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Mülheim an der Ruhr ernennt Helge Schneider zum Ehrenbürger

Die Stadt Mülheim an der Ruhr hat den Musiker und Komiker Helge Schneider am Sonntagabend im Festsaal der Stadthalle zum Ehrenbürger ernannt. Rund 100 geladene Gäste waren dabei. Oberbürgermeister Marc Buchholz nannte Schneider einen künstlerischen Botschafter der Stadt. Der Geehrte wirkte gerührt und machte aus seiner Dankesrede einen kleinen Auftritt.

tagesschau · 12.10.2026 · 00:47 Uhr

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Mit Tränen in den Augen hat Helge Schneider am Sonntagabend die Würdigung seines Lebenswerks verfolgt: Die Stadt Mülheim an der Ruhr ernannte den Musiker und Komiker zum Ehrenbürger. Mehrmals wischte er sich unter der Brille die Tränen weg. Im Festsaal der Stadthalle waren rund 100 geladene Gäste versammelt, darunter Vertreter der Politik sowie Freunde und Familie.

Oberbürgermeister Marc Buchholz bezeichnete Schneider als künstlerischen Botschafter seiner Heimatstadt. Seit Jahrzehnten präsentiere er Mülheim auf eine Weise, wie es nach Buchholz' Worten kein Stadtmarketing-Konzept besser könne.

Für den ersten großen Lacher des Abends sorgte Laudator Prof. Dr. Rainer Stollmann. Der Kulturwissenschaftler und Lachforscher verriet erst nach dem Einstieg in seine Rede, dass dieser von ChatGPT geschrieben worden war. Danach hielt er seine eigene Würdigung. Komik und Musik Schneiders hätten eine gemeinsame Basis, nämlich die Improvisation, sagte Stollmann. Schneider improvisiere mit Tönen auf verschiedenen Instrumenten, mit Gedanken und Sprache sowie mit dem Körper, etwa bei grotesken Tänzen. Für das Unvorhersehbare seien Gelassenheit, Fantasie und Reaktionsvermögen nötig.

Gerade die Gelassenheit bewundert auch der Pianist und Klassik-Influencer Louis Philippson, der den Festakt am Flügel musikalisch begleitete. Von Schneider könne man vor allem lernen, sich selbst nicht ständig zu ernst zu nehmen. Auf der Bühne dürfe man Spaß haben und seine Liebe zur Kunst zeigen.

Der Musiker Angelo Kelly reiste eigens aus Irland zur Ehrung an. Er und Schneider sind seit fünf Jahren befreundet, inzwischen springt Kelly gelegentlich als Schlagzeuger bei Schneider ein. Hinter dessen Spontaneität steckt nach Kellys Einschätzung mehr: Sie erfordere sehr viel Können und sehr viel Mut.

In seiner Dankesrede erinnerte sich Schneider an Tanzveranstaltungen in der Stadthalle und an Zigaretten, die er früher auf dem Holzboden ausgetreten habe. Er schweifte ab, fragte nach dem Essen und beschäftigte sich mit Mülheimer Postleitzahlen. So wurde aus der Rede ein kleiner Auftritt.

Es gab aber auch ernstere Töne. Es sei ein Privileg, in der Stadt bleiben zu können, in der man geboren wurde, sagte Schneider. Er wohne seit über 71 Jahren in Mülheim. Für ihn bedeute das Heimat, und das sei heutzutage ein Privileg, denn viele Menschen hätten keine Heimat.

Helge Schneider kam am 30. August 1955 in Mülheim zur Welt. Schon als kleiner Junge begann er, Klavier zu spielen, später kamen das Cello und zahlreiche weitere Instrumente hinzu. Schule, Berufsausbildungen und ein kurzes Klavierstudium brach er ab. Geblieben sind Musik und Humor. Seit den 1970er-Jahren tritt er als Musiker auf. 1992 gelang ihm mit dem Album „Guten Tach!“ der kommerzielle Durchbruch, und 1994 machte ihn sein Auftritt mit „Katzeklo“ bei „Wetten, dass..?“ einem Millionenpublikum bekannt.

Seine Themen findet Schneider oft im Alltag, etwa Käsebrot, Möhrchen oder ein Katzenklo. Auch vermeintlich kleine Dinge rückt er in den Mittelpunkt seiner Kunst. Daneben entstanden Bücher, Theaterstücke und eigene Filme wie „Texas“, „00 Schneider“ und „Jazzclub“. Demnächst möchte er sich wieder einem Kinofilm widmen. Dass viele Menschen ihn vor allem mit humorvollen Stücken wie „Katzeklo“ verbinden, stört ihn nach eigenen Worten nicht. Wichtig sei ihm, dass ihm die Arbeit Spaß mache. Gerade in letzter Zeit merke er, dass die Leute diesen Humor mehr brauchten denn je.

Mit der Ehrenbürgerschaft erhält Schneider die höchste persönliche Auszeichnung der Stadt Mülheim. Er reiht sich damit neben Otto von Bismarck, August Thyssen und den Chemie-Nobelpreisträger Karl Ziegler ein. „Mehr will ich gar nicht erreichen“, sagte Schneider.

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