaßliche Gruppierung vorgegangen, die illegal Sprachzertifikate beschafft und vertrieben haben soll. Sieben Tatverdächtige wurden festgenommen, mehrere befinden sich in Untersuchungshaft.

in-und-um-schweinfurt.de · 23.10.2026 · 18:46 Uhr

Großrazzia gegen Fälschernetzwerk: Sieben Tatverdächtige in Untersuchungshaft
Bild aus der Originalquelle

Am Mittwoch, 21. Oktober, haben Einsatzkräfte im Rahmen einer großangelegten Durchsuchungs- und Festnahmeaktion mehr als 30 Objekte durchsucht, überwiegend in Nordrhein-Westfalen und im Raum München. Sieben Tatverdächtige wurden festgenommen, mehrere von ihnen befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft. Die Maßnahmen richten sich gegen eine mutmaßliche Gruppierung, die illegal Sprachzertifikate beschafft und vertrieben haben soll.

Die Polizeiinspektion Aschaffenburg und die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg ermitteln seit 2025 gegen die Gruppierung. Im Mittelpunkt stehen der Verdacht der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern, der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weitere mögliche Straftaten. Die Ermittlungen betreffen Fälle in ganz Deutschland und Österreich.

Die Ermittlungen begannen bei Personen, die gefälschte Sprachzertifikate genutzt haben sollen. Im weiteren Verlauf ergaben sich Hinweise auf mutmaßliche Hersteller und Vertreiber der Dokumente sowie auf die Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppierung.

Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die Tatverdächtigen Personen im dreistelligen Bereich mit illegal beschafften Sprachzertifikaten versorgt und sich dadurch bereichert haben. Insgesamt richtet sich der Verdacht gegen eine mittlere zweistellige Zahl von Personen. Die Zertifikate sollen unter anderem bei Einbürgerungsverfahren und Anträgen auf Niederlassungserlaubnisse eingesetzt worden sein.

Zunächst seien vor allem vollständig gefälschte Sprachzertifikate bei den Ausländerbehörden vorgelegt worden. Nachdem die Behörden verstärkt auf mögliche Fälschungen geachtet hätten, seien vermehrt Fälle aufgefallen, in denen sogenannte Stellvertreter die Sprachprüfungen anstelle der Antragsteller abgelegt haben sollen. Dabei seien teilweise gefälschte Ausweisdokumente verwendet worden.

Bereits am 2. Juli hatten Ermittler in Nordrhein-Westfalen elf Objekte vor allem im Raum Köln durchsucht und dabei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, darunter Datenträger, gefälschte Ausweise, Sprachzertifikate und Einbürgerungsurkunden. Damals wurden zwei Tatverdächtige, eine 24-jährige Afghanin und ein 35-jähriger Iraker, vorläufig festgenommen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg ordnete eine Ermittlungsrichterin am Folgetag Untersuchungshaft wegen des dringenden Tatverdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte an. Die Haftbefehle wurden später unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

An der Durchsuchungs- und Festnahmeaktion am 21. Oktober waren mehr als 350 Polizeikräfte beteiligt. Sie kamen aus Unterfranken, Mittelfranken, München und Nordrhein-Westfalen sowie von der Bundespolizei. Auch Kräfte des österreichischen Bundeskriminalamts und zwei Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg waren im Einsatz.

Die Ermittler vollstreckten sieben bestehende Haftbefehle und sicherten umfangreiche Beweismittel. Nach Polizeiangaben war besonders bedeutsam die Entdeckung einer professionellen Fälscherwerkstatt mit mehreren hochwertigen Druckern zur Herstellung gefälschter Dokumente und Ausweise.

Bei einem Tatverdächtigen stellten die Einsatzkräfte eine scharfe Schusswaffe sicher. Beschlagnahmt wurde außerdem Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich. Hinzu kamen kleinere Mengen abgepackter Betäubungsmittel, die mutmaßlich zum Verkauf bestimmt waren. Die Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit Europol und dessen Koordinierungsstelle zur Bekämpfung schwerer und international organisierter Kriminalität.

Die sieben festgenommenen Tatverdächtigen sind zwischen 26 und 46 Jahre alt. Nach Abschluss der Maßnahmen wurden einige von ihnen nach Aschaffenburg gebracht. Die übrigen wurden am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen beziehungsweise Aschaffenburg Ermittlungsrichterinnen vorgeführt.

Dabei wurden die bestehenden Haftbefehle wegen des dringenden Tatverdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte eröffnet. Die Tatverdächtigen besitzen die deutsche, syrische, irakische, jordanische oder rumänische Staatsangehörigkeit. Sie befinden sich derzeit in Haft. In einem Fall wurde der Haftbefehl unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an.

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