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NRW-SPD reagiert betroffen auf Rücktritt von Bärbel Bas

Der Rückzug der Duisburgerin Bärbel Bas als SPD-Bundesvorsitzende und Bundesarbeitsministerin löst in der NRW-SPD Betroffenheit aus. Spitzenkandidat Jochen Ott wirft dem Koalitionspartner Union mangelndes Mitgefühl vor. Zwischen CDU und SPD in Düsseldorf kommt es zu einem Schlagabtausch. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) äußert Mitgefühl.

WELT · 12.10.2026 · 09:41 Uhr

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Der Rücktritt der Duisburger SPD-Politikerin Bärbel Bas von den Ämtern der Bundesvorsitzenden und der Bundesarbeitsministerin hat in der nordrhein-westfälischen SPD Betroffenheit ausgelöst. Jochen Ott, Spitzenkandidat der Partei für die Landtagswahl 2027, richtete zugleich Kritik an den Unions-Koalitionspartner in Berlin. Bas habe nach dem Tod ihrer Stieftochter um eine Auszeit gebeten, dabei habe es an Mitgefühl für sie gefehlt. „In so einer Phase darf die Menschlichkeit nicht komplett verloren gehen“, sagte Ott. Das müsse der Politik auch für die Zukunft zu denken geben.

Über die Nachfolge in der SPD-Führung zu sprechen, sei noch zu früh, sagte der Chef der SPD-Landtagsfraktion. Er rechne damit, dass die Partei im Bund bei einer Doppelspitze bleibe. Formal müsse der Parteitag die Frage entscheiden. Dieser soll im Dezember oder Januar stattfinden. Ott verwies darauf, dass die NRW-SPD als mitgliederstärkster Landesverband beim Bundesparteitag „eine große Gruppe“ stelle und damit Einfluss auf die Führungsfrage habe.

An die schwarz-rote Koalition in Berlin richtete Ott den Appell, aus den großen Reformvorhaben zwei bis drei Punkte gemeinsam voranzubringen. Am besten geschehe dies als konzertierte Aktion mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, damit wieder etwas Ruhe einkehre. Die aufregenden Wochen seien für alle Menschen extrem anstrengend und trügen auf Dauer nicht zur Stabilisierung bei, so Ott.

Zu einer möglichen Rolle von Bas im NRW-Landtagswahlkampf äußerte sich Ott nicht konkret. Für ihn sei sie eine ganz wichtige Frau aus Nordrhein-Westfalen gewesen und werde es bleiben. Er zeigte sich traurig über den Rücktritt und beschrieb Bas als eine Politikerin mit großer Bodenhaftung. Die Duisburgerin habe es „von ganz unten bis in allerhöchste Staatsämter“ geschafft. Das zeige, dass Menschen aus allen Milieus die Chance hätten, in dieser Demokratie das Land mitzugestalten.

Bas begründete ihren Rückzug in einer Erklärung, die auch auf Instagram verbreitet wurde, zunächst mit dem Tod ihrer Stieftochter. Die 58-Jährige ist verwitwet, ihr Mann Siegfried Ambrosius starb 2020. Sie schreibt, sie brauche Zeit zum Trauern und wolle sich diese ausreichend nehmen. Zugleich verwies sie in einer öffentlichen Mitteilung auf öffentliche Angriffe gegen sich, auch aus den Reihen der Union. Politiker der Union hatten ihr zuletzt vorgeworfen, Reformen, etwa bei der Rente, zu verschleppen.

Ott hatte am Morgen erklärt, es dürfe die Gesellschaft nicht gleichgültig lassen, wenn ein Mensch, der nach einem Trauerfall im engsten Familienkreis eine Auszeit brauche, in dieser schweren Lage persönlich angegriffen werde. Politische Auseinandersetzungen gehörten zur Demokratie. Menschlichkeit, Anstand und Respekt seien dabei aber in den vergangenen Wochen auf der Strecke geblieben.

Beim Umgang mit Politikerinnen, die einen persönlichen Schicksalsschlag erlitten haben, kam es zu einem Schlagabtausch zwischen CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann und der SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf. Hoppermann sagte, moralische Appelle könnten sich gern auch an die SPD-Fraktion im NRW-Landtag richten. Diese habe einen Untersuchungsausschuss gegen die krebskranke Landesministerin Ina Scharrenbach (CDU) angestrengt. Der von der SPD durchgesetzte Ausschuss befasst sich aktuell mit Mobbing-Vorwürfen gegen die Bau- und Heimatministerin.

Ina Blumenthal, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, sagte der Düsseldorfer „Rheinischen Post“, das sei „ein unredlicher und unverfrorener Vergleich“. Scharrenbach habe selbst entschieden, in die Politik zurückzukehren, nachdem sie ihre Erkrankung öffentlich gemacht und eine Auszeit genommen habe. Scharrenbach hatte ihre Krebserkrankung im Juni 2025 bekannt gemacht und sich über Monate einer Therapie unterzogen. Der Untersuchungsausschuss wurde ein Jahr später auf Antrag der SPD beschlossen.

Die NRW-SPD-Landesvorsitzende Sarah Philipp würdigte Bas als herausragende Sozialdemokratin, die sich mit Leidenschaft, klarer Haltung und unermüdlichem Einsatz für Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt starkgemacht habe. Als Bundestagspräsidentin, Bundesarbeitsministerin und Parteivorsitzende habe Bas in höchsten Ämtern Verantwortung übernommen, ohne den Blick für die Sorgen und Nöte der Menschen zu verlieren. Nach Philipps Worten stehe Bas wie kaum eine andere für Bodenständigkeit, Glaubwürdigkeit und tiefe Verwurzelung im Alltag der Menschen.

Mahmut Özdemir, Vorsitzender der Duisburger SPD, sagte, Bas habe für alle viel erduldet. Sie habe sich für jene in der Gesellschaft starkgemacht, die nicht mit dem goldenen Löffel gesegnet gewesen seien.

Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) reagierte mit Mitgefühl. Auf der Plattform X schrieb er, es sei nicht richtig, wenn sich Eltern von Kindern verabschieden müssten. Seine Gedanken und sein tief empfundenes Mitgefühl seien bei Bas und ihrer Familie. Vor ihrer persönlichen Entscheidung habe er großen Respekt.

Bas vertritt seit 2009 als direkt gewählte Abgeordnete den Wahlkreis Duisburg I im Bundestag. Von 2021 bis 2025 war sie Bundestagspräsidentin, im Mai 2025 wurde sie Bundesarbeitsministerin, im Juni 2025 übernahm sie gemeinsam mit Lars Klingbeil den SPD-Vorsitz. Ihr Bundestagsmandat will sie behalten.

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