Derby in Köln: 2:1 gegen Gladbach, Unterbrechung nach Fanausschreitungen
Der 1. FC Köln hat das rheinische Derby gegen Borussia Mönchengladbach am Sonntag 2:1 (1:1) gewonnen. Gladbach unter dem neuen Trainer Alexander Blessin bleibt nach fünf Spielen ohne Punkt Tabellenletzter. In der zweiten Halbzeit wurde die Partie wegen Ausschreitungen von Gladbacher Fans kurz unterbrochen.

Der 1. FC Köln hat das rheinische Derby gegen Borussia Mönchengladbach am Sonntag mit 2:1 (1:1) für sich entschieden. Mit nun sieben Punkten schoben sich die Kölner auf Platz zehn der Bundesliga-Tabelle. Gladbach ist nach dem fünften Saisonspiel weiterhin ohne Punktgewinn und steht am Tabellenende. Für den neuen Gladbacher Trainer Alexander Blessin, der vor der Länderspielpause Eugen Polanski abgelöst hatte, war es das erste Bundesliga-Spiel auf der Bank.
Die Tore erzielten Ísak Jóhannesson (26. Minute) per Volleyschuss für Köln und Joe Scally (39.) per Kopf für Gladbach. Das Siegtor schoss Said El Mala in der 67. Minute. Unter Blessin trat Gladbach zunächst defensiv stabiler auf, nachdem die Mannschaft in den ersten vier Saisonspielen bereits 16 Gegentore kassiert hatte. Im weiteren Verlauf geriet sie aber zunehmend unter Druck. Köln erspielte sich mehr klare Chancen und verdiente sich den Sieg vor allem nach der Pause.
In der zweiten Halbzeit sorgten Gladbacher Fans für eine kurze Unterbrechung. Sie warfen Böller, schossen Leuchtraketen in benachbarte Blöcke und prügelten sich mit Kölnern im angrenzenden Heimblock. Nach dem Tor von El Mala setzte sich das fort: Zudem schlugen Gladbacher Anhänger eine Plexiglasscheibe ein, die den Gästeblock von den Kölner Fans trennen sollte. Sie gingen mit Gürteln und Fäusten auf einige Kölner los. Erst nach einigen Minuten kamen Polizisten ins Stadion und trennten die Lager. Schiedsrichter Jöllenbeck unterbrach die Partie kurz, danach ging sie weiter. Laut Polizei wurden bei den Ausschreitungen ein Fan und eine Ordnerin verletzt.
Das Derby war der erste große Härtetest für ein neues Sicherheitskonzept in Nordrhein-Westfalen. Im Juli hatten NRW-Innenminister Herbert Reul und die Profivereine die sogenannten „Stadionallianzen NRW“ vereinbart. Danach soll sich die Polizei im Stadion komplett und im direkten Umfeld weitgehend zurückziehen.
Kölns Trainer René Wagner veränderte seine Startelf nach dem 1:2 beim Hamburger SV auf mehreren Positionen. Die Mittelstürmer Thijs Dallinga und Ragnar Ache hatten sich im Test bei Viktoria Köln verletzt, daher begann unter anderem Marius Bülter im Sturmzentrum. Bei Gladbach, das zuletzt mit 3:4 gegen den FSV Mainz 05 verloren hatte, fehlten Blessin die angeschlagenen Ko Itakura, Franck Honorat und Tim Kleindienst. Auch Kölns Maskottchen Hennes IX. war nicht am Spielfeldrand: Der Geißbock musste wegen eines Vogelgrippe-Virus im Kölner Zoo in Quarantäne bleiben.
Der Anpfiff verzögerte sich leicht, weil in beiden Fanlagern Pyrotechnik gezündet worden war. Gladbach begann mutiger: Hack schoss schon nach einer Minute aus dem Rückraum, Kölns Torhüter Marvin Schwäbe hatte damit keine Mühe. Einen wuchtigen, aber zu zentralen Freistoß von Philipp Sander aus 20 Metern (7.) wehrte Schwäbe mit den Fäusten ab. Die erste nennenswerte Kölner Möglichkeit war gleich gefährlich: Sosa schickte El Mala (16.) auf der linken Seite in die Tiefe, doch dessen Schlenzer auf das lange Eck ging am Pfosten vorbei.
Köln ging nach einer Standardsituation in Führung. Einen Freistoß von Sosa von der rechten Seite klärte Gladbachs Lidberg per Kopf genau vor den linken Fuß von Jóhannesson. Der nahm den Ball an der Strafraumkante direkt ab und traf oben links in den Winkel.
Gladbach bemühte sich um eine Antwort, spielte im Angriffsdrittel aber oft zu unsauber und berechenbar. Der Ausgleich fiel, als die nun tiefer stehenden Kölner nicht konsequent verteidigten. Schwäbe parierte zunächst einen Kopfball von Sander, dann wechselte eine Gladbacher Flanke vom rechten auf den linken Flügel, und schließlich gelangte der Ball per Flanke von Ullrich wieder in den Kölner Strafraum. Jahmai Simpson-Pussey verlängerte die Hereingabe am ersten Pfosten unglücklich mit dem Kopf, sodass Scally aus kurzer Distanz einköpfen konnte.
Linton Maina (42.) hatte kurz darauf die Chance zur erneuten Kölner Führung, scheiterte mit einem Flachschuss aus spitzem Winkel aber an Gladbachs Torwart Moritz Nicolas, der die Beine zusammenbekam. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit musste Kölns Ellyes Skhiri nach einem Zusammenprall mit Neuhaus auf einer Trage vom Platz gebracht werden. Für ihn kam Krauß.
Nach der Pause kam Köln schwungvoll aus der Kabine. El Malas Schuss aus 18 Metern (50.) flog über das Tor, einen Kopfball von Simpson-Pussey (52.) klärte Gladbachs Jan Leszczynski kurz vor der Linie. Nach einem zu kurzen Rückpass von Gladbachs Hasioka lief El Mala (57.) auf Nicolas zu. Statt zum mitgelaufenen Bülter querzulegen, schloss er selbst ab und wurde im letzten Moment von Leszczynski geblockt.
Beim nächsten Versuch traf El Mala. Maina eroberte im Mittelfeld den Ball und leitete ihn nach links zu dem 20-Jährigen weiter, der nach innen zog und aus knapp 20 Metern ins lange Eck schlenzte. Kurz darauf (73.) verfehlte er mit einem Schuss von der Strafraumkante das linke obere Eck nur knapp und verpasste so einen Doppelpack.
El Mala, der in der Länderspielpause sein Debüt für Deutschland gegeben hatte, sagte nach dem Spiel, er werde diesen Tag nicht vergessen. Die Mannschaft sei auf das Spiel „gebrannt“, und der Sieg fühle sich sehr gut an. Dass er das entscheidende Tor geschossen habe, freue ihn umso mehr. Zugleich stärkte er Trainer Wagner den Rücken: Dieser und das gesamte Team hätten die Mannschaft super eingestellt.
Gladbach hatte erst zu Beginn der Schlussphase wieder eine gute Ausgleichschance. Nach einem Konter kam der Ball in den Rückraum zu Bolin (83.), dessen präzisen Abschluss Schwäbe aus dem oberen rechten Eck kratzte. In den letzten Minuten warf die Borussia alles nach vorne. Ein Schuss von Zento Uno aus 15 Metern (88.), den Krauß blockte, wurde noch einmal gefährlich für Köln. Danach ließen die Gastgeber nichts mehr anbrennen. Der eingewechselte Luca Waldschmidt (90.+6) verpasste nach einem Konter mit einem Flachschuss knapp das 3:1.
Köln spielt bereits am Freitag um 20.30 Uhr bei Eintracht Frankfurt. Borussia Mönchengladbach empfängt am Sonntag um 17.30 Uhr die TSG Hoffenheim.