Essen: Fünf-Zentner-Blindgänger im Nordviertel entschärft
In Essen ist am Donnerstagvormittag ein Weltkriegsblindgänger mit rund fünf Zentnern entschärft worden. Der Zünder musste kontrolliert gesprengt werden. Rund 1.050 Menschen hatten zuvor ihre Wohnungen verlassen müssen. Uni, Agentur für Arbeit und Möbelhäuser blieben zunächst geschlossen.

Ein Blindgänger mit einem Gewicht von fünf Zentnern ist am Donnerstag in Essen erfolgreich entschärft worden. Wie zuvor angekündigt, musste der Zünder der Bombe kontrolliert gesprengt werden. Kurz nach 11 Uhr war im Essener Nordviertel ein lauter Knall zu hören. Nachbarn berichteten zudem von einer leichten Druckwelle. Wenige Minuten später teilte die Stadt Essen mit, die Bombe sei erfolgreich entschärft worden.
Die Entschärfung bildete den Abschluss einer ungewöhnlich langen Vorbereitung. Der Blindgänger war bereits am Dienstagabend bei Sondierungsarbeiten an der Segerothstraße entdeckt worden. Üblicherweise werden Bomben so schnell wie möglich entschärft. Das war nach Angaben der Stadt Essen diesmal wegen des großen organisatorischen und logistischen Aufwands für die Evakuierung nicht möglich.
Rund um den Fundort liegen mehrere größere Einrichtungen und Geschäfte. Der Campus der Uni Duisburg-Essen blieb bis zum Ende der Entschärfung geschlossen. Die Universität teilte mit, Veranstaltungen und Tätigkeiten könnten in den digitalen Raum, nach Duisburg oder ins Homeoffice verlegt werden.
Die Agentur für Arbeit blieb ganztägig geschlossen, also auch nach Abschluss der Entschärfung. Im Neukundenbereich des JobCenters Essen fielen alle Termine aus. Auch die Möbelhäuser IKEA und XXXLutz öffneten am Donnerstag zunächst nicht, der Parkplatz von IKEA blieb leer. Im Rotlichtviertel an der Stahlstraße blieben die Betriebe ebenfalls zunächst geschlossen. Die Besitzer waren vorab informiert worden.
Vor der Entschärfung mussten rund 1.050 Menschen im Umkreis von 300 Metern ihre Wohnungen verlassen. Seit kurz vor 8 Uhr wurden sie dazu aufgefordert, zusätzlich gab es Lautsprecherdurchsagen. Kurz nach 10 Uhr meldete die Stadt Essen den Abschluss der Evakuierung. Wer sonst keine Unterkunft fand, konnte in die nahe gelegene Weststadthalle gehen. Dort hielten sich laut Stadt am Vormittag zwischen 20 und 30 Menschen auf.
Unter ihnen waren die Studierenden Leni Teeuwen und Philipp Dömich, die müde in der Sammelstelle saßen. Sie wohnen in einer Studenten-WG direkt an der Uni und blicken aus dem Fenster unmittelbar auf die Bombe. Teeuwen sagte, sie seien um halb 8 aus der Wohnung geklingelt worden. Das Semester hat für beide gerade erst begonnen. Dömich erklärte, er wohne erst seit wenigen Tagen dort und habe nicht gewusst, wohin er gehen solle.
Der Entschärfer Uwe Palmroth ist seit vielen Jahren im Einsatz, wenn im Ruhrgebiet Blindgänger gefunden werden. Auch in Essen war er trotz seiner Erfahrung etwas aufgeregt. Die Aufregung sei immer da, im Lauf der Jahre lerne man aber, damit umzugehen, sagte er. Routine dürfe es nicht geben, denn sie führe zu Fehlern, und diese seien in seinem Beruf tödlich.
Auch Pendler waren betroffen: Mehrere Straßen nördlich der Innenstadt waren stundenlang gesperrt. Die Straßen- und U-Bahnen der Ruhrbahn hielten nicht mehr an den Haltestellen Berliner Platz und Universität. Kurz nach der erfolgreichen Entschärfung wurden alle Sperrungen wieder aufgehoben.