Sturm „Luise“ mit Verletzten und Bahnstörungen – Orkantief „Manja“ folgt
Sturmtief „Luise“ hat am Freitag vor allem im Westen und Südwesten Menschen verletzt und den Bahnverkehr behindert. In Nastätten wurden nach Polizeiangaben zwei Menschen schwer verletzt. Für Sonntag kündigt sich mit dem Orkantief „Manja“ der nächste Sturm an, besonders betroffen dürften die Nordseeküste und die Inseln sein.

Auf den ersten kräftigen Herbststurm des Jahres folgt in Deutschland ein weiterer stürmischer Tag. Das Sturmtief „Luise“, international „Austen“ genannt, hat am Freitag vor allem im Westen und Südwesten Menschen verletzt und den Bahnverkehr stark beeinträchtigt. Für Sonntag ist mit dem Orkantief „Manja“ der nächste Sturm angekündigt; betroffen dürften vor allem die Nordseeküste und die Inseln sein.
In Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz warf eine Böe am Freitagnachmittag ein Gestell um, in der Nähe fand ein Oktobermarkt statt. Nach Angaben der Polizei wurden in Nastätten zwei Menschen schwer verletzt. Einer von ihnen schwebte in Lebensgefahr und wurde mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht.
In Seligenstadt im Kreis Offenbach traf ein abgerissener Ast einen Radfahrer, den die Feuerwehr befreien musste. Im saarländischen Lebach wurde ein Fußgänger durch ein Werbeschild leicht verletzt.
Auf der Schiene kam es zu zahlreichen Störungen. Am Karlsruher Hauptbahnhof flog ein Gegenstand in die Oberleitung; Reisende berichteten von einem massiven Funkenschlag. Bei Pforzheim prallte eine Regionalbahn mit Hunderten Fahrgästen an Bord gegen einen Ast und blieb auf der Strecke stehen.
Bei Aachen blieb ein ICE mit 280 Fahrgästen nach einem Oberleitungsschaden liegen. Eine Diesellok schleppte ihn zum Bahnhof Stolberg. Auch bei Neuss und in Stuttgart blockierten umgestürzte Bäume die Gleise. Im Saarland rückte die Polizei bis zum Abend zu 59 sturmbedingten Einsätzen aus. Der Europa-Park in Rust schloss vorübergehend seine großen Achterbahnen im Freien.
In Duisburg brachten Sturmböen im gesamten Stadtgebiet Bäume zum Sturz. Einer stürzte auf einen Kiosk, an weiteren Stellen fielen Bäume in Stromleitungen, wie die Feuerwehr mitteilte. Bäume und Äste mussten von Straßen entfernt werden. Eine Autofahrerin fuhr nach Angaben der Behörden in einen umgestürzten Baum. Nach bisherigen Erkenntnissen gab es keine Verletzten. Die Feuerwehr zählte rund 40 Sturmschäden-Einsätze.
Auch in Remscheid beseitigte die Feuerwehr nach eigenen Angaben abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume. An der A1 stürzte ein größerer Baum gegen eine Lärmschutzwand. Die Autobahn wurde in Fahrtrichtung Köln zeitweise gesperrt.
Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net sagte der „Bild“, das Problem sei der Zeitpunkt. Die Bäume trügen noch viel Laub, das wie ein Segel wirke, und der Boden sei durch den Regen aufgeweicht. Deshalb seien umstürzende Bäume und abbrechende Äste schon bei Böen möglich, die im Winter kaum Schäden anrichten würden.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zieht „Luise“ im Laufe des Samstags Richtung Ostsee und Dänemark ab. Tagsüber lässt der Wind vorübergehend nach, an der Küste sind aber weiter Sturmböen möglich. Ab dem Abend zieht von Westen „Manja“ heran. In der Nacht zum Sonntag drohen kräftiger Regen und stark auffrischender Südwestwind; bis Sonntagvormittag kann regional Regen in „unwetterartigen Mengen“ fallen.
Nach DWD-Angaben wird der Sonntag außer im Südosten ein windiger bis stürmischer Tag. An der Nordsee sind Böen bis 100 Kilometer pro Stunde und einzelne Orkanböen möglich, ebenso am Feldberg im Schwarzwald. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erwartet von Sonntag bis Montag deutlich erhöhte Wasserstände.
In Hamburg könnte eine Sturmflut auflaufen, dann würde der tiefer gelegene Teil des Fischmarkts überflutet. Wyk auf der Insel Föhr hat den Deichdurchlass am Hafen geschlossen.
DWD-Meteorologe Robert Hausen sagte zum Sturmtief „Manja“, es bringe vorrangig den Küstenregionen, dem Nordwesten sowie dem Bergland teils schweren Sturm. Zwischen Berlin und München passiere dagegen in ausreichender Entfernung zum Tiefkern windtechnisch nichts Dramatisches.
Für Urlauber gibt es zum Ende der Herbstferien in Niedersachsen Probleme. Die Schnellfähren nach Helgoland fahren am Wochenende nicht, die Halligen werden am Sonntag und Montag nicht angesteuert.
Köln und Aachen raten, Wälder, Parks, Friedhöfe und Alleen zu meiden. In Erfurt bleiben die Friedhöfe das ganze Wochenende geschlossen. Am Montag soll sich das Wetter beruhigen.