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Münster: Künstler streiken vor Aufführung der „Schwäne“ im Theater

Beim Theaterabend, zu dem Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs geladen hatte, haben Tänzerinnen, Tänzer und weitere Künstler vor dem Stück „Die Schwäne“ kurz gestreikt. Sie protestierten gegen Tarifverträge, die ihrer Ansicht nach willkürliche Entlassungen erlauben, und gegen Vertragsabläufe unter dem neuen Intendanten. Fuchs und die Streikenden sind sich einig: Die Tarifverträge müssen bundesweit geändert werden.

tagesschau · 12.10.2026 · 01:35 Uhr

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Der Abend im Theater Münster sollte eigentlich die neue Spielzeit eröffnen. Oberbürgermeister Tilman Fuchs (Die Grünen) hatte dazu eingeladen, gezeigt werden sollte die letzte Aufführung des Stücks „Die Schwäne“. Zunächst aber standen Künstlerinnen und Künstler in pinken Warnwesten auf der Bühne, einige mit Transparenten oder Plakaten, eine Person sogar mit einem Kleinkind.

Christian Bo Salle wandte sich an das Publikum. Er räumte ein, dass sich manche Gäste einen Abend ohne Arbeitskampf gewünscht hätten, und versicherte, den Künstlern gehe es ebenso. Sie hätten den Streik aber zugesagt, und diese Zusage wiege schwerer als ihr Zögern. Der Ausstand richte sich weder gegen die Zuschauer noch gegen das Theater Münster, sondern gegen die Arbeitgeberverbände und Träger in ganz Deutschland. Deren Tarifvertrag ermögliche aus Sicht der Streikenden willkürliche Entlassungen und unfaire Arbeitsbedingungen.

Die Tänzerin Nadja Simchen schilderte anschließend die Lage am Theater Münster. Mit Neil Barry Moss kommt demnach ein neuer Intendant ans Haus. Er plane, einen großen Teil der Belegschaft nicht weiter zu beschäftigen, die Verträge liefen einfach aus. Nach den Angaben der Streikenden verlieren 67 Prozent der Sänger, 92 Prozent der Tänzer und das gesamte Ensemble des Jungen Theaters ihre Stelle.

Beide Sprecher erzählten von einzelnen Schicksalen: Ein Kollege sei erst kurz zuvor Vater geworden, eine Kollegin stehe kurz vor der Rente, und eine Mutter habe ihr Kind gerade erst in Münster in der Kita angemeldet. Das Problem bestehe zwar bundesweit, sagten die Streikenden. Die Stadt Münster habe aber Möglichkeiten gegenzusteuern und nutze sie nicht.

Der Streik dauerte einige Minuten und endete mit lautem Applaus. Danach trat Oberbürgermeister Fuchs auf die Bühne, sodass er seine Rede anders beginnen musste als geplant. Er sagte, die Künstler hätten auf ein Problem aufmerksam gemacht, das eine Aufgabe für die gesamte Theaterlandschaft in Deutschland sei und damit auch für Münster.

Ausführlicher äußerte sich Fuchs erst nach der Aufführung. In Münster sei eine bundesweit übliche Praxis umgesetzt worden. Man könne darüber diskutieren, das Problem müsse aber auf Bundesebene gelöst werden. Die Situation sei für die Künstlerinnen und Künstler belastend, weil Arbeitsverhältnisse enden, sagte Fuchs. Es handle sich aber um eine Praxis, die deutschlandweit angewendet werde.

In einem Punkt stimmen Streikende und Oberbürgermeister überein: Die Tarifverträge sollen bundesweit angepasst werden, damit ein Wechsel der Intendanz künftig nicht mit zahlreichen Kündigungen einhergeht.

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