Eis-Winter in NRW? Meteorologin nennt El Niño als möglichen Einflussfaktor
Über der Arktis baut sich der Polarwirbel auf. Laut Meteorologin Verena Leyendecker von Wetteronline.de könnte El Niño dieses Windsystem schwächen oder stören und so Kälte nach Europa bringen. Der Zusammenhang sei jedoch keineswegs eindeutig, und eine zuverlässige Vorhersage für den gesamten Winter gebe es nicht.

Gegen Ende Oktober baut sich über der Arktis der sogenannte Polarwirbel auf, ein gigantisches Windsystem, das sich über Wochen entwickelt. Je nachdem, wie es sich entwickelt, kann es auch Auswirkungen auf das Winterwetter in NRW haben.
Verena Leyendecker, Diplom-Meteorologin bei Wetteronline.de, erklärt, dass ein aufgelockerter Polarwirbel für Kälte in Europa sorgen könnte. Dabei spiele auch das Wetterphänomen El Niño eine Rolle, das sie als ungewöhnliche Erwärmung des Meerwassers im tropischen Pazifik beschreibt. Diese könne auch das Wetter in anderen Regionen beeinflussen.
Ist der Polarwirbel stark ausgeprägt, bleibe sehr kalte Luft laut Leyendecker häufig eher in den Polarregionen eingeschlossen. El Niño könne jedoch dafür sorgen, dass das Windsystem geschwächt oder gestört wird. Erwärme sich dabei die Luft in großer Höhe über der Arktis, könne sich das auch auf die tieferen Luftschichten auswirken, etwa indem die gewohnten Westwinde über Europa abgeschwächt werden.
Dadurch könnte unter Umständen der Weg für mildere Luft vom Atlantik blockiert werden, sodass kalte Luft aus nördlichen und östlichen Regionen leichter nach Europa gelangen könnte. Das bedeute aber nicht, dass plötzlich Polarluft, Schnee und Eiseskälte herrschen. Unter bestimmten Bedingungen erhöhe sich jedoch die Wahrscheinlichkeit für winterliche Wetterphasen mit Frost und Schnee.
Leyendecker betont, dass dieser Zusammenhang keineswegs eindeutig sei. Noch sei nicht vorherzusagen, wie sich der Polarwirbel in diesem Winter entwickle und ob El Niño ihn schwäche. Selbst dann führe das Phänomen nicht automatisch zu einem kalten Winter in Deutschland. Entscheidend sei vor allem, wo sich Hoch- und Tiefdruckgebiete tatsächlich positionieren.
Eine zuverlässige Vorhersage für den gesamten Winter gebe es nicht. Auf der Website von Wetteronline heißt es zudem, die Zusammenhänge zwischen El Niño und dem Winterverlauf in Mitteleuropa könnten rein zufällig sein, da die wetterstatistischen Belege dafür zu dünn seien.
Derzeit ist somit nur klar, dass sich der Polarwirbel langsam aufzubauen beginnt. Meteorologinnen und Meteorologen wollen seine Auswirkungen auf Europa genau beobachten.