Bochum: Hüpfverbot in der Ostkurve beim Spiel gegen Bielefeld erstmals in Kraft
Beim Heimspiel des VfL Bochum gegen Arminia Bielefeld galt im Ruhrstadion erstmals das Verbot für gemeinsames rhythmisches Hüpfen in der Ostkurve. Viele Fans äußern Unverständnis und fordern mehr Transparenz. Verstöße blieben ohne Folgen über Durchsagen hinaus.

Im Ruhrstadion in Bochum hat am Sonntag erstmals das neue Hüpfverbot in der Ostkurve gegolten. Viele Anhänger des VfL Bochum reagieren darauf mit Unverständnis und verlangen mehr Transparenz. Das Spiel gegen Arminia Bielefeld begann um 13 Uhr bei kühlem, sonnigem Wetter. Bielefeld gewann durch ein Tor von Benjamin Boakye in der 78. Minute mit 1:0.
Der VfL Bochum und die Bochumer Stadiongesellschaft hatten das Verbot erst wenige Tage vor der Partie bekanntgegeben. Grundlage ist ein Gutachten des Bochumer Bauordnungsamts zur Osttribüne. Nach Angaben des Vereins kann gemeinsames rhythmisches Hüpfen dort einen sogenannten Trampolineffekt auslösen. Die entstehenden Schwingungen könnten bei Fans Unwohlsein hervorrufen. Die Tragfähigkeit der Tribüne sei jedoch nicht gefährdet.
Auf Basis des Gutachtens ordnete das Bauordnungsamt das Verbot an. Der Verein muss es nun umsetzen und kontrollieren, bei diesem Spiel zum ersten Mal. Untersagt ist das choreografierte gemeinsame Hüpfen in der Kurve. Beim Torjubel darf weiterhin gesprungen werden, solange es nicht rhythmisch geschieht.
Auf dem Weg zum Stadion auf der Castroper Straße war das Verbot bei vielen Fans Gesprächsthema. Fan Thorsten, der in der Kurve stehen wollte, hält wenig davon. Er verweist darauf, dass sich die Bedingungen im Stadion in den vergangenen 40 Jahren nicht verändert hätten. Das Phänomen hätte sich seiner Ansicht nach schon früher zeigen müssen. Von Massenübelkeit nach Heimspielen des VfL habe er noch nie gehört. Lea und Lina, die ebenfalls Stehplätze in der Ostkurve hatten, springen nach eigenen Angaben normalerweise mit, wenn die Choreografie es verlangt. Sie rechneten nicht damit, dass sich die Fans an diesem Tag an das Verbot halten.
Der Verein wies auf die Regel mehrfach hin: mit Plakaten auf dem Weg in die Kurve, mit wiederkehrenden Texttafeln auf den Bildschirmen im Stadion und kurz vor dem Anpfiff mit einer Durchsage des Stadionsprechers. Auch in der Kurve selbst wurde das Thema aufgegriffen. Ein Vorsänger sagte vor dem Spiel, von der Kurve aus werde es an diesem Tag kein koordiniertes Hüpfen geben. Klar sei aber auch, dass mehr Transparenz nötig sei.
Ähnliches hatten zuvor die Bochumer Ultras in einer Stellungnahme gefordert. Sie nannten das Verbot "dämlich" und erklärten, die Entscheidung lasse sie "fassungslos" zurück. Zugleich betonten sie, dass nicht der Verein die Maßnahme beschlossen habe, sondern die Bochumer Bauaufsicht sie angeordnet habe. Kritisiert wird vor allem die fehlende Klarheit: Unklar sei, ab wie vielen Personen Hüpfen als kollektiv gelte und wer entscheide, wann gegen das Verbot verstoßen werde. Die Ultras verlangen mehr Transparenz zu den Hintergründen der Entscheidung und zu den Messwerten aus dem Gutachten.
Im Bochumer Block wurde während des Spiels vereinzelt gesprungen, ein koordiniertes Hüpfen blieb aus. Auf den Anzeigetafeln erschien mehrfach eine Erinnerung an das Verbot. Noch häufiger wurden jedoch die Gästefans aus Bielefeld aufgefordert, auf das Abbrennen von Pyrotechnik zu verzichten. Gehüpft wurde vor allem auf der gegenüberliegenden Westtribüne, besonders nach dem 0:1 durch Boakye.
Welche Folgen Verstöße haben könnten, hatte der Verein vorab erläutert. Zunächst würde eine Stadiondurchsage erfolgen. Wenn danach weiter kollektiv gehüpft wird, sollen die Mannschaften vorübergehend in die Kabinen geschickt werden. Im äußersten Fall drohe ein Spielabbruch. Dazu kam es am Sonntag nicht; über Durchsagen und Hinweise hinaus gab es keine Maßnahmen.
Nach dem Schlusspfiff verließen laut dem WDR-Bericht die meisten Fans enttäuscht das Stadion. Die gedrückte Stimmung dürfte demnach eher am Spielergebnis gelegen haben als am Hüpfverbot in der Ostkurve.